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Der Herr der "Para"

19.02.2010 | 17:50 Uhr

Marl. Über 32 Jahre ist Manfred Kipp (64) nun schon in Diensten der Paracelsus-Klinik. Anfang März sagt Verwaltungsdirektor dem Hause nun „Auf Wiedersehen”. Ein Porträt zum Abschied.

Wenige Monate vor seinem Dienstende, sagt Manfred Kipp (64), sei er doch tatsächlich noch aufgestiegen. Das Büro des Verwaltungsdirektors der Paracelsus-Klinik wurde nämlich vom Krankenhaus-Keller ins Erdgeschoss verlegt. Dass sich die Fusion mit dem Knappschaftskrankenhaus Recklinghausen zum Klinikum Vest so auswirken würde, nein, das hätte Manfred Kipp nicht gedacht!

Dass der Zusammenschluss der beiden Häuser im August 2008 viele neue Prozesse anstoßen würde, war ihm dagegen bewusst. Deshalb auch nennt er die Fusion „mein letztes großes Projekt”, durch das er die Paracelsus-Klinik nach über 32 Dienstjahren unbedingt noch begleiten wollte. Weil ihm das Wohl der 600 Mitarbeiter, für die er „stets das Bindeglied zwischen allen Berufsgruppen sein wollte”, am Herzen lag und liegt. Und weil er glaubt(e), dass es zur Zukunftssicherung seiner „Para” keinen anderen Weg („Die Fusion war überfällig”) gab.

Angesichts des immer weiter steigenden Kostendrucks im Gesundheitswesen und des immer härteren Konkurrenzdrucks, so Kipp, „können Krankenhäuser nicht mehr allein existieren”. Dies zeige sich nicht zuletzt auch daran, „dass der Zusammenschluss Anstoß für viele weitere in der Region war”.

Schon drei Jahre zuvor habe die Paracelsus-Klinik Mut zu einer anfangs umstrittenen, aber „weitsichtigen” Veränderung bewiesen: Mit dem 2005 eröffneten Facharztzentrum unmittelbar neben der Klinik habe man „die starre Grenze von stationärer und ambulanter Behandlung aufgelöst und miteinander verzahnt”.

Voller Überzeugung hat Manfred Kipp derlei Neuerungen für „sein” Krankenhaus mitgetragen. Dagegen sieht er, für den es ohne Menschlickeit im Krankenhaus nie ging, gewisse Entwicklungen im Gesundheitssektor sehr kritisch. Es werde heute „zu wenig für die Pflegenden” ausgegeben, sagt er. Auch den Zwang der Kliniken, die durchschnittliche Verweildauer ihrer Patienten immer weiter herunter fahren zu müssen, bereitet ihm Probleme. Und so, gesteht er nach einer kurzen Gedankenpause, sei für ihn der 4. März, sein 65. Geburtstag, an dem er der Paracelsus-Klinik in einer Feierstunde offiziell „Auf Wiedersehen” sagt, vielleicht wirklich „der richtige Zeitpunkt zu gehen: Mehr Sparsamkeit könnte ich für mich schon gar nicht mehr ertragen”.

Wie er seine neu gewonnene freie Zeit füllen möchte? Auch darüber hat sich Manfred Kipp schon Gedanken gemacht. Dem Garten in seinem Haus in Drewer will er sich verstärkt widmen, im Oktober in Münster ein „Altersstudium” (Geschichte und Geografie) beginnen. Und last but not least setzt er auf Ruhr.2010. Jede Menge tolle Veranstaltungen habe er schon im Programm entdeckt – an noch nie besuchten Orten. „Ich habe mein ganzes Leben lang im Ruhrgebiet geschuftet”, sagt er, „und ich kenne noch nicht einmal meine Heimat . . .”

Herr Kipp, es wird Zeit!

LEBENSFAKTEN

Manfred Kipp wuchs als jüngstes von drei Kindern als Halbwaise in Rheine auf, sein Vater starb in den letzten Kriegstagen in Ostpreußen. Mit 14 begann er eine Lehre bei der Stadtverwaltung Rheine. Nach Bundeswehr, einem Job beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe in Münster und dem Erwerb der Fachhochschulreife an einer Abendschule kam er Mitte der 1970er Jahre zur Stadt Marl (Personalverwaltung) – und von dort aus zur „Para”. Als diese zum 1. Januar 1978 wirtschaftlich verselbstständigt wurde, wurde er Personalleiter der Klinik, seit dem 1. Januar 1982 ist er deren Verwaltungsdirektor, seit 2008 auch stellvertretender Geschäftsführer des Klinikums Vest. Manfred Kipp ist in zweiter Ehe verheiratet, hat einen leiblichen, einen angeheirateten Sohn. Im Mai wird er zum zweiten Mal Opa.

Sabine Kruse

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