Der mit dem Wolf knutscht
11.09.2011 | 17:34 Uhr 2011-09-11T17:34:00+0200
Haltern am See. Der herumtollende Wolf zeigt zwar durchaus beeindruckenden Zähne, ist aber ein ganz Lieber und will nur spielen. Sagt zumindest Jörg Banner, erklärter Hunde- und Wolfs-Fan aus Haltern am See, während er dem Wolfswelpen das drahtige Bauchfell wuschelt. Wölfe gelten oft als böse und heimtückisch. Dabei ist Raven das genaue Gegenteil. Scheu, verspielt, tollpatschig.
Raven sieht eher aus wie ein schmächtiger Schäferhund. „Zähne, Beißkraft und Verhalten unterscheiden ihn aber vom Hund“, sagt Jos de Bruin. Der Holländer ist in die Wohngruppe des LWL-Jugendhilfezentrum nach Haltern gekommen, weil hier ein tiergestütztes Konzept umgesetzt wird, das Problem-Jugendlichen die Rückkehr in den Alltag erleichtern. De Bruin hält einen Vortrag über „das Verstehen und den Umgang mit Wölfen“. Er sieht so aus, wie man sich Forscher vorstellt, die mit ihren Tieren leben: blank gewetzte Lederhose, feste Schuhe, T-Shirt mit Wolfspfoten-Aufdruck.
De Bruin betreibt in Sonsbeck am Niederrhein eine Wolfauffangstation, in die ihm von überall her Wölfe zur Pflege gebracht werden. Nicht aus der freien Natur, denn erst seit einigen Jahren kehren sie vereinzelt aus Polen wieder in deutsche Wälder zurück. Die Tiere in der Auffangstation stammen aus dem Zirkus, von Pelztierfarmen und aus dem Zoo. Kürzlich hat de Bruin einen Polarwolf sogar aus den USA bekommen.
Raven ist rabenschwarz
Zweimal in der Woche kommt der Wolfexperte in den Naturwildpark Granat, wo er die Karpatenwölfe Mato und Luna betreut. Mit seiner Arbeit will er dem Menschen den Wolf näher bringen und sich außerdem für dessen Schutz einsetzen.
In der Fabel heißt der Wolf Isegrim – der Eisenhelm. Doch so grau wie das geschmiedete Metall ist ein Wolf nicht immer. Genauer gesagt, nicht mehr. Raven, das sagt schon sein Name, ist rabenschwarz. Einer seiner Vorfahren könnte mal ein Hund gewesen sein, „das liegt aber weit, weit zurück“, sagt der Wolfsexperte. Raven ist ein Timberwolf. Eine genetische Mutation aus jüngerer Zeit habe bei den Wolfspopulationen der nordamerikanischen Wälder für ein tiefschwarzes Fell gesorgt.
Zahm wie ein Haustier
Welpe Raven wohnt mit im Haus und ist zahm wie ein Haushund. Eigentlich ist er mit vier Monaten eher ein Wölfchen, aber was das Knuddeln und Spielen angeht, stehen Wölfe auf eine ungewohnt harte Tour: Raven, so um die 18 Kilo schwer, prescht mit Riesensätzen heran, schnappt nach de Bruins Hand, schnuppert, winselt und leckt ihn um den Mund. Das sieht nach echten Liebkosungen aus, hat aber nur einen Grund: Sind junge Wölfe hungrig, lecken und kneifen sie den ausgewachsenen Wölfen um die Schnauze, damit diese halb Verdautes hervorwürgen. Als de Bruin ein klagendes „Huuuuu-Wuuuuu-Wooouuuu“ anstimmt, legt Raven prompt den Kopf in den Nacken und heult kräftig mit.
Das Alphatier ist de Bruin für die junge Wölfin dennoch nicht. Das ist ein Jack Russell Terrier mit dem bezeichnenden Namen Diabolo. Er hat das Sagen im Haus. Fragt sich wohl nur wie lange.
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