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Ontex-Schließung

„Die Bude wird dicht gemacht“

14.09.2012 | 20:57 Uhr
„Die Bude wird dicht gemacht“
Bald gehen können 300 Ontex-Beschäftigte. Das Werk wird schließen.Foto: Joachim Kleine-Büning

Recklinghausen. Für das Windelwerk Ontex an der Blitzkuhlenstraßen in Recklinghausen und seine 300 Mitarbeiter gibt es keine Zukunft mehr. Verhandlungen über einen möglichen Fortgang des Betriebs sind gescheitert. „Wir haben Überkapazitäten in Europa und steigende Rohstoffpreise“, nennt Unternehmenssprecher Richard Speich erneut jene Gründe, die Ontex schon im Juni bei Ankündigung der Schließung genannt hatte. Dass das Werk bereits im Oktober dicht gemacht wird, wie es die erste Pläne vorsahen, ist kaum wahrscheinlich. Alles läuft indes auf die Ausarbeitung eines Sozialplans hinaus.

„Die Stimmung ist jetzt auf dem Nullpunkt, es herrscht das blanke Entsetzen. Viele Mitarbeiter hatten gehofft, dass sich die Ontex noch umstimmen lassen würde“, ist die Enttäuschung auch bei Roland Meya nicht zu überhören. Der Betriebsvorsitzende gehörte zu denen, die am Mittwochabend der Ontex-Führung ein Alternativkonzept vorgeschlagen hatten. „Aber die haben schon zwölf Stunden später gesagt, es bleibt bei der Schließung.“ Die Zeit, Alternativen durchzurechnen, habe sich das Unternehmen nicht nehmen wollen.

Der Frust sitzt tief

Nicht nur Meya beklagt, dass es zwar einen Beauftragten für die Verhandlungen gibt, Deutschland-Vertriebschef Klaus Tombers. „Aber ansonsten sind die Herren, die entscheiden, weit weg. Was hier mit den Arbeitsplätzen passiert, das interessiert die doch gar nicht.“ Der Frust sitzt tief. Der 55-Jährige kündigt harte Verhandlungen an: erst beim Interessenausgleich, bei dem es um die Rahmenbedingungen der Schließung geht, und danach bei der Ausarbeitung eines Sozialplans. Die Interessen der Arbeitnehmer vertritt Anwalt Ralf Leifeld (Bochum).

Erbost ist derweil auch die Gewerkschaft. „Die kümmern sich doch einen Scheißdreck darum, was mit dem Werk in Recklinghausen passiert“, schimpft DGB-Regionalchef Dr. Josef Hülsdünker. Die Belegschaft habe zur Rettung des Unternehmens nicht nur vergoldete, sondern goldene Äpfel angeboten. „Aber Ontex geht es nur um die Marktbereinigung und darum, an billigeren Standorten weiter zu produzieren.“

Lohnverzicht angeboten

Bestandteil der Angebote waren ein Sanierungstarifvertrag und Kurzarbeit, das heißt Lohnverzicht in nicht unerheblichem Umfang. Zumindest auf eines werde sich das Unternehmen einstellen können: „Es wird harte Verhandlungen um den Sanierungsplan geben.“ Denn eines sei nun klar: „Die Bude wird dicht gemacht. Und das ist eine Katastrophe für Recklinghausen, die Region und vor allem für die Leute.“ Ontex beruft sich derweil auf einen ökonomischen Zwang. „Früher war das Werk in Recklinghausen gut ausgelastet, heute ist das nicht mehr so. Und für die Zukunft sehen wir dafür auch keine Chance“, so Sprecher Speich. Vermutlich hat das Unternehmen die begrenzte Auslastung des Recklinghäuser Werks indes selbst herbeigeführt. Dem Vernehmen nach habe es am Markt eine Preissteigerung durchsetzen wollen und sei gescheitert. So beziehe die Drogeriekette DM, die etwa 50 Prozent der in der Spitze jährlich 1,2 Milliarden im Werk an der Blitzkuhlenstraße produzierten Windeln bekam, ihre Produkte nun aus anderen Ländern.

Der Vorschlag von Wirtschaftswissenschaftlers Professor Dr. Heinz-Josef Bontrup von der Westfälischen Hochschule Recklinghausen, Teile der Produktion aus dem Werk Mayen nach Recklinghausen zu verlagern, sei nicht die Lösung. „Das erhöht die Produktionskosten. Dann gibt es nicht nur Probleme in einem Werk, sondern in zwei Werken“, so Richard Speich.

Andreas Rorowski



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