Bahn schreddert die Nachtruhe
02.12.2011 | 15:21 Uhr 2011-12-02T15:21:00+0100
Herten. An der Hamm-Osterfelder-Strecke in Herten wird das Gleisbett erneuert. Hotelier gewährt Lärmgeplagten Preisnachlass.
Leuchtstoffröhren erhellen die nächtliche Baustelle an der Hamm-Osterfelder Bahnstrecke. In Höhe des Kräuterhofs hat eine riesige Maschine das Gleis angehoben. Ein langer Kettenförderer fräst den Untergrund weg.
Ein Stück weiter wird ein neuer Boden aufgebracht und verfestigt. Die Erde vibriert unter der schweren Maschine. Der Schotter wird auf dem Zug aufbereitet und teilweise wieder verwendet. Neues Material liefert eine Lorenbahn, die auf eigenem Gleis entlangrattert und mit lautem Klappern das Schüttgut entlädt.
Gleich neben dem Bauzug steht ein Messmobil am Straßenrand, sind hoch empfindliche Mikrofone entlang der Strecke platziert. Hat etwa die Bahn ein Einsehen mit den lärmgeplagten Anwohnern und misst den Geräuschpegel? „Nein, wir überprüfen nur, ob die Signalanlagen an den Wagen die Arbeiter ausreichend laut vor herannahenden Zügen warnen“, erklären Mitarbeiter der Bauberufsgenossenschaft und der Herstellerfirma. „Um die Gefahrenquelle Mensch auszuschalten, werden jetzt automatisch die Warnsignale ausgelöst.“
Doch müssen die Gleisarbeiten rund um die Uhr ausgeführt werden? „Früher waren wochenlang die Arbeiter im Einsatz – jetzt erledigen wir das mit neuester Technik an wenigen Tagen“, erklärt ein Bahnsprecher auf Anfrage. „Der Boden war in dem Gebiet wohl auch durch den Bergbau abgesackt und die Reparatur dringend erforderlich.“
Direkt betroffene Anwohner wurden durch ein Schreiben der Bahn über die Baumaßnahmen informiert. In dem Brief, der der Redaktion vorliegt, heißt es: „Wegen des Zugverkehrs am Tage muss auch in den Nächten gearbeitet werden. Sollten sie sich in ihrer Nachtruhe gestört fühlen, besteht für Sie die Möglichkeit, eine kostenlose Unterbringung in einem nahe gelegenen Hotel in Anspruch zu nehmen.“
Auch Adrian Gülden am Resser Weg hat ein solches Schreiben bekommen. „Das mit der Übernachtungsmöglichkeit ist natürlich lustig“, erklärt Gülden, der nicht nur Anwohner ist, sondern auch das Hotel am Schlosspark mit 47 Zimmern betreibt. „Es haben sich aber nur zwei Gäste über den nächtlichen Lärm beschwert und ich habe ihnen einen Rabatt auf den Übernachtungspreis gewährt.“ Dass es bei ihm im Hotel nicht so laut ist, liegt nicht nur an den dicht schließenden Fenstern, sondern auch an einem Lärmschutzwall, den er auf eigene Kosten angelegt hat. Dass die Arbeiten auch in der Nacht fortschreiten, dafür hat Gülden kein Verständnis. „Wir haben jetzt mehrere Tage keinen Zugverkehr gehabt. Das hätte man nur einige Tage ausdehnen müssen, um die Nachtruhe einzuhalten.“
Jetzt hofft der Hotelier, dass sich die Baumaßnahmen nicht negativ auf die Übernachtungszahlen auswirken. „Aber ich habe viele Stammgäste, die kommen gerne und lieben die Atmosphäre hier im Haus und die Umgebung.“ Den Preisnachlass, den er einigen lärmgeplagten Kunden gewähren musste, will er sich übrigens bei der Bahn wiederholen. Die Rufnummer hat er ja auf dem Anschreiben an die Anwohner gleich ins Haus bekommen.
13:19
Die Bahn darf halt alles. Braucht ja auch keine Lärmschutzwände bauen, die Lärmbelästigung wird ja durch die Gesetze kleingerechnet.