Breites Bündnis gegen Rechts steht
23.11.2009 | 22:50 Uhr 2009-11-23T22:50:00+0100
Recklinghausen. Am 28. November wollen Neonazis aus dem Ruhrgebiet in Recklinghausen demonstrieren. Die Stadtgesellschaft in Recklinghausen bereitet sich ebenfalls vor, um deutlich zu sagen: Hier ist kein Platz für Nazis.
Die Stadtgesellschaft steht zusammen: Politik, Verwaltung, Kirchen, Gewerkschaften, Schulen, das Kinder- und Jugendparlament, Betriebe und Krankenhäuser, der Integrationsrat, die jüdische Kultusgemeinde bereiten sich darauf vor, am kommenden Samstag, 28. November, gemeinsam und deutlich zu zeigen, dass Nazis in Recklinghausen unerwünscht sind. Anlass ist die für diesen Tag angekündigte – und genehmigte – Demonstration von Neonazis aus dem Ruhrgebiet.
Polizei informiert
Im Vorfeld der Neonazi-Demo am 28. November richtet die Polizei vom heutigen Dienstag an ein Info-Telefon ein: 0800 2361 100. Hier können Bürger und Interessierte alle ihre Fragen zum Umgang mit der Kundgebung stellen. An Kaufleute soll ein Flyer verteilt werden. Auch im Internet informiert die Polizei ab heute über Wissenswertes rund um die Demonstration. Die Adresse: www.polizei-nrw.de/recklinghausen
„Am liebsten wäre es uns natürlich, wenn wir diese Kundgebung ganz verhindern könnten. Aber das geht eben nicht”, sagt Bürgermeister Wolfgang Pantförder (CDU). Für um so wichtiger hält er, dass sich möglichst viele Recklinghäuser, gerade auch junge Menschen, dem Bündnis für Toleranz und Zivilcourage anschließen, um mit einer „kulturellen Mahnwache” ein Zeichen gegen Rechts zu setzen.
Mahnwache und ein Programm mit Gedichten und Musik
Schauplatz wird das Ehrenmal am Lohtor sein, ein Ort, der einst als Kriegerdenkmal eingerichtet wurde, sich aber inzwischen zum Mahnmal gegen Krieg und Gewalt gewandelt hat, wie Jürgen Pohl erläutert. Der Chef der Volkshochschule gehört zu den Hauptakteuren des Bündnisses, außerdem ist er ausgewiesener Kenner der Nazi-Geschichte in Stadt und Region.
Von 10 bis 14 Uhr wollen Vertreter des Bündnisses an der Mahnwache präsent sein, von 11 bis 13 Uhr ist ein Programm mit Redebeiträgen, Gedichten und Musik geplant, das bunt und friedlich im Charakter, nachdenklich und deutlich im Ton demonstrieren soll, wie die große Mehrheit der Bürger denkt.
Mit den Neonazis, die sich zeitgleich über einen ihnen von der Polizei zugewiesenen Weg durch Recklinghausen bewegen werden, wird es voraussichtlich gar kein Zusammentreffen geben. Im Polizeipräsidium, so ein Sprecher, geht man bisher davon aus, dass die angemeldeten Demonstrationen friedlich verlaufen werden. Gleichwohl bereite man sich auf alle Eventualitäten vor. Angaben über die Stärke der Polizeikräfte, die eingesetzt werden sollen, gibt es aber ebenso wenig wie Aussagen darüber, wie man die Kundgebung der „Freien Nationalisten” im Einzelnen begleiten wird.
Gerade junge Leute in Blick
Auf der anderen Seite steht die lange Liste der Teilnehmer der Mahnwache am Lohtor. Dort wird neben dem Bürgermeister auch Dr. Jürgen Schwark von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit sprechen, außerdem der katholische Propst Jürgen Quante und Harold Lewin von der jüdischen Gemeinde in Recklinghausen.
Mehrere Musikgruppen, darunter das afrikanische Ensemble Dzigbodi, ein Posaunen- und ein Jugendchor haben sich angemeldet. Schüler werden Gedichte vortragen. Gerade junge Leute hat Jürgen Pohl im Blick, wenn er sagt: „Wir müssen zeigen, dass es Freiheit nicht von alleine gibt – sie muss verteidigt werden.”