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Karneval hausgemacht

Die Vorstadtkarnevalisten

13.02.2012 | 14:41 Uhr
Die Vorstadtkarnevalisten
„Die Ossis" bei der Probe. Zwischendrin steht eine Attrappe des Sozialdezernenten Georg Möllers. Foto: Rainer Raffalski / WAZ FotoPool

Recklinghausen.  Das O-Team, die „Ossis“ aus Hillen, bereiten sich wieder akribisch auf die närrischen Sitzungen vor.

Die Nerven liegen blank im Oster Saalbau: Wird der kurze, selbst gedrehte Vorfilm laufen? Und wo bleibt eigentlich Jörg? Auf den Bastelkönig, Requisiteur und Keyboarder in Personalunion scheinen die anderen „Ossis“ immer zu warten.

Samstagnachmittag. „Die Ossis“ proben und proben, die Köpfe rauchen, denn es gibt noch so viel zu tun. Jetzt geht’s in die heiße Phase des Karnevals für die vier Spaßvögel, die fest im – unterschiedlichen — Berufsleben stehen und Familienpflichten haben. Uli Loos, Stephan Vogt, Jörg Tschersich und Dirk Westhues, seit 1988 dabei und dienstältester Ossi, feilen an ihrem Programm für die Prunksitzungen ihrer eigenen Großen Hill’schen Karnevalsgesellschaft (GRO-HI-KA) und die Närrische Ratssitzung im Rathaus.

Schon der Besuch im Trainingslager der lokalpolitischen Kabarettisten, angesichts deren Qualität man den Amateur-Status hinterfragen kann, ist witziger als manche Comedy-Show mit hohen Einschaltquoten. „Der hat die ganze Nacht bei mir im Schlafzimmer gestanden, ich wusste nicht, wohin damit“, verrät Jörg Tschersich, einen bekannten Recklinghäuser Politiker und Verwaltungsboss als Pappkameraden hereintragend. Die drei anderen Ossis grinsen und grausen sich. „Die Ärmel habe ich mit Meerschweinchen-Stroh ausgepolstert“, verrät der Keyboarder mit handwerklichem Geschick. Was die anderen nicht wirklich interessiert. Die schnappen sich nämlich ihre Gitarren und legen los.

Die Methode des „O-Teams“, wie sie sich in Anlehnung an die TV-Serie „Das A-Team“ genannt haben, ist schlicht genial: Zu bekannten Songs dichten sie ihre eigenen Texte, spotten über Recklinghäuser Geschehen sowie Entwicklungen in ihrem Viertel und ihrer katholischen Liebfrauen-Gemeinde.

Zwischen den Stücken foppen sie sich gegenseitig oder kaspern mit den Technikern. Auch das sind ehrenamtlich engagierte Bürger aus Ost/Hillen: Hans-Peter Bartsch, der Technische Direktor, und dessen Sohn Alexander Bartsch, der für den Ton sorgt, sowie Licht-Chef Michael Weyers. Stephan Winter, der den Vorfilm der Ossis abspielen lassen will, kriegt die Krise: „Dieser Hausfrauen-Computer schafft das nicht.“ Es wird Ersatz besorgt. Und noch ein Ersatzgerät. Bis es endlich klappt.

Zu sehen sind die vier in alle Winde zerstreuten Ossis, die wieder zu einer Mission zusammengerufen werden. Es sind haarsträubende Szenen, teilweise im (echten) Sand von Dubai gedreht. Eine Recklinghäuser Szene dürfte besonders Stella, Ulis Ehefrau, Sinn für Humor abverlangen. Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten.

Bis zur letzten Sekunde wird in diesen Tagen am Auftritt gefeilt, denn aktuelle Ereignisse könnten das Programm umwerfen – oder bereichern. Die Ossis sind, bei aller Fröhlichkeit, bissig. Wer sich in der heimischen Polit-Szene etwas auskennt – und welcher Zeitungsleser tut das nicht – wird seine helle Freude haben. Und es soll Politiker geben, die beleidigt sind, falls sie nicht von ihnen auf die Schippe genommen werden.

Kerstin Halstenbach

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