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Auf der Autobahn lauern tödliche Gefahren

Auf der Autobahn lauern tödliche Gefahren

Eigentlich gilt das Teilstück der A2, das von Waltrop über Datteln, Recklinghausen und Herten bis nach Gelsenkirchen-Buer und Gladbeck führt, nicht als Unfallschwerpunkt. Trotzdem sorgen tragische Unfälle wie der am Sonntag, bei dem in Höhe Herten ein junger Mann ums Leben kam, für Aufsehen. Sie zeigen, wie gefährlich der Straßenverkehr ist.

Gelsenkirchen-Buer. 

Das vorweg: Das Teilstück auf der A 2, das von Waltrop über Datteln, Recklinghausen (Ost, Süd, Kreuz) und Herten bis nach Gelsenkirchen-Buer und Gladbeck führt, ist trotz schwieriger Straßenverhältnisse etwa im Erler Tunnel bei der Polizei nicht als Unfallschwerpunkt gelistet. Die Fallzahlen sind durchschnittlich, gleichwohl gibt es aber immer wieder auch Ereignisse, die besonderes Aufsehen erregen. Wie dieser tragische Unfall am frühen Sonntag, bei dem in Höhe Herten wie berichtet ein junger Mann ums Leben kam und drei Menschen zum Teil lebensgefährlich verletzt wurden.

Wenn es kracht, dann richtig

Vorsicht, Straßenverkehr. Vorsicht, Falle. Wo motorisierte Fahrzeuge unterwegs sind, ob hochgezüchtete PS-Boliden oder auch nur schwachbrüstige „Nuckelpinnen“, da kann’s ganz schnell auch ganz gefährlich werden. Und es wird gefährlich. Die Autobahn an sich gilt vielen Experten als die weitaus sicherere Verkehrsader, da es in der Regel weder Ampeln, Tiere noch Fußgänger, vor allem aber keinen Gegenverkehr gibt. Gleichwohl: Die Durchschnittsgeschwindigkeit auf Autobahnen ist deutlich höher, es existieren, zumindest gefühlt, weit mehr Baustellen und auch tückische Stauenden – und unter Termindruck stehende Fahrer reißen mit ihren viele Tonnen schweren Lkw ungleich mehr Kilometer ab. Wenn’s also mal kracht, dann kracht es auf der Autobahn meist leider auch „richtig“.

Und doch war es auch eine besondere Tragik, die nun diesen ganz und gar ungewöhnlichen Unfall in Höhe Herten bestimmte. Ein schwerer Fehler, den die fünf Insassen des Pannenfahrzeugs laut Polizei machten: Einer sicherte zwar die Unfallstelle, wie das auch sein muss, alle anderen versäumten es dagegen, die Gefahrenzone so schnell wie möglich zu verlassen.

Eigensicherung ist das oberste Gebot

Ein junger Mann hatte sich im Motorraum sogar noch auf Fehlersuche begeben, ein anderer wollte dem nachfolgenden Verkehr winkend Warnzeichen geben – und bezahlte mit seinem Leben.

Tanja Larssen von der für die hiesigen Autobahnen zuständigen Polizei Münster: „Wer, warum auch immer, liegen bleibt, der muss sich direkt in Sicherheit bringen.“ Hinter die Leitplanke, am besten ganz weit. Eigensicherung: immer und zuallererst das oberste Gebot.

Ein mehr als trauriger Zufall: Einer der nachfolgenden Wagen, dessen Fahrer wohl aufgrund von Aquaplaning und überhöhter Geschwindigkeit die Kontrolle verloren hatte, schoss ausgerechnet auf das Pannenfahrzeug am Standstreifen zu, nachdem er mit seinem Auto ins Schleudern geraten und dann wie eine Billardkugel von der Mittelleitplanke abgeprallt war.

Hätte eine Tempobeschränkung Leben gerettet?

Apropos Aquaplaning: in Zeiten, in denen mehr Regen fällt als Sonne scheint, ein tückischer, oft auch unsichtbarer Feind. „Lieber zu langsam als zu schnell“, rät Larssen und verweist auf die Straßenverkehrs-Ordnung. „Jeder Fahrer hat seine Geschwindigkeit insbesondere den Straßen-, Verkehrs-, Sicht- und Wetterverhältnissen anzupassen“, heißt es dort (§ 3). Ob der Unglücksfahrer bei strömendem Regen wirklich zu schnell war, obwohl es in Höhe Herten keine Geschwindigkeitsbegrenzung gibt, müssen nun die Untersuchungen ergeben und im Zweifel auch Gerichte entscheiden. „Letztlich“, so Larssen, „liegt die Verantwortung aber bei jedem Autofahrer selbst“.

Warum auf der A 2 in Richtung Dortmund fast ununterbrochen eine Einschränkung gilt (80 km/h bei Nässe), in Richtung Oberhausen aber nicht, kann Peter Bökamp von Straßen.NRW erklären, dem zuständigen Straßenbaulastträger. „Regelmäßig treffen Polizei, Bezirksregierung und wir als Unfallkommission zusammen, um einzelne Abschnitte nach Zustand sowie Unfallhäufigkeit, Unfallarten und -schwere zu bewerten.“ Mal wird Tempo zonenweise reguliert, mal aber auch nicht. Ob’s in diesem Fall geholfen hätte? Noch eine Frage, der es an Tragik nicht mangelt.

Jeder Unfall ist grundsätzlich einer zu viel, gleichwohl gilt das Teilstück auf der A 2 zwischen Kilometer 440 (Henrichenburg/Datteln) und 460 (Essen/Gladbeck) in Polizeikreisen als vergleichsweise „unverdächtig“. Im ersten Halbjahr 2012 gab’s in diesem Abschnitt laut Tanja Larssen (Polizei Münster) 22 Unfälle mit neun Schwer- und drei Leichtverletzten. Zum Vergleich: 2011 (1. Halbjahr) waren’s insgesamt 21 Unfälle.