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Design-Objekte

Aus Müll wird Kunst

14.10.2010 | 17:01 Uhr
Aus Müll wird Kunst
Einst eine Schallplatte, heute eine Salatschüssel. Fotos: Reiner Kruse

Recklinghausen.Gestern noch eine Beethoven-Sinfonie, heute schon eine Salatschüssel: Das gibt’s nur beim Designer. Schwarz glänzen die Rillen der alten Electrola-Langspielplatte, Musik aber macht die nicht mehr

. Eine verbogene Scheibe, einst eine Katastrophe für Platten-Fetischisten, heute ein Highlight für Design-Liebhaber. Ein paar grüne Birnen, gelbe Zitronen und rote Äpfel hinein und fertig ist das alltagstaugliche Design.

Das serviert ab Samstag der etwas andere Kunstladen von Guido Röcken am Recklinghäuser Steintor. Unter dem Titel „Re-Use“ bietet Röcken zwei Wochen lang Recycling-Design vom Feinsten an. Röcken: „Das Motto heißt: Aus Alt mach Neu, aus Abfall schicke Ausstattungsobjekte.“

Der Laden auf Zeit bietet ein buntes Sammelsurium aus Unikaten und Kleinserien von Designern aus Deutschland, Österreich und den Niederlanden an. Eines schräger und ungewöhnlicher als das andere.

An der Wand hängen bizarre Objekte, in denen einst Camenbert und Co. vor sich hin müffelten. Die alten Schachteln mutierten mit Hilfe der Designerin Maite Weissert aus Lohmar zu detailreich ausstaffierten Mini-Bühnen voller Plastik-Figürchen und flotter Sprüche.

Einst klebte man sie auf Karten und Briefe, Desiree Windfuhr aus Frankfurt aber verwandelt Briefmarken aus aller Welt in schmucke Ketten und Anhänger samt Bleiverglasung. Eine alte DDR-Briefmarke dient nun als Schlüsselanhänger, eine Marke aus der Mongolei als schicke Brosche. Geschützt durch Glas zeigen sich die alten Wertzeichen von ihrer wahrlich schönsten, farbprächtigen Seite.

Was aus einem alten Frotteebademantel, einem Waschlappen oder einem Badetuch so alles entstehen kann, das dokumentieren die Arbeiten von Andreas Linzner aus Hamburg. Kuschelige Stofftiere produziert er ebenso wie kultige Taschen im Design der Fünfziger.

„Na, wonach sieht das aus?“, lockt Röcken den Besucher. Man kommt kaum drauf. Was heute wie eine fein ziselierte Glasschüssel aussieht, das war einmal ein Waschmaschinen-Bullauge. Das nennt man echtes Trash-Design. Die Schallplatten-Schüssel übrigens entwarf Volkmar Abeck. Er konstruierte eine Maschine, die die alten Schätzchen in in neue Form bringt.Den Schüsselboden bildet das Ursprungslabel.

Das Berliner Kaufhaus „KaDeWe“ kennt jeder, aber „KaWeDe“? Nun, die Berliner Ateliergemeinschaft stellt aus ehemaligen Fahrrad-Schläuchen allerlei Praktisches her wie Taschen, Geldbörsen, Anhänger. Hergestellt wurden die Schläuche einstmals in China, Korea, Indien oder Brasilien, abgefahren aber wurden sie alle in der deutschen Hauptstadt. Was den Objekten den Namen gibt: „Driven in Berlin“.

Und sonst: Ist noch buntes Geschmeide aus ausgestanzten Kundenkarten oder Kabeln im Angebot, Geldbörsen aus antiquierten Schulkarten, Spiegel, eingerahmt von ornamentalen Autoreifen.

Der Hit im Store sind allerdings Handtaschen in allen Variationen. Solche aus Airbags zum Beispiel. Das Designer-Label von Karin Schmitt aus Haltern am See heißt passenderweise „Kar-bag“ und verspricht waschbares und , robustes Material.

Hier kann die Kunst wahrlich einpacken.

Elisabeth Höving

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