Brandbrief der Personalräte
29.07.2012 | 17:51 Uhr 2012-07-29T17:51:00+0200
Vest. Seit Beginn des Jahres werden Menschen, die länger als ein Jahr lang arbeitslos sind, nicht mehr von der Bundesagentur für Arbeit sondern vom Kreis Recklinghausen und den jeweiligen Städten betreut. Seitdem antwortet Landrat Cay Süberkrüb (SPD) auf die Frage, wie es beim so genannten Optionsmodell läuft, stets mit dem Satz „Die Ampel steht auf Grün“. Doch so grün ist der Bereich nicht.
Denn die Personalräte der Städte und des Kreises schickten nun einen Brandbrief. Vieles liege noch im Argen. Insbesondere beim Personal habe sich Unmut breit gemacht. Es geht um Arbeitsplätze, die nicht besetzt sind – 880 müssten es sein – und um unterschiedliche Gehaltszahlungen. Diejenigen unter den Mitarbeitern in den Jobcentern und beim Kreis, die von der Bundesagentur für Arbeit in die Dienste des Kreises bzw. der Städte wechselten, haben eine Bestandsschutzgarantie bekommen.
Bis zu 500 Euro Gehaltsunterschied
Dies führte dazu, dass sie bei gleicher Arbeit – bis zu 500 Euro – mehr als ihre Kollegen mit kommunalen Tarifen erhalten. Noch. Langfristig soll ein Ausgleich geschaffen werden. Der sieht so aus, wie Personalratsvorsitzende des Kreises, Martina Pestke (49), gegenüber der WAZ erklärte: Bei Tariferhöhungen gehen die ehemaligen Mitarbeiter der Bundesagentur für Arbeit leer aus. So geschehen in diesem Jahr. Förderlich fürs Arbeitsklima sei dies nicht, wie die Personalrätin sagt.
In den ersten drei Monaten habe die Belegschaft alles daran gesetzt, um Geld an die Leistungsempfänger auszahlen zu können. Es gab technische Probleme mit der Software, Überstunden waren an der Tagesordnung. Diese Anfangsschwierigkeiten seien bewältigt, so Pestke. Nun, da es darum geht, die personelle Decke glatt zu ziehen, sei aber Sand ins Getriebe gekommen. Nicht alle Planstellen sind besetzt. Und auch die Unterbringung der Jobcenter, insbesondere in Marl, Haltern am See und in Waltrop, seien eher provisorisch. Zwar sei durch das Schreiben der Personalräte Bewegung in die Sache gekommen, doch zufriedenstellend sei es noch nicht. Bis Oktober sollten die kritisierten Punkte in dem Brandbrief angegangen sein. Am 24. Oktober wird eine Personalversammlung mit allen Mitarbeitern aus den Städten stattfinden. Dazu eingeladen sind neben dem Landrat auch aller Bürgermeister.
Fast alle Lotsenstellen besetzt
Weitgehend abgeschlossen ist dagegen die Besetzung von den sogenannten Lotsen in den Jobcentern. Ihre Arbeit gehört zu den zentralen Punkten der Optionskommunen. In ihren Jobcentern kümmern sie sich um die Vermittlung von Langzeitarbeitslosen, um deren Qualifizierung, um Leistungen für sie und ihre Angehörigen. Gebündelt werden die Aufgaben mit anderen Bereichen, angefangen von der Drogenberatung übers Erziehungsgeld bis zu Rentenfragen im virtuellen „Haus der sozialen Leistungen.“
Dadurch, dass nun alles in einer Hand liegt, sollen Fördermöglichkeiten gezielt eingesetzt werden, die am Ende den Weg in den Arbeitsmarkt ebnen. Damit ist die Hoffnung verbunden, die finanziell gebeutelten Städte zu entlasten. Denn jeder, der auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß fasst, entlastet am Ende die jeweilige Stadt.

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