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Bücher im Schrank

09.12.2010 | 16:22 Uhr
Bücher im Schrank
Der dritte Bücherschrank der Stiftung Mercator steht jetzt in Recklinghausen. Foto: Joachim Kleine-Büning

Recklinghausen.Sie suchen ein Buch – und wollen sich überraschen lassen? Dann schauen Sie mal in den Bücherschrank vor dem Kreishaus! Da wartet ein buntes Sortiment. Sogar kostenlos.

Ein Bücherschrank quasi auf der Straße. Zugänglich für jedermann und rund um die Uhr. Diese Idee hat die Essener Stiftung Mercator bereits in Essen und Gelsenkirchen-Hassel verwirklicht. Der dritte Schrank steht seit Donnerstag direkt vor dem Kreishaus in Recklinghausen. Ein Geschenk an die Bürger im Vest, damit sie sich (noch mehr) zum Lesen inspirieren lassen. Und im Gegenzug vielleicht sogar selbst ein Buch spendieren; doch das ist keine Bedingung.

„Ich freue mich auf dieses total spannende Experiment: Buchausleihe ohne Reglement und Kontrolle“, sagte Landrat Cay Süberkrüb (SPD) zum Start des Angebotes – und stiftete einen Band mit Gedichten von Erich Kästner. Das Projekt passe wunderbar zum Schwerpunktthema „Bildung“, das ihm für den Kreis Recklinghausen besonders am Herzen liege.

Völlig neu ist die Initiative tatsächlich nicht, denn in Bonn oder Hannover sind solche offenen Bücherschränke schon länger erfolgreich. „Sie sorgen im Idealfall für einen Bücher-Kreislauf. Sie bringen Menschen miteinander ins Gespräch. Sie fördern das Lesen und damit die Bildung“, erläutert Doreen Barzel von der Stiftung Mercator (siehe Info-Kasten).

Ganz ohne Beobachtung bleibt der Schrank indes doch nicht. „Wir planen mit insgesamt zehn Standorten im Ruhrgebiet. Eine Voraussetzung ist, dass sich jeweils ein Pate findet, der sich verantwortlich fühlt, ein Auge darauf hat, dass Schrank und Bücher möglichst keinen Schaden nehmen und stets Lesbares in den Fächern steht“, erklärt Kirsten Scherwitz, Projektleiterin bei der Stiftung. Im Vest übernimmt Marit Rullmann diese Aufgabe; sie arbeitet als Koordinatorin im Kreis-Projekt „Lernen vor Ort“ und sieht den Bücherschrank als Beitrag zu mehr Bildungsgerechtigkeit: Sich hier mit Lesbarem zu versorgen, sei keine Frage des Geldbeutels. „Und wer Zugang zu Bildung hat, wird zur Teilhabe und zur Mitgestaltung unserer Gesellschaft fähig“, so Rullmann.

Die kostenlosen Bücher aus dem Schrank sind ausdrücklich keine Konkurrenz zu den Angeboten von Bibliotheken und Buchhandel. Und werden von diesem auch nicht so gesehen. Im Gegenteil. „Wer vom Bücher-Virus infiziert ist, landet irgendwann bei uns“, weiß Hajo Fingerle, Leiter der Stadtbücherei in Recklinghausen. Buchhändler Rolf Winkelmann sieht es ebenso: „Alles, was dem Lesen dient, ist auch gut für uns.“

So vielfältig wie bei ihnen ist auch das Angebot im Bücherschrank. „Italienisch in 30 Tagen“ gehörte zum Startsortiment, „Die Moralisten“ von Harold Robbins, „Die besten Witze aus dem Rheinland“ oder eine Sammlung mit Satiren von Ephraim Kishon und der Jugendbuch-Klassiker „Der Wildtöter“. Ob Cay Süberkrübs Kästner-Sammlung lange auf einen Interessenten wartet, wird sich zeigen. Der Wälzer „Soll und Haben“ von Gustav Freytag war jedenfalls schnell weg.

Ernst zur Nieden

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