Die (Rad)-Weltverbesserer
18.12.2009 | 17:51 Uhr 2009-12-18T17:51:00+0100Städtische Realschüler erarbeiten Vorschläge, wie sich's per Drahtesel sicher(er) zur Schule fährt.
Nein, Radfahrer haben es wirklich nicht leicht. Überall im Straßenverkehr lauern für sie Gefahren. Die größte? Sind: „Busse, die zu nah an einem vorbeifahren”, sagt Annkatrin (12). „Hauptstraßen”, meint Madleen (11). „Autofahrer, die einem die Vorfahrt nehmen”, findet Gianluca (13). Und Melda, zwölf, hat „beim Reinfahren in Kreisverkehren immer ein unsicheres Gefühl”. Und dann gibt's auch noch die vielen Schlaglöcher auf den Wegen . . .
Jede Menge Hinweise können die Kinder der 6 b der Städtischen Realschule Verkehrsplanerin Lydia Schäfers an diesem Morgen mit auf den Weg geben, wie sie sicherer mit dem Rad zur Schule kommen könnten. Schäfers staunt. „Sehr verschiedene, tolle Anregungen”, sagt sie, nehme sie mit ins Rathaus. „Ihr habt uns gezeigt, wo für Radler im Straßenverkehr die Gefahrenquellen aus Kindersicht liegen.”
Derartige Anregungen zu bekommen, hieraus Ideen zu erarbeiten, wie Radfahren in Herten (noch) mehr gefördert werden kann: Das ist eine wesentliche Intention dieses jüngsten Projektes der „Schulweg-Detektive”. Zumal Herten „fahrradfreundlich” werden möchte. Im Frühjahr 2010 soll ein entsprechender Antrag an das nordrhein-westfälische Verkehrsministerium gestellt werden, erklärt Schäfers.
Über mehrere Wochen haben die Kinderfreunde der Stadt, Beate Kleibrink und Svenja Hary, deshalb mit den Sechstklässlern der Realschule an der Paschenbergstraße zum Thema „Sicher mit dem Rad zur Schule” gearbeitet. Nicht nur die Gefahren im Straßenverkehr waren in dem über acht Schulstunden laufenden Projekt dabei indes Thema. Madleen, Melda und ihre Klassenkameraden haben auch erarbeitet, wie ein radsicherer Schulweg aussehen sollte: mit vielen Ampeln, wenig(er) Autos, zusammenhängenden Radwegen. Und sauber, ohne Laub. Zudem haben sie gelernt, was einen Drahtesel verkehrssicher macht (funktionierendes Licht, Bremsen, Klingel, Reflektoren) und ihre Räder einem Verkehrstauglichkeitscheck unterzogen.
So weit, so gut. Allein: Die meisten dieser Sechstklässler kommen für gewöhnlich gar nicht mit dem Rad zur Schule am Paschenberg, ergab eine Umfrage. Das Gros der 6 b kommt: mit dem Auto. Oder mit dem Bus. „Wir haben das Projekt deshalb kurzfristig um einen Aspekt erweitert”, sagt Beate Kleibrink. „Unter dem Motto „Radfahren macht Spaß!!!!!!” (mit genau so vielen Ausrufezeichen, Anm. d. Red.) sollten die Mädchen und Jungen sich Argumente pro Pedale überlegen. Und diese in Form von Plakatvorlagen verarbeiten.”
Die Ergebnisse?
Dass Radfahren „Spaß macht (bei gutem Wetter)”, ist auf einem Entwurf zu lesen, dass es „cool” sei, auf einem anderen. Und Madleen hat ihre Argumente pro Drahtesel so formuliert: „Lassen Sie Ihr Fahrrad nicht in der Garage stehen. Sie schonen so die Umwelt. Und Sie können die Welt retten!”
Kann jemand dazu wirklich Nein sagen?
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