Bibel blinkt im Kirchenschiff
20.10.2011 | 14:27 Uhr 2011-10-20T14:27:00+0200
Recklinghausen. Mit dem Online-Projekt „Blinken Bible“ beteiligt sich die Gustav-Adolf-Kirche am zweiten „RE leuchtet“-Wochenende
Die gute alte Martin-Luther-Bibel begegnet am Wochenende den „Blinken Lights“-Aktionen hipper PC-Aktivisten. Das Projekt läuft in der Gustav-Adolf-Kirche an der Herner Straße 6: Am Freitag, Samstag und Sonntag, 21. bis 23. Oktober, jeweils von 19 bis 21 Uhr können Menschen in aller Welt „ihren“ Bibelvers auswählen, senden – und in Echtzeit erscheint die Laufschrift auf einem sechs Meter langen Banner im Chorraum der protestantischen „Urkirche“ im Vest.
Die Datenbank der deutschen Bibelgesellschaft ist angeschlossen an die Webseite www.blinkenbible.de – ein PC steht an den drei Abenden im Kirchenschiff. Aber die Verbindung zum Laser-Projektor auf der Orgelempore soll natürlich „www“-weltweit möglich sein. Er „habe alle Auslands-Pfarrer angeschrieben“, sagt Sozialpfarrer Dr. Hans Hubbertz: 250 beschäftigen die evangelischen Landeskirchen in allen Weltzeitzonen.
Schließlich empfing der Sozialpfarrer auch beim Vorbild-Projekt Bibelverse aus Teneriffa und Kanada: „Blinken Bible“ sendete bereits im Kulturhauptstadtjahr 2010 während der Local-Heroes-Woche in Marl – und zwar auf die Fassade der Sparkasse Vest. Die stolze Bilanz: 120 000 Zugriffe in einer Woche während 24 Sende-Stunden. „Wir hatten jede Minute einen Bibelvers“, resümiert Hans Hubbertz.
An den drei Abenden des zweiten „RE leuchtet“-Wochenendes sind’s allerdings nur insgesamt sechs Stunden für die wortmächtige Auswahl von Genesis bis zur Offenbarung. „Das Online-System stapelt die Verse“, so beschreibt’s der Pfarrer und Projekt-Macher – „und meldet den Wartenden die Sendezeit.“ Gleichzeitig 800 Besucher können auf den Lifestream zugreifen. Natürlich wünschen sich die Verantwortlichen des Kirchenkreises kein großenteils „virtuelles“ Ereignis.
Er hoffe, sagt Dr. Hubbertz, „dass die Leute sich hier in der Kirche hinsetzen und eine Weile das Schauspiel beobachten“. Gesprächspartner finden sich dann in der Gustav-Adolf-Kirche ebenso wie eine gebundene Ausgabe der Luther-Bibel.
Lifestream-Favoriten des Vorjahres in Marl waren übrigens Verse der Psalmen, des Matthäus-Evangeliums und aus dem Buch der Sprüche. „Ein bestimmendes Thema war die soziale Gerechtigkeit.“ Das freut den Industrie- und Sozialpfarrer. Auf www.blinkenbible.de stellte Hans Hubbertz übrigens auch einen kurzen Film-Essay – als Einstimmung in die Vers-Suche.
Textbasis ist übrigens die aktuellste Version der evangelischen Bibel von 1984 – „nahe am Luther-Deutsch“, meint Dr. Hubbertz, „mit der Frische und Schärfe seiner Sprache“. Der Projektmacher gelobt, keinen Vers aus dem „Buch der Bücher“ aus der Laufschrift zu zensieren – „auch wenn er für uns heute noch so chauvinistisch klingen sollte“.
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