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Insolvenz

Bäckereikette meldet Insolvenz

03.02.2012 | 18:05 Uhr
Bäckereikette meldet Insolvenz
Die Brinkert GmbH, 1952 in Datteln-Ahsen gegründet, meldete am Mittwoch, Insolvenz an. . An der Filiale in der Halterner Straße 20, Recklinghausen, stapelt sich schon die Post an der Tür. Foto: Oliver Mengedoht

Olfen/Vest. Nur die Zeitung und Reklameblätter stecken noch in der Eingangstür. Die Regale für Brot und Körbe für Brötchen sind leer. Im Laden ist es dunkel. An der Schaufensterscheibe hängen drei Zettel: „Wir suchen Aushilfen“, „Aushilfsfahrer gesucht“ und „Verkäuferinnen in Teilzeit und Vollzeit gesucht“. Der Bäckerladen an der Halterner Straße ist geschlossen, still und leise - so wie andere Filialen im Vest. In Recklinghausen, Datteln, Gladbeck, Haltern am See, Marl gibt es Filialen der „Privatbäckerei“-- insgesamt zehn, davon drei Cafés im Kreis Recklinghausen, einige sind in direkter Nachbarschaft zu der Netto-Kette.

Es sieht nicht nur in den Filialen düster aus, auch um das Unternehmen scheint es düster zu stehen. Die Bäckereikette hat Insolvenz angemeldet. Am Firmensitz in Olfen war gestern niemand zu erreichen. Auch in den Filialen ging niemand ans Telefon.

Als Familienbetrieb 1952 gegründet, entwickelte sich die Brinkert GmbH in den 1990ger Jahren zu einer aufstrebenden Bäckereikette. Der Betrieb warb mit dem Satz, „ein traditioneller Meisterbetrieb für Backwaren“ zu sein. Das Unternehmen gründete 1995 die erste deutsche Bäckerei in Brüssel, versorgte EU-Beamte mit dem für Deutschland typischen großen Brot- und Brötchensortiment. Bis 2007 führte Brinkert den Betrieb in Brüssel. Die Nähe zu einem der Arbeitsorte des Europaparlamentes war Motor für Geschäftsführerin Eveline Brinkert-Fimpeler, sich für die Unternehmerinnen in der Europäischen Union zu engagieren: im Präsidium von „Frauen Europäischer Mittel- und Kleinbetriebe (FEM)“, in der Mitarbeit am Runden Tisch der Europäischen Kommission „Finanzen, Existenzgründer/Unternehmer und Banken“, beim Leonardo-Projekt zur Qualifizierung von mitarbeitenden Unternehmerfrauen aus fünf Ländern, bei Projekten zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf, als Mitglied des EU-Parlaments der Unternehmer. Brinkert warb in weiterführenden Schulen dafür, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen.

Bereits im vergangenen Jahr war die Kette in Schwierigkeiten geraten. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten hatte seit langem die „katastrophalen Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen“ bei der Bäckerei in Olfen kritisiert. Mitarbeiter erhielten verspätet ihr Geld und machten unbezahlt Überstunden.

Der Abwärtstrend verschärfte sich offenkundig durch die Entscheidung der Handwerkskammer im Dezember 2011, dem Betrieb die Ausbildungszulassung abzuerkennen (die WAZ berichtete). Unter anderem stand der Vorwurf im Raum, dass den Lehrlingen die Teilnahme an der Berufsschule untersagt worden war. Kurz darauf schloss die erste Filiale in Recklinghausen.

Irene Stock



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