Das aktuelle Wetter Unser Vest 13°C
Soziales

Die Unsichtbaren

16.05.2012 | 17:38 Uhr
Die Unsichtbaren
Foto: Lutz von Staegmann / WAZ FotoPool

Recklinghausen. Wenn Köksal, Irene oder Brunhilde von ihrer Arbeit erzählen, dann ist da immer auch dieser Hauch von trotzigem Stolz: Ein Knochenjob immerhin, der an die körperlichen Grenzen geht, der Fachwissen, Organisationsfähigkeit und nicht selten Sozialkompetenz erfordert und der doch – daher der Trotz – ein denkbar schlechtes Image hat: „Alles ist besser als putzen gehen“, kein Satz, der deutlicher machen könnte, wie wenig die Arbeit von Reinigungskräften wertgeschätzt wird.

Sieben Toiletten, sieben Waschräume, zwei Einzelduschen, einen großen Zehn-Personen-Duschraum und den dazugehörigen Umkleideraum hat Ulrike in zwei Stunden zu reinigen. Eines Tages wechselt das Reinigungsunternehmen den Besitzer, ihr wird die Zeit gekürzt und die Zahl der zu reinigenden Räume erhöht: Dann müssen Sie eben etwas schneller arbeiten. „Das ist richtig schwere Arbeit, die einfach viel zu schlecht bezahlt wird“, fasst Ulla Simon, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Recklinghausen, die Situation von Reinigungsfachkräften zusammen.

Die Frauen arbeiten nicht selten auf 400-Euro Basis, oder schwarz in Privathaushalten, „in völlig ungesicherten Verhältnissen“, weiß Gudrun Braukmann von Frauen in Arbeit. Denn ob der Arbeitgeber am Ende wirklich zahlt, steht mitunter in den Sternen, und wer schwarz arbeitet, hat keine rechtliche Handhabe, an seinen Lohn zu kommen. Zudem sind die Frauen nicht versichert, es gibt keinen Lohn im Krankheitsfall und das Arbeitspensum ist in der veranschlagten Stundenzahlen kaum zu schaffen: 40 Stunden Arbeit die Woche für 400 Euro im Monat, das kommt vor und gar nicht mal so selten. Selbst diejenigen, die das Glück haben, eine sozialversicherungspflichtige Anstellung gefunden zu haben, müssen damit leben, dass ihre Arbeit nicht wertgeschätzt wird: Die Putze halt ...

Dabei werden sie gebraucht wie kaum jemand sonst: Niemand will nach Feierabend sein Büro selber putzen, nach dem Schwimmbad-Besuch den Duschraum reinigen oder nach Schulschluss durch den Klassenraum wischen. Weil Reinigungskräfte aber – wie die Heinzelmännchen – meist dann zu Werke gehen, wenn alle anderen längst zu Hause sind, wird ihre Arbeit in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. „Deshalb richtet sich der Tag der Reinigungsfrauen ganz explizit auch an die Öffentlichkeit“, erklärt Mitorganisatorin Elisabeth Maatz von LISA (linke Frauen) NRW: „Wir wollen die Arbeit sichtbar machen.“ Vor allem aber sind die Reinigungsfrauen selbst angesprochen. Zu Beginn des Aktionstages wird im Cineworld der Film „Bread and Roses“ gezeigt, anschließend geht es ins Rathaus, wo im Foyer die Ausstellung „Wer putzt den Pott“ eröffnet wird, die mit Fotos und Texten aus dem Arbeitsalltag der Reinigungsfrauen erzählt. Anschließend warten Vorträge und Diskussionsrunden: Bernd Dornbrach, Lehrer für Reinigungs- und Hygiene-Technik, wird zum Thema Ausbildung und berufliche Qualifikation sprechen, Peter Strauch von der PS Fachberatung Gebäudereinigung, informiert zum Thema Körpergerechtes Arbeiten. Daneben gibt’s Interviews mit Gerlinde Schenk von der IG Bau, mit einer Vertreterin von ver.di, mit Gudrun Braukmann und Frauen, die als Reinigungskräfte arbeiten, ein anschließendes Gespräch.

Katharina Müller

Kommentare
Funktionen
Fotos und Videos
Kultur für 100.000 Besucher
Bildgalerie
Ruhrfestspiele
Haltern trauert um die Opfer
Bildgalerie
Airbus-Absturz
Haltern trauert um Absturzopfer
Bildgalerie
Trauer
Das neue
Bildgalerie
Einzelhandel
article
6665605
Die Unsichtbaren
Die Unsichtbaren
$description$
http://www.derwesten.de/staedte/unser-vest/die-unsichtbaren-id6665605.html
2012-05-16 17:38
Vest