Der Patient Pflege
06.07.2009 | 10:17 Uhr 2009-07-06T10:17:00+0200
Eine Aussteigerin berichtet: Der Dienst ist nicht mehr so, wie ich ihn für richtig halte
Vest. Es war mal ihr Traumberuf, sagt die 35-jährige examinierte Altenpflegerin aus dem Vest. „Das wollte ich immer werden.” Kranken, hilfsbedürftigen Menschen helfen, ihnen zuhören, eine Stütze sein, sie wirklich körperlich und seelisch pflegen. Nach ihrer Ausbildung arbeitete die 35-Jährige rund ein Jahrzehnt in diversen Altenheimen. Dann wurde sie schwanger und kehrte nun nach sieben Jahren Kind-Pause in den Beruf der Altenpflegerin zurück. Als Mitarbeiterin in der ambulanten Pflege. Eine kurze Rückkehr war das, denn die alleinerziehende Mutter steigt ganz aus aus diesem Job. „Der Beruf an sich macht keinen Spaß mehr”, sagt die Frau, die lieber anonym über ihre Erfahrungen im heutigen Pflegegeschäft berichten möchte. „Keinen Spaß mehr” heißt: Die Arbeitsbedingungen, die geringe Entlohung, die psychische Belastung sind Faktoren für ihren Ausstieg.
Es fing damit an, dass die Berufsrückkehrerin an ihrer neuen Arbeitsstelle – ein ambulanter Pflegedienst eines Wohlfahrtsverbandes – nicht eingearbeitet wurde. „Den Patienten, also Kunden wurde ich nur teilweise vorgestellt, das fand ich schlimm”, sagt die Pflegerin. „Stellen Sie sich vor: Ich habe einen Schlüssel, gehe in die Wohnung und soll die Leute waschen.” Was sie bei den jeweiligen Patienten tun sollte, bekam die Frau von ihren Vorgesetzten häufig per Telefon gesagt, mit dem Hörer am Ohr machte sie sich Notizen: Wundversorgung, waschen, ein Medikament verabreichen, eincremen, lagern, fertig. So oder so ähnlich.
Durch die mangelnde Einarbeitung und immer wechselnde Patienten ergab sich ein anderes, ganz praktisches Problem: „Ich kannte die Wege nicht.” Was unheimlich Zeit gekostet hat, die ja ohnehin knapp bemessen sei. „Teilweise bin ich nur gerannt, war gehetzt und genervt”, sagt die Pflegeaussteigerin. „Ich habe versucht, die Patienten das nicht spüren zu lassen, die wollen sich ja sicher fühlen.” Häufig war sie unpünktlich: 22 Kunden hatte sie in einer Schicht, da bleiben rein rechnerisch bei 7,5 Stunden nur ein paar Minuten pro Patient, die Anfahrtszeiten müssen ebenfalls berücksichtigt werden. Überstunden waren normal. Ein Problem für die alleinerziehende Mutter, die ihr Kind versorgen muss.
Sie kündigte bei diesem Dienst und heuerte bei einem privaten Pflegeunternehmen an. Dort war es besser: Die Einarbeitung stimmte, sie bekam feste Touren und feste Patienten, die Planung passte, „ich konnte mich darauf verlassen”, sagt die Teilzeitkraft mit 30-Stunden-Woche.
Dennoch: Feiertags arbeiten und jedes zweite Wochenende, bei Frühschicht um fünf Uhr morgens raus – für das Geld? „1650 Euro brutto habe ich bei dem Pflegedienst der Wohlfahrtspflege verdient, bei dem privaten Dienst weniger, 1400 Euro brutto”, berichtet die Frau. „Da bleibt nicht viel übrig, ohne nebenbei noch arbeiten zu gehen, kommen Sie nicht über die Runden.”
Zum finanziellen Argument für den Ausstieg kam für sie die psychische Belastung: „Es ist alles nur auf Zeit getrimmt, dabei warten die Patienten den ganzen Tag auf uns und wollen reden. Und sie merken natürlich auch, dass wir unter Druck stehen.” Wenig Raum für liebe Worte und dazu noch das, was sie mit nach Hause schleppte. Verwahrloste Haushalte, „weil die Menschen kein Geld haben, um sich eine Putzfrau zu leisten”. Angehörige, die sich nicht kümmern. „Eine Patientin, die hatte kein Brot mehr. Das einzukaufen wäre eigentlich Aufgabe der Tochter gewesen. Ich habe dann Brötchen mitgebracht.”
All das will die 35-Jährige nicht mehr, sie arbeitet nun in einem anderen Bereich. „Die Pflege ist nicht mehr so, wie ich sie für richtig halte”
14:58
ich find das die liebe dame es selbst schuld ist wie sie bei ihrem pflegedienst behandelt wurde..wenn sie losfährt ohne sich mal zu ner tour zu erkundigen oder sich wege rauszusuchen ist sie das selber schuld.. sowas kann man als pflegeperson erfragen bzw. nachsehen.. diese person im artikel ist für mich jemand der für die ambulante pflege nicht geeignet ist und nicht in der lage ist dinge selbst in erfahrung zu bringen..Wenn sie diese Fähigkeit nicht hat ist sie verloren in der ambulanten pflege-logisch-aber da muss sie sich selbst mal fragen was sie falswch gemacht hat und nicht alle schuld auf pflege und pflegedienst abwälzen ..unmöglich diese person!!
01:27
Guter Artikel.
Wie ich bereits schon mal erwähnte, das System in der die Pflege allgemein steckt, ist überholt, skandalös(keinem störts, so richtig.... oder?), es wird weiter so gehen, always always always the same way...... da werden schulnoten nix, garnix ändern......