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Geschichte

Beethovens unerfüllte Liebe in Westerholt

07.02.2011 | 18:29 Uhr
Beethovens unerfüllte Liebe in Westerholt
Heimatkabinett Westerholt am Donnerstag, 20.01.2011 in Herten-Westerholt. Bilder von Ludwig van Beethoven und Maria Anna Wilhelmine von Westerholt. Foto: Thomas Schmidtke / WAZ FotoPool

Herten. Ludwig van Beethoven war Hauslehrer bei den Grafen von Westerholt, die Tochter des Hauses aber ließ ihn abblitzen.

Es könnte eine Geschichte aus der Feder von Hedwig Courths-Mahler sein, die sich Ende des 18. Jahrhunderts in Westerholt abspielte. Eine Geschichte, die mit einem gebrochenen Herzen endete. Dem Herzen des später weltberühmten Komponisten Ludwig van Beethoven.

Im Hause Westerholt lebte einst Wilhelmine Franziska mit ihrem Mann Ludolph. Die Gräfin hatte nach dem Tode von Joseph Clemens August den elf Jahre älteren Trunkenbold heiraten müssen, um Hab und Gut derer von Westerholt zu retten. Die Geschäfte führte die emanzipierte Hausherrin, während sich Ludolph den Freuden des Lebens hingab. Unter anderem der Musik. Er spielte Fagott und erfreute sich daran, gemeinsam mit seinen Kindern Hausmusik zu machen. Einer seiner Söhne spielte Flöte, und seine Tochter, Maria Anna Wilhelmine, spielte Klavier. Dass die Familie im Winter 1790 den gerade 20-jährigen Ludwig van Beethoven kennenlernte schien wie ein Wink des Schicksals. Der junge Mann aus Bonn wurde als Musiklehrer engagiert und zog im Grafenhaus ein.

Fortan betreute er die Hauskonzerte und gab Musikunterricht. Schnell entfachte seine Liebe zur Tochter des Grafen, die ihrerseits für Beethoven schwärmte. „Aber ihr war das nicht so ernst.“ Matthias Latus vom Heimatverein Westerholt hegt tiefes Verständnis für den jungen Musikus. Der seinerseits tat alles, um der Grafenfamilie zu gefallen. So komponierte er ein „Konzertantes Trio für Cembalo, Flöte, Fagott“ für die Familie von Westerholt. Eine heiter beschwingte Komposition, die Beethoven damals im Geiste Mozarts schrieb.

Wann und wo
Heimatkabinett Westerholt

Das Trio, das der große Ludwig van Beethoven einst für die von Westerholts schrieb, und auch ein Liebesbrief an Maria können in Kopie im Heimatkabinett in Westerholt besichtigt werden. Das befindet sich an der Schlossstraße 34 im früheren „Café Oelmann“.
Geöffnet ist das kleine und sehr feine Museum jeweils donnerstags von 9.30 bis 11 Uhr und samstags und sonntags von 15 bis 17.30 Uhr.

Wenn er nicht komponierte, dichtete er, steckte seiner Angebetenen Maria Liebesbriefe zu, wovon einer in Kopie im Heimatkabinett Westerholt heute zu sehen ist. „Nichts ist stabil in diesem Leben, alles zerstört sich mit der Zeit, und wirklich wenige Freunde sind konstant. Aber für dich, meine sehr liebe Freundin! Niemals wird mein Herz sich verändern und immer wird es dich lieben“.

Verlorener Klaviersatz

Im Sommer 1791 begleitete der Musiker die Familie von Westerholt auf ihr Stadtschloss in Münster. Besonders bei den Privatstunden am Klavier kamen sich die jungen Leute näher. Und Ludwig van Beethoven beschloss, seine Gefühle zu offenbaren. An einem Sommertag schrieb er morgens seiner Angebeteten zu Ehren einen Klaviersatz, am Nachmittage traf er sie im Park. Er fiel vor ihr auf die Knie und gestand Maria seine Liebe. Mit den Worten „ich bin nun einmal die Tochter meiner Eltern“ ließ sie den nicht standesgemäßen Werber Beethoven abblitzen. Da der Klaviersatz dieses Nachmittags nie aufgefunden wurde, wird vermutet, der junge Liebende zerriss ihn noch am selben Tag.

Voller Schmach verließ Ludwig van Beethoven das Haus derer von Westerholt gen Düsseldorf. Und Maria heiratete den Freiherrn Friedrich von Beverförde. „Für Beethoven war das eine mittlere Katastrophe“, weiß Matthias Latus. „Er konnte zunächst nicht einmal komponieren und spielte sogar mit dem Gedanken, ins Wasser zu gehen.“ Irgendwann allerdings überwand der aufstrebende Komponist die unglückliche Liebe. Heute sagt man ihm Beziehungen zu einigen Frauen nach.

Kira Schmidt



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