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Transplantationen

„Da ist schon ein Sumpf“

10.08.2012 | 06:00 Uhr
„Da ist schon ein Sumpf“
Professor Dr. Martin Büsing ist Transplantationsbeauftragter des Klinikum Vest. Er spricht sich für intensive Nachforschungen im Zusammenhang mit den bekannte gewordenen Transplantationsskandalen aus.

Recklinghausen. Von einem „reinigenden Gewitter, das zu etwas Positivem führen wird“ spricht der Ärztliche Direktor des Klinikums Vest, Professor Dr. Martin Büsing, im Zusammenhang mit den Organspende-Skandalen in Regensburg und Göttingen. „Ich würde mir aber wünschen, dass noch mehr nachgeforscht wird. Denn da ist schon ein Sumpf“, sagt der 52-Jährige, der seit 13 Jahren am Knappschaftskrankenhaus in Recklinghausen tätig ist, das gemeinsam mit der Paracelsus-Klinik in Marl das Klinikum Vest bildet.

Zehn Organentnahmenjährlich im Klinikum Vest

Mit im Durchschnitt zehn Organentnahmen pro Jahr gehöre das Klinikum Vest mit seinen besonderen strukturellen Voraussetzungen zu den fünf Häusern in Nordrhein-Westfalen, in denen die meisten Organe entnommen werden. In der Regel handele es sich dabei um Multiorgan-Entnahmen: Nieren, Herz, Leber, Bauchspeicheldrüse. Professor Büsing ist Transplantationsbeauftragter der Klinik und hat bereits 1993 (Niere) und 1994 (Bauchspeicheldrüse) die ersten Organtransplantationen in Bochum durchgeführt. Ein Vorreiter in der Region.

Zwar habe es in seinem Haus aktuell noch keine Nachfragen verunsicherter Patienten gegeben. Aber ein Schaden sei durch die bekannt gewordenen Manipulationen in jedem Fall entstanden, „der nicht in ein paar Wochen mal eben zu beheben ist“. Es gehe um Vertrauen und darum, das Verfahren der Organspende noch transparenter zu machen. In Häusern, in denen nach hohen moralischen Ansprüchen gearbeitet werde, komme es zu keinem Missbrauch. Dass es Manipulationen gegeben habe, sei aber mittlerweile klar. „Und wenn es einen Fall gibt, dann gibt es auch noch weitere. In der Szene weiß man wer gefährdet ist“, so Professor Büsing.

Anders als bis zur Einführung des Transplantationsgesetzes gibt es heute eine Trennung von der Organentnahme und der Transplantation. Die Vergabe der Organe erfolge über die Stiftung Eurotransplant mit Sitz im niederländischen Leiden. Über Computerlisten wird ermittelt, welcher potenzielle Empfänger die besten Voraussetzungen hat. In der Regel sollte das Organ innerhalb von etwa 20 Stunden eingesetzt werden.

Mitunter könnten aber auch Organe bewusst in ihrer Qualität schlechter eingeschätzt werden als sie sind, so dass sie für eine möglichst schnelle Verwendung in der Nähe zur Verfügung stehen. Das gelte vor allem für Leber, Herz oder Bauchspeicheldrüse. Nicht zuletzt diese Verfahrensweise, so Prof. Büsing, gelte es zu überprüfen. „Ich kann mir schon vorstellen, dass in einigen Häusern gezittert wird“, sagt er. Dazu zähle er auch ein „großes Zentrum mit großer Tradition“.

Zustimmungsverfahrenals guter Kompromiss

Bei der politischen Debatte um das neue Organspendegesetz begrüßt er derweil das sogenannte Zustimmungsverfahren. „Das ist ein guter Kompromiss. Das Widerspruchsverfahren würde zwar zu mehr Organen führen. Ich halte es aber nicht für vernünftig.“ Am 1. November soll der Startschuss zur Befragung der Bürger über ihre Bereitschaft zur Organspende im Todesfall fallen. Die Versicherten sollen dann ihre Einstellung zu einer Organspende dokumentieren - dies soll zukünftig sogar auf der Gesundheitskarte möglich sein.

Andreas Rorowski

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2012-08-10 06:00
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