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Das gelbe Ärgernis

12.08.2008 | 17:20 Uhr
Das gelbe Ärgernis

Bei den Städten kommen immer wieder Beschwerden wegen nicht entsorgter Verpackungsabfälle an. Dabei sind sie gar nicht mehr zuständig, sondern ein kompliziertes Geflecht von Privatfirmen

Vest. Abfälle aus Südtalien werden gerade nach Deutschland gekarrt, weil es hier mit der Entsorgung klappt: Im RZR Herten unter anderem werden sie verbrannt. Dabei gibt es auch hierzulande Ärger mit Müll. So hoch wie in Neapel türmt sich der Unrat nicht, aber immer wieder sind Bürger stinksauer darüber, dass etwa die Abfuhr der gelben Säcke und Tonnen mit Verpackungsabfällen nicht funktioniert.

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Verzögerungen inklusive

Die Zuverlässsigkeit der Entsorger schwankt von Stadt zu Stadt

„Mit der Firma Remondis hat die Stadt Waltrop derzeit keine Probleme”, sagt Dr. Peter Gellert, Leiter der für die Müllentsorgung zuständigen Anstalt Öffentlichen Rechts (AÖR). „Aber wenn's nicht läuft, rufen alle bei uns an”. Deshalb habe die Stadt ein waches Auge auf den privaten Entsorger.

Die aktuellen Probleme des DSD-Entsorgers in der Vestmetropole und seine Erklärungen sieht Gellert kritisch: „Wenn bei unser Restmüllabfuhr ein Fahrzeug ausfällt, ist das bei der Größe unseres Fuhrparks schlimm. Allerdings können wir uns Dank der Kooperation mit Nachbarstädten behelfen. Wenn bei einem Weltunternehmen wie Remondis ein Fahrzeug und damit die DSD-Abfuhr ausfällt, lach' ich mich über diese Erklärung kaputt”.

Nordöstlich von Waltrop, in Olfen, läuft die Abfuhr des gelben Mülls ebenfalls über die Firma Remondis. Problemlos, sagt die Stadtverwaltung.

In Datteln rückt Remondis seit Anfang 2008 als Subunternehmer dem gelben Müll zu Leibe. Und dort gibt es Ärger, weil die Firma nicht fertig wird, die Säcke oft einen Tag liegen bleiben. Stadt-Sprecher Dirk Lehmanski: „Das gibt am nächsten Tag Probleme bei der Straßenreinigung”.

Kaum Probleme gibt es in Oer-Erkenschwick mit der Entsorgung des Verpackungsmülls. Sagt zumindest der Betriebshof, der ebenso wie in den anderen Veststädten nicht mehr selber abfahren darf. Remondis übernahm hier von Anfang an. Einen Grund dafür, dass die Zahl der Bürgerklagen eher gering ist, sieht man darin, dass hier über 90 Prozent der Haushalte eine Gelbe Tonne haben. Verzögerungen von einem Tag, wie sie etwa aufgrund von Defekten an Fahrzeugen durchaus vorkommen, wirken sich dabei naturgemäß weniger dramatisch aus als bei gelben Säcken.

Beim Presse- und Informationsamt in Marl weiß man nichts von Bürgerbeschwerden. Obwohl hier mit gelben Säcken gearbeitet wird. Auch hier ist Remondis offiziell der Entsorger, allerdings wurde der Dienst auch hier an das Dorstener Unternehmen Suden delegiert.

Uwe Schilling, Leiter der Kommunalen Servicebetriebe (KSR) der Stadt Recklinghausen, kann davon manches Lied singen: „Vor ein paar Wochen bekamen wir massive Beschwerden zuerst aus Suderwich, später auch aus anderen Teilen des Stadtgebietes. Ganze Straßenzüge sind da nicht abgefahren worden.”

Paul Leufke, Geschäftsführer der zuständigen Firma RE-Entsorgung in Coesfeld, beschwichtigt: „Im Juni und Juli hatten wir urlaubsbedingt einige Ausfälle. Es gab außerdem Personalwechsel mit der Folge, dass gelber Müll liegenblieb. Aber wir haben das zügig nachgearbeitet.” Aktuelle Probleme größeren Umfangs gebe es nicht, versicherte Leufke. Uwe Schilling erlebt das anders. Er informierte am Dienstag den KSR-Betriebsausschuss über die immer wieder auftretenden Bürgerbeschwerden, die bei der Stadt ankommen, auch wenn die längst nicht mehr zuständig ist. Um den gelben Müll kümmern sich nämlich private Entsorger. Unterschiedliche Zuständigkeiten, Verschachtelungen, Aufträge an Subunternehmer machen das System allerdings unübersichtlich.

Im Vest sind gleich mehrere Firmen tätig. Das Duale System Deutschland (DSD) hat den Zuschlag für den Kreis Recklinghausen der neuen Firma RE-Entsorgung erteilt, die jeweils zur Häfte der AGR (Abfallentsorgungs-Gesellschaft Ruhr) und dem Entsorgungsriesen Remondis gehört. RE-Entsorgung selbst sammelt allerdings nur in Haltern. In Recklinghausen ist Remondis Bochum zuständig, in Datteln, Waltrop und Oer-Erkenschwick Remondis Selm. In Herten und Marl hat RE-Entsorgung den Auftrag vor ein paar Wochen an die Dorstener Firma Suden weitergereicht.

Warum so kompliziert? Paul Leufke: „Das hat mit der Lage von Fahrzeug-Stützpunkten zu tun. Wir versuchen, Wege so kurz wie möglich zu halten.” Dahinter stecken natürlich Kostengründe, denn auch in der Müllbranche tobt ein knallharter Preiskampf. Leufke: „Wir müssen jede Chance zu Rationalisierungen und Einsparungen nutzen.” Aber das System müsse natürlich funktionieren. Diese Erwartung hegen vor allem die Bürger. Viele trauern den Zeiten nach, als die Städte selbst auch den gelben Müll abholten – für Rest-, Bio-, Sperrmüll und Altpapier sind sie ja nach wie vor zuständig. Auch deshalb wenden sich Betroffene an ihre Stadt, wenn mal wieder ein gelber Sack liegengeblieben ist. „Wir reichen solche Beschwerden postwendend an DSD und RE-Entsorgung weiter”, sagt Uwe Schilling. „Solcher Ärger ist Alltag.” Manchmal auch ein bisschen mehr: So wie gestern im Betriebsausschuss. . .

Heinz-Dieter Schäfer



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Kommentare
Kommentare
29.12.2008
17:34
Das gelbe Ärgernis
von Robert Bashe | #2

Ab Januar 2009 wird in Datteln der Verpackungsabfall von Remondis nicht mehr zu den gleichen Zeiten wie für Papier und Restmüll, sondern an verschiedenen Tagen (mal Mittwoch, mal Donnerstag, mal Freitag), mal zweimal, mal dreimal im Monat. Unübersichtlicher gehts wohl nicht und es wird sicher viele Fehler und Beschwerden geben.

13.08.2008
08:19
Das gelbe Ärgernis
von Christian Müller | #1

Dr. Gellert hat ein hausgemachtes Problem. Würde die Stadt Waltrop auf ihren Internetseiten angeben wer für den gelbem Müll zuständig ist (evtl. mit Telefonnummer), müsste er sich mit Beschwerden der Bürger für den Service von Remondis nicht auseinandersetzen.

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