Auf der MS Christine lässt es sich gut leben
22.12.2009 | 17:08 Uhr 2009-12-22T17:08:00+0100
Christine (59) und Wolfgang (62) Giel leben ihn, den Traum von Freiheit auf dem Wasser, auf ihrer sanft schwankenden Heimat
Datteln. „Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum”: Christine (59) und Wolfgang (62) Giel leben ihn, den Traum von Freiheit auf dem Wasser, auf ihrer sanft schwankenden Heimat „MS Christine“. Heute hier, morgen dort – und doch immer unter Freunden. „Wasserzigeuner” seien sie. Christine Giel, die Ende Dezember ins sechste Lebensjahrzehnt eintaucht, lacht herzhaft. 2003 hat das Ehepaar dem festen Landsitz im nordhessischen Frankenberg den Rücken gekehrt, 230 Quadratmeter Fachwerk verkleideten Wohnraum gegen vergleichsweise bescheidene 80 Quadratmeter an Bord des annähernd 100 Jahre alten 23-Meter-Frachters getauscht.
Ihr Wohnpott, ein Katwijker, wurde vermutlich 1910 in Holland gebaut. Letzter Einsatzort der „Johanna“ – so der bis zur Wende vorerst letzte Name: Das Motorschiff dümpelte als Inselversorger zwischen Stralsund und Hiddensee. Dann ging der Kahn in die Verwaltung der Treuhand über. Bis Christine und Wolfgang Giel den Frachter 1991 in Barth an der Ostsee entdeckten. In dieses Schiff, dass „dazu auserkoren war, in den Schiffshimmel einzugehen“, verliebten sich die Zwei, ersteigerten es und ließen es über Jahre hinweg umbauen. Tatkräftige Unterstützung gab es auch von den Söhnen. „Sie wurden mit diesem Abenteuer groß und trugen es mit Fassung, dass ihre Eltern vernarrt darauf zu arbeiteten, mit diesem Hausboot auf Reisen zu gehen“, sagt Christine Giel.
Seit 2003 sind der ehemalige Wasserschutz-Polizist Wolfgang, aus gesundheitlichen Gründen Frühpensionär, und die kaufmännische Angestellte und Dozentin Christine jetzt auf dem nach der Bordchefin benannten Frachter unterwegs. Ob sie etwas vermissen? Wolfgang sagt ein klares „Nein“. Und Christine setzt nach: „Du hast diese festen Verquickungen wie beim normalen Landleben nicht. Und trotzdem weißt du: Wenn du in Not bist, wird dir immer geholfen.“ So sei das eben. Egal, an welchem Gewässer der Törn ende.
Zu Datteln hat das Paar eine ganz besondere Beziehung. „Wir fühlen uns hier zuhause.“ Sicher, daran mögen die Besuche zum Kanalfestival auch Schuld sein. Aber verrückt, wie die Zwei im wohlverstandenen Sinne nun einmal sind, haben sie sich 2004 Dattelns Schifferpastor Horst Borrieß für die Erfüllung eines Herzenswunsches ausgesucht: An Bord der „MS Christine“ traute der evangelische Seelsorger das Paar im Trog des neuen Schiffshebewerks kirchlich. Nicht an irgend einem Tag, sondern an ihrem 33. Hochzeitstag sagten Wolfgang und Christine noch einmal „Ja“ zueinander. Und neun Monate später kam prompt Nachwuchs: Jack Russel Rocco zog mit an Bord. Im Steuerstand ist sein „Chefsitz“. Wenn's draußen „schüttet“, liegt der knuffige Vierbeiner gern in der Nähe des Ofens im Achterschiff. Hier ist die Küche, in der nichts fehlt, was in eine Küche an Land gehört. Vom architektonischen Zuschnitt und den liebevoll mit Häkelgardinchen verhängten Schiffsfensterchen mal abgesehen . . .
Wo bringen zwei Menscheen ihre Sachen an Bord unter? Ganz einfach: Das Mobiliar wurde innerhalb der Familie verteilt, schöne, aber überflüssige Dinge beim „Haus der offenen Tür“ verschenkt. Christine lacht: „Das muss man sich so vorstellen. Wenn ein Kind fragte, ob es ein Spiel mitnehmen dürfe, habe ich gesagt: Ja, aber nur wenn du die anderen Spiele auch mit nimmst.“ Und heute praktizieren die Giels so etwas wie „Bord-Feng-Shui“: Für Neues fliegt Altes raus.
Sie haben alles, was der Mensch zum Leben braucht. Wohn- und Schlafzimmer, Bad, eine Gästekoje. Und sogar einen Weihnachtsbaum im Bug. Ihr „Entree´“ ist zurzeit die schmale Stiege, die zu Horst Borrieß' Bootshalle unterhalb des Hebewerks führt. Hier liegt die „MS Christine“, die historische Industriekulisse voraus. Herz, was willst du mehr? Da ist doch noch was: Nach Frankreich wollen die Giels noch fahren – auf ihrem schwimmenden Zuhause.
11:06
Lebt Euren Traum und träumt Euer Leben.
Viele Grüße und alles Gute in 2010
19:53
Zeit müßte man haben.
Ein Traum für viele...
Alles Gute