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Der Hügel bebt

01.05.2009 | 19:21 Uhr
Der Hügel bebt

Mit Kind, Kegel und jeder Menge Fifis zogen die Massen am 1. Mai über den Grünen Hügel.

Wilson, der Mini-Yorkshire, war mit seinen gerade mal zwei Pfund das Fliegengewicht unter den Festivalbesuchern. Ein paar Meter weiter saß der dickste Brocken aus dem Bereich der tierischen Gäste auf der Wiese: Casper, die Recklinghäuser Bordeaux-Dogge, satte 55 Kilo schwer, genoss das Festival-Flair zufrieden auf der Musikbühne.

Tierisch ging es auch bei den Walk-Acts zu, die überall und nirgends die Volksfestbesucher überraschten. Ein abgehalfterter Zirkusdirektor trottet mit seinem halbstarken Dickhäuter über den Hügel und die außerirdischen Weltenbummler hatten ihre Haustiere im Gepäck. Und dado, der bucklige Clown aus Kanada, führte seine Plastikspinne an der Leine spazieren. Ein bisschen Spaß muss ein. Den machte Dado dann auch noch mit dem WAZ-Fotografen, dem er blitzschnell das Arbeitsgerät entriss und damit in die Menge schoss.

Spaß machten auch die „Bullemänner aus Suchdrup” auf der Scala-Bühne: „Das größte Lob, das uns ein Westfale spendet, lautet: Ich musste lachen.” Im Sauerland, da rühre sich gar nix. Im Ruhrgebiet aber, . . .

Schließlich wird deren Zwerchfell auch dauergereizt, zumindest am 1. Mai in Recklinghausen. Wenn zum Beispiel im Theaterzelt „Tullux aus der Konserve” springt und die Kabarettisten singend reimen „Ich bin Hauer, ich hab Power.” Apropos Reim. An dem finden auch die Deutschrocker „Kixs” Gefallen, wenn sie singen „Warum warum, zu dumm!” Derweil dröhnt ein Gesangsduo nebenan „Macht bloß keine Witze, Recklinghausen ist spitze!”

Spitzenmäßig war auf jeden Fall die kulinarische Versorgung. Über die Wiesen zog ein feiner Duft von Bratwurst, Pizza, Pommes und Kibbeling. Für Spezialisten gab's Wildschwein-Leberkäse und philippinische Putenpfanne.

Gefragt war auch Information: Die Programmhefte für die Ruhrfestspiele, die am Sonntag starten, gingen weg wie warme Semmeln. Am knallgelben Fringe-Mobil informierte Anna Pechtl aus Berlin über die Angebote des Off-Festivals (25. Mai bis 12. Juni). Die 34-Jährige ist erstmals bei den Ruhrfestspielen: „Die Atmosphäre hier finde ich toll.”

Vor dem Theaterzelt scharrt unterdessen das Volk mit den Hufen: Kabarettistin Lioba Albus läd zur Schlammschlacht der Geschlechter. Die Dame erzählt von höchst erotischen jungen Männern: „Die sind so cool, die tragen bei 30 Grad noch ne Wollmütze aufm Kopp.” Damen in winterlicher Kleidung verfolgen da andere Ziele: „Ganz bedenklich: Frauen im Pelz, die sich im Streichelzoo unter die Ziegen mischen, um auch mal wieder angepackt zu werden.” Dann schon lieber mit der besten Freudin Samstagnacht in den Salsa-Schuppen: „Da tanzen die Eierstöcke Tango.”

Die archaischen Klänge eines Digeridoos erfüllen derweilen die Musikwiese: Jungle Grooves der Combo „Ruhrkraft plus Gäste” und die Meute genießt. Mit Bier und Bollerwagen sind sie angereist, haben es sich auf Decken gemütlich gemacht. „Ich bin jedes Jahr hier”, erzählt der 18-jährige Raphael. „Feiern auf dem Hügel gehört zum ersten Mai einfach dazu.”

Weil gerade die jugendlichen Besucher mit ihrem Alkoholkonsum gerne über die Stränge schlagen, ist auch Christian Fricke von der Recklinghäuser Drogenberatung unterwegs: „Wir wollen hier und heute Flagge zeigen. Ich spreche auch ganz gezielt Jugendliche an. Die Reaktionen sind verschieden, einige sind eher belustigt, andere lassen sich darauf ein.”

Elisabeth Höving und Katharina Müller

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