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Flic Flac umjubelt

Außerirdische Zirkusshow - atemberaubend

15.11.2009 | 14:32 Uhr
Außerirdische Zirkusshow - atemberaubend

Recklinghausen. So überirdisch schön kann die Unterwelt sein! Der Zirkus Flic Flac feierte mit seiner furiosen Show Underground im Chapiteau an der Vestlandhalle eine heftig umjubelte Premiere.

„Das ist so doof”, kichert der Jongleur über seinen eigenen Trick und verspricht: „Es wird noch dööfer.“ Stimmt! Und dennoch oder gerade deshalb lacht das Publikum Tränen über den herrlich verrückten Ausnahmeclown Steve Eleky, der als alberner Schotte in der Manege des Zirkus Flic Flac den platten Kalauer zur perfekten Kunstform erhebt. Im Mittelpunkt der zweieinhalbstündigen Show „Underground“ aber steht nicht Clownerie, sondern spektakuläre Artistik.

Die ließ den über 1300 Menschen im ausverkauften Vier-Mast-Chapiteau an der Vestlandhalle immer wieder den Atem stocken. Jubel und stehende Ovationen am Ende der überirdisch rasanten Premiere am Freitagabend im schwarz-gelb-gestreiften Zelt. Ein Ausflug in eine wahrlich himmlische „Unterwelt”.

Halsbrecherische Artistik und poetisch-schöne Akrobatik

Alejandro Vanegas und Uber Ceballos (Kolumbien) am Todesrad. Foto: Gerhard Schypulla WAZ FotoPool

Bei „Flic Flac” müssen die Menschen seit zwei Jahrzehnten alles selbst machen, Tiernummern sind tabu. Statt animalischer Kunststückchen serviert diese Truppe halsbrecherische Artistik und poetisch-schöne Akrobatik, rockige Musik mit Heavy-Metal-Livegesang, das alles atemlos Schlag auf Schlag, eingebettet in eine düster-bizarre Rahmenhandlung. Scheinbar über den Zuschauern schwebend führt Erzähler und Sänger Frank Fabry als monströser Frankenstein in die Unterwelt ein, stellt ihre Gestalten vor, die aus fernen Galaxien im Zirkus-Universum gelandet zu sein scheinen.

Dunkelheit, die zieht sich wie ein roter Faden durch die furiose Show. So lassen die finsteren Gestalten von „Los Diablos del Fuego” in schwarzen Mänteln und mit schwarzer Schminke ihre Bola-Kugel zu schnellen Trommelwirbeln über den Boden rattern. Im fahlen Licht schwebt Roman Konanchuk an einer Kette unter der Kuppel und manchmal schwerelos im Raum.

Körperskulpturen malen Miroslav Toskov und Nicolay Dobrovolov am Seil in den Raum. Gesetze der Schwerkraft? Offenbar ausgehebelt.

Für die Witz-Würze sorgte neben dem Clown mit dem Schottenrock (klarer Publikumsliebling)noch Mario Sandoval Navarro als Braut und Bräutigam in einer Person.

Die Zeit vergeht wie im Flug

Neben den vielen Highlights seien noch die zwei „Flic Flac”-Klassiker genannt, atemberaubend wie eh und je. Wenn Tito Vanegas und William Patino auf dem gigantischen Todesrad toben und springen, sind die Nerven der Zuschauer bis aufs äußerste angespannt. So mancher traut seinen Augen nicht, wenn Tito sogar mit verbunden Augen seine Salti schlägt.

Noch mehr auf Tempo bringen am Ende acht Motorradrocker im „Globe of Speed” den Puls des Publikums. In einer stählernen Kugel rasen die Jungs aus Kolumbien so unglaublich schnell durch das Rund, dass das Auge ihnen kaum mehr folgen kann. Präzisionsarbeit auf den Millimeter. Man riecht den Sprit, hört die Motoren jaulen, ahnt den Schweiß und ist froh, wenn alle das Runde wieder heil verlassen.

Eine Reise durch diese Unterwelt ist keine Spazierfahrt, sondern Formel 1. Die Zeit vergeht wie im Flug.

Jubel, als am Ende ein Konfetti-Regen aufs Publikum niederprasselt. Das Chapiteau übrigens ist gut geheizt und serviert im Vorzelt neben Popcorn, Piccolo, Pils und Pizza in plüschigem Zirkus-Ambiente jede Menge „Flic-Flac”-Souvenirs.

Elisabeth Höving

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