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Die Chemie muss stimmen

31.07.2012 | 19:45 Uhr
Die Chemie muss stimmen
Bei der Ausstellungseröffnung in Herten (v.r.): Hertens Bürgermeister Dr. Uli Paetzel, Dr.Jörg Marth von der ChemSite Initiative, Fachbereichsleiter Peter Brautmeier. Foto: Mathias Schumacher

Vest. Ob in Windeln oder Waschmitteln, in Kosmetik, Textilien, in Autos oder im Sportbereich – überall sind Chemieprodukte vorhanden. „Aber auch in Windrädern stecken modernste Kohlefasern, und Lithium-Ionen-Batterien sorgen in Elektro-Autos und -Fahrrädern für die Antriebskraft“, betonte Dr. Jörg Marth, Leiter der ChemSite-Initiative, bei der Ausstellungseröffnung „Das Ruhrgebiet – Zukunft durch Chemie“, die in den vergangenen Monaten in allen Kreisstädten präsentiert wurde und nun zum Abschluss im Foyer des Hertener Glashauses zu sehen ist.

„Den Menschen muss bewusst sein, dass Chemie viel Komfort im täglichen Leben mit sich bringt“, betonte dann auch Bürgermeister Dr. Uli Paetzel. 800 Menschen sind allein in Herten bei chemischen Betrieben beschäftigt – das sind fünf Prozent der sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer, so Peter Brautmeier, Leiter des Fachbereichs Wirtschaft und Arbeit.µ Die ChemSite-Initiative kann aber mit noch größeren Zahlen aufwarten, denn allein in der Emscher-Lippe-Region sind etwa 16 000 Menschen beschäftigt. 13 000 kommen aus dem Kreis Recklinghausen. Und mit 10 000 Arbeitsplätzen ist der Chemiepark Marl der größte Arbeitgeber.

Größter Arbeitgeber der Region

„Die Chemie ist in der Region der größte Arbeitgeber, ist von daher die wichtigste Branche – auch in ganz Nordrhein-Westfalen“, so Marth. So ist NRW das Chemie-Bundesland, generiert ein Drittel aller bundesweiten Umsätze. Insgesamt liegt Deutschland weltweit mit seinen Chemie-Produkten auf Rang vier, erwirtschaftete im Jahr 2010 145,9 Milliarden Euro. Nur die USA, China und Japan sind erfolgreicher. „100 000 Menschen sind an Rhein und Ruhr in der chemischen Industrie beschäftigt, und jeder Arbeitsplatz schafft weitere Jobs im Dienstleistungssektor“, so Marth.

Allerdings genießt die Chemie-Industrie bei vielen Bürgern nicht unbedingt ein hohes Ansehen. Angst vor Chemie-Unfällen, Giftstoffe in der Luft oder im Wasser fürchten Anwohner an den größeren Standorten. Um unter anderem diesem negativen Image zu begegnen, wurde 1997 ChemSite als Netzwerk gegründet. Es hat zudem das Ziel, den Chemiestandort Ruhrgebiet zu stärken und auszubauen. Dazu gehört auch, die Bevölkerung mit einzubeziehen. Die Menschen sollen erfahren, dass die Chemie ein überaus wichtiger Arbeitgeber ist. Und auch zu Fragen des Umweltschutzes gibt ChemSite Antworten.

Versorgungssituation

Aber auch für Firmen-Akquise ist ChemSite zuständig. So präsentierten sich die beteiligten Kommunen mit ChemSite zuletzt auf der Hannover-Messe, um für den hiesigen Chemie-Standort zu werben. „Die internationale Konkurrenz ist groß, aber wir haben hier in NRW einen guten Stand. Es gibt vielfältige Rohstoffe und Zwischenprodukte für die Weiterverarbeitung“, so Marth. Für Firmen aus dem In- und Ausland ist diese Versorgungssituation ein wichtiger Faktor bei der Wahl neuer Standorte.

Und so habe die chemische Industrie in Deutschland die Weltwirtschaftskrise gut überstanden. „Wer in unserem Bereich beschäftigt ist, hat einen sicheren, zukunftsorientierten Arbeitsplatz. Und die Prognosen sind gut“, betont Marth. „Das gilt auch für den Nachwuchs.“

Seinen eigenen Kindern würde er auch gerne die Ausbildung in der Chemie nahe legen. „Aber das müssen sie selbst entscheiden.“

Joachim Bachmann



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