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Das Risiko steigt

06.02.2012 | 19:21 Uhr
Das Risiko steigt
Buntes Geld, verlockendes Angebot. Nicht immer aber ist es lukrativ, auf fremde Währungen wie den Schweizer Franken zu setzen.

Vest. Kämmerer im Vest schauen sich derzeit die Kursentwicklung auf den Devisenmärkten intensiver an. Denn das Derivatgeschäft, das den Stadtsäckeln, einst Millionengewinne versprach, hat sich in bestimmten Bereichen um 180 Grad gedreht.

Insbesondere der Handel mit Schweitzer Franken. In der Stimbergstadt musste Kämmerer Heinz Schnettger nun 5,36 Millionen Euro an Rückstellungen bilden (im Jahr zuvor waren es 1,1 Mio Euro). Das wäre der Verlust, wenn man aus dem Geschäft aussteigen müsste. Schnettger: „Das werden wir natürlich nicht tun, sondern abwarten, bis der Schweizer Franken an Wert verliert und versuchen mit unseren anderen Devisen, Boden gutmachen.“ Nur dazu sieht er erst einmal nicht aus. Er selbst bezeichnet dieses Termingeschäft als eines, für das er sich nicht unbedingt rühmen möchte, auch wenn die Geldbeschaffung in der Schweiz immer noch günstiger sei, als die Kreditaufnahme hierzulande. Zur Zeit heißt es abwarten. Bis der Kurs fällt. Ein Ausstieg zum jetzigen Zeitpunkt würde den Haushalt stark belasten.

Für 15 Millionen Euro hat die Stadt Marl Ende 2011 Schweizer Franken gekauft. Der Kauf-Kurs von 1,455 (CHF/EUR) ist deutlich schlechter als der offizielle Kurs von 1,25. Und doch rechnet Marl mit keinem schlechten Geschäft. Denn für die 21,8 Millionen Franken sind nur geringe Zinsen zu zahlen.

Sollte das Geld sofort zurückgezahlt werden, dann würde die Stadt einen Verlust von drei Millionen Euro machen, deshalb werden in dieser Höhe Rückstellungen im Haushalt 2012 gebildet. Da es sich um einen Derivatgeschäft handelt, wurde bereits vor fünf Jahren die Vereinbarung geschlossen, dass Marl am 5. Dezember 2011 die Schweizer Franken ankauft. Im Gegenzug bekam Marl dafür eine Gutschrift.

Dass unterm Strich das Franken-Geschäft ein Verlust wird, erwartet der Leiter der Kämmerei, Michael Dinklage, nicht. Marl werde die Franken erst dann wieder in Euro zurücktauschen, wenn der Kurs über 1,455 liege. Das darf auch in ferner Zukunft liegen. Bis dahin könne man erst mal die anderen der insgesamt 170 Millionen Euro Kassenkredite zurückzahlen.

Auch in Recklinghausen wird das Termingeschäft mit den Devisen gepflegt. Allerdings sei hier momentan alles im Grünen Bereich. Ob noch Rückstellungen gebildet werden müssen, werde allerdings derzeit schon geprüft. Der Fremdwährungsanteil liegt bei 45,4 Mio. Euro; das meiste davon in US-Dollar.

In Herten wird ebenfalls mit Schweizer Franken gehandelt, aber nicht nur. Das sogenannte Portfolio beinhaltet auch andere Geschäfte mit denen es bislang gelang, Verluste auszugleichen. „Wir gehen da mit bedacht ran, um das Risiko zu minimieren“, sagt Stadtsprecher Nele Däubler.

Auch in Datteln wird mit Devisen gehandelt. Detaillierte Zahlen und wie sich der Handel auf den Haushalt auswirkt, konnten gestern nicht genannt werden. Große Vorsicht gegenüber derartigen Geschäften haben die Verantwortlich in der Stadt Haltern am See walten lassen. Die Stadt habe sich lediglich an einem Devisen-Observierung-Geschäft beteilig und dafür 20 000 Euro erhalten. Am Ende gab es 1000 Euro Gewinn. Das Geschäft wurde als zu risikoreich betrachtet und die Stadt stieg aus, teilte Bürgermeister Bodo Klimpel in Hauptausschuss mit.

Dieter Decker

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