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Die drei Säulen der Krebstherapie

18.11.2010 | 16:54 Uhr
Die drei Säulen der Krebstherapie
Referenten des Abends waren Professor Dr. Martin Büsing (im Bild), Chefarzt am Knappschaftskrankenhaus, der internistische Onkologe, Till-Oliver Emde und der Radioonkologe Dr.Heinz-Georg Wehmeyer. Foto: Lutz von Staegmann

Vest. Die Diagnose Krebs wird in Deutschland jährlich mehr als 400 000 Mal gestellt, allein im Kreis Recklinghausen gibt es jedes Jahr etwa 3500 neu an Krebs Erkrankte.

Wie können Ärzte ihnen helfen? Mit dieser (nicht nur) nur für Betroffene wichtigen Frage beschäftigte sich das WAZ-Medizinforum im Recklinghäuser Knappschaftskrankenhaus.

Präzise Schnitte, passgenaue Medikamentengabe und Bestrahlung: Aus diesen drei Säulen bestehe die moderne Krebstherapie, erklärte Prof. Dr. Martin Büsing. „Und oft“, betonte der Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie im Knappschaftskrankenhaus, „benötigen wir alle drei Therapieformen zusammen für den bestmöglichen Erfolg.“ Wo die Medizin anno 2010 im Kampf gegen die tückische Erkrankung konkret steht, skizzierten Büsing und seine Mitreferenten, Dr. Heinz-Georg Wehmeyer, Chefarzt der Strahlentherapie, sowie der niedergelassene Onkologe Dr. Till-Oliver Emde anhand von Beispielen.

Da wäre die onkologische Chirurgie. Deren vorrangiges Ziel sei es, „den Tumor radikal zu entfernen zur dauerhaften Heilung“, betonte Büsing. Und hier sei vieles möglich. Etwa beim Darmkrebs: Das Wegschneiden von Tumoren im Mast- oder im Dickdarm habe nicht per se eine Inkontinenz zur Folge, beruhigte Büsing. Und: Dank moderner Techniken habe so ein Eingriff heute einen größeren Heilungserfolg als vor 15, 20 Jahren. So sei an der bereits operierten Stelle damals noch bei jedem dritten Patienten mit Mastdarmkrebs Tumorgewebe nachgewachsen. Heute sei das „schon fast eine Rarität“. Und selbst wenn ein Darmkrebs bereits gestreut habe, sich Lebermetastasen gebildet hätten, gebe es Überlebenschancen, machte Büsing Mut. Unter bestimmten Voraussetzungen könne ein Chirurg bis zu zwei Drittel des befallenen Organs entfernen. Denn Lebergewebe wachse nach.

Mit den aktuellen Entwicklungen in der medikamentösen Behandlung des Lungenkrebses beschäftigte sich Till-Oliver Emde. Bis vor einigen Jahren, so der Onkologe, sei dieser Tumor mit klassischen Chemotherapien behandelt worden: Dabei werden die Krebszellen mit wachstumshemmenden Chemikalien an der Teilung gehindert. Das Problem: Die Zytostatika genannten Stoffe (wie Platin) hemmen auch das Wachstum gesunder Zellen; Folgen sind Erbrechen und Müdigkeit. Zudem habe die Chemotherapie hinsichtlich ihrer Wirksamkeit bei Lungentumoren „ein Plateau erreicht“.

Doch was sind Alternativen in der Behandlung der häufigsten tödlichen Krebserkrankung, infolge der jährlich über 40 000 Menschen versterben? Nun: Neue Studien, so Emde, belegten, dass „zielgerichtete Therapien“ mitunter besser greifen. Bei diesen wird der Lungentumor mittels neuartiger Arzneistoffe bekämpft, die auf nur im Krebsgewebe auffindbare Eigenarten ausgerichtet sind: So hemmt ein Medikament die Gefäßneubildung von Tumoren; ein anderes bewirkt, dass sich Antikörper an die Tumorzelle anheften können. „Diese medikamentöse Krebstherapie ist wirksamer und verträglicher.“

Dass im Kampf gegen Krebs Strahlen eine wichtige Rolle spielen, erläuterte Dr. Heinz-Georg Wehmeyer. Jeder zweite Patient werde (auch) mit dieser Therapie behandelt. Dank moderner Gerätetechnik erfolge die Bestrahlung des Tumorfeldes von außen (Teletherapie) zunehmend passgenauer. Bei manchen Tumorerkrankungen wie Prostatakrebs stehe einem Strahlentherapeuten alternativ die Brachytherapie zur Verfügung, bei der kleine nadelähnliche Strahlenquellen direkt in den Tumor eingebracht werden.

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