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Neuer Archäologischer Park

Auf den Spuren von Aliso

28.04.2012 | 08:00 Uhr
Auf den Spuren von Aliso
Hinter dem LWL Römermuseum entsteht der Römerpark Aliso. Den ersten Spatenstich nahm heute Landeswirtschaftsminister Harry Voigtsberger vor. Zur Zeit finden auf dem Gelände (Unter der Leitung von Dr. Bettina Tremmel) archäologische Ausgrabungen statt. Im Bild Legionär Spurius Purgitius Marcer (Michael Striewe, 30,Essen), von der Römerkohorte Opladen. Foto: Joachim Kleine-Büning

Haltern am See. Es wird mehr als ein Blick durch das Schlüsselloch in die Römische Geschichte: Die Begehung des Freigeländes zwischen der Straße „Zum Silverberg“ und der Arminiusstraße lässt die Dimension erahnen, die der Archäologische Park Haltern einnehmen wird. Dort, auf einer Fläche von 4,8 Hektar, wird ein Teil des römischen Hauptlagers Aliso (7/5 v. Chr. bis 9 n. Chr.) wieder erstehen.

Mit dem ersten Spatenstich rückt ein Stück erlebte Geschichte näher. „Das ist ein wahrhaft großer Tag für die landschaftliche Kulturpflege“, begrüßte LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch Medienvertreter aus dem ganzen Land zum ersten Spatenstich für den „Römerpark Aliso“. Getoppt wurde das Ereignis gestern durch die Zusage von NRW-Bauminister Harry Voigtsberger, der zu den bereits zugesagten 700 000 Euro Finanzmittel für den Park weitere 2,2 Mio Euro versprach. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 5,3 Mio Euro.

Mit dem Park werden nicht nur Teile des wichtigsten römischen Militärkomplexes rechts des Rheins ausgegraben und ausgewertet, sondern auch rekonstruiert. „Die Zeit der Römer in Westfalen soll vor den Augen unserer Besucher buchstäblich aus dem Boden wachsen – eine in Westfalen einzigartige Attraktion“, so der LWL-Direktor.

Für Dr. Rudolf Aßkamp, Leiter des Westfälischen Römermuseums, erfüllt sich ein archäologischer Traum. Zusammen mit der Museumspädagogin Renate Wiechers hatte er vor exakt 25 Jahren dem Kulturausschuss der Landschaftsversammlung das Konzept für einen archäologischen Park unterbreitet. „Die Lage des Parks ist seit den 70er Jahren bekannt“, so Aßkamp. Eine Teilrekonstruktion des Parks gab es schon mal in den 30er Jahren auf dem Laurentiuskirchplatz; sie wurde nach dem 2. Weltkrieg eingerissen und diente als Brennholz.

Bevor es an die eigentlichen Bauarbeiten geht, müssen noch viele wissenschaftliche Fragen geklärt werden. Ein 15-köpfiges Archäologen-Team des LWL untersucht bis Herbst 2012 auf einer Fläche von 6000 Quadratmetern die Westseite des ehemaligen 18 Hektar großen Römerlagers, den letzten noch unbekannten Teil des Militärkomplexes.

Die Grabungsergebnisse bilden dann die Grundlage für eines der größten Archäologie-Experimente in NRW: Auf dem Außengelände des Museums werden nach und nach Teile der ehemaligen römischen Bebauung in historischer Bauweise rekonstruiert. Den Anfang macht das Westtor (21 m breit, zehn m tief), das in Höhe der Silverberg-Schule entstehen wird. Es folgen Wehrgang, Holzwehrmauern, Spitzgräben.

Das Westtor und ein Teil der Wehrmauer werden voraussichtlich 2014 rekonstruiert werden. Später sollen auch Teile der Innenbebauung wieder errichtet werden – wenn die archäologischen Untersuchungen die nötigen Informationen geliefert haben.

Letztlich würden sie bestätigen, was die Forschungsgeschichte des Römerlagers seit Beginn der Ausgrabungen vor 111 Jahren durchziehen, so Museumsleiter Dr. Aßkamp. „Die Gleichsetzung von Haltern und Aliso.“ Laut Schriftquellen bestand das Lager Aliso bis 16 n. Chr. fort.

Irene Stock



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