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WAZ-INTERVIEW

Die Erneuerung geht weiter

12.02.2010 | 15:21 Uhr

Recklinghausen. Nach mehr als neun Jahren bekommt die Initiative Süd einen neuen Vorsitzenden: Rudolf Hewuszt zieht Bilanz.

Rudolf Hewuszt Vorsitzender Initiative Süd im Vest Recklinghausen. Foto WAZ Reiner Kruse

Recklinghausen. Die Südstadt gilt nach wie vor als Problemzone, geprägt von sozialer Schwäche und hohem Migrantenanteil. Aber Süd hat sich in den letzten Jahren auch deutlich gewandelt. Nicht zuletzt dank der „Initiative Süd”, die nun vor einem Wachwechsel steht, denn Rudolf Hewuszt, Mitgründer und von Beginn an Vorsitzender der Vereinigung, stellt sich bei der nächsten Mitgliederversammlung am 25. Februar, nicht wieder zur Wahl. Über seine Erfahrungen sprach er mit WAZ-Redakteur Ernst zur Nieden.

Wie sieht Ihre Resümee aus nach neuneinhalb Jahren?

Hewuszt: Wir haben manches erreicht, aber der Prozess der Stadtteilernerung ist auch noch lange nicht zu Ende. Für die weitere Entwicklung im Rahmen des Landesprojektes „Soziale Stadt” in Süd und Grullbad sind inzwischen die wesentlichen Weichen gestellt. An vielen Ecken ist es schöner geworden. Es gibt Ansätze zu mehr Zusammenarbeit der verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Aber einiges haben wir auch nicht geschafft. Insgesamt stört mich, dass alles immer so verdammt lange dauert.

Wie hat es angefangen?

Der Anstoß zur Gründung der Initiative kam durch ein Gutachten über den Stadtteil Süd, das die Stadt in Auftrag gegeben hatte. Die Gutachter haben in drei Workshops zu ergründen versucht, was die Süder Bürger denn eigentlich wollen. Am Ende haben sie gesagt: Ihr Bürger müsst selbst mit dafür sorgen, dass auch wirklich etwas passiert, dass unser Gutachten nicht einfach in einer Schublade verschwindet und verstaubt.

Deshalb die Initiative?

Genau. Die Gründung war sozusagen die Antwort auf die Bürgerbefragung. Zunächst haben wir uns als Interessengemeinschaft gegründet, seit sechs Jahren sind wir ein eingetragener Verein. Im zweiten Anlauf haben wir dann gemeinsam mit der Stadt die Aufnahme in das Landesprogramm geschafft, das jetzt noch bis Ende 2012 oder 2013 laufen wird.

Was bedeutet dieses Programm?

Ganz praktisch natürlich Fördermittel. Vom Land kommen 8,4 Millionen, von der Stadt weitere 2,1 Millionen. Von diesen 10,5 Millionen sind bis heute 4,6 Millionen noch nicht ausgegeben – es ist also noch einiges in der Pipeline. Zu den sichtbaren Ergebnissen gehören neue Angebote in der Kinder- und Jugendarbeit, die Umgestaltung von Schulhöfen. Ein Leuchtturm ist natürlich der wiederbelebte Stadthafen. Der Südpark hat ein neues Gesicht bekommen, Gewässer wie Hellbach und Bärenbach ebenfalls. Wir haben Veranstaltungen für alle Bürger aufgebaut wie das jährliche Fest der Chöre, das Lichterfest oder den Abschluss der Woche des Sports.

Und die Initiative ist als Motor für Süd anerkannt?

Ich denke, ja. Bei der Gründung waren wir 57 Mitglieder, 42 Bürger und 15 juristische Personen wie Parteien und andere Gruppierungen, heute sind wir 133 Mitglieder, 106 Bürger und 27 Gruppen. Es machen also viele aktiv mit. Das ist wohl der Beweis, dass unsere Arbeit ankommt.

Was fehlt noch?

Wir sind noch am Anfang, was die Gemeinsamkeit mit der großen Zahl der Migranten in Süd angeht. Diesem Thema widmet sich ein eigener Arbeitskreis, der die Zusammenarbeit fördern soll. In der Inititative arbeitet seit zwei Jahren der erste türkische Rechtsanwalt in Süd mit. Er versucht gerade in dieser Frage, konkrete Schritte zu gehen. Insgesamt können wir Fehler früherer Jahre, wie den Bau von Einkaufszentren auf der grünen Wiese, die dem Einzelhandel bis heute schaden, oder das Fehlen einer Umgehungsstraße nicht ungeschehen machen. Wie mönnen nur versuchen, mit diesen Bedingungen umzugehen und zu fragen, was man trotzdem tun kann, um die Situation zu verbessern.

Ernst zur Nieden

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