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Auch in Elterbreischlag soll man auf Grundwasser verzichten

07.01.2010 | 01:00 Uhr
Auch in Elterbreischlag soll man auf Grundwasser verzichten

Haltern am See. Am Brunnen vor dem Tore, da steht ein Lindenbaum, heißt es in einem deutschen Volkslied. Im Halterner Ortsteil Lehmbraken gestaltet sich das derzeit etwas anders – da mag zwar auch manche Linde stehen, allerdings sind die Brunnen dort passé.

Wasserentnahme verboten. 13.000 Mikrogramm/Liter sprengstofftypische – und Krebs erregende – Verbindungen im Grundwasser von Sythen-Lehmbraken, machen die Brunnen zur Giftgrube. 0,2 Mikrogramm ist der Schwellenwert (die WAZ berichtete).

Das geplante Neubaugebiet liegt in Fließrichtung

Und da das verseuchte Grundwasser fließt, ca. 30 Meter pro Jahr, kommt es in geschätzten 80 Jahren am Stausee an. Macht aber noch Zwischenstation in dem geplanten Bebauungsgebiet Elterbreischlag. Und das könnte sich als Problem darstellen, zumindest für die Vermarktung der Wohnungen. „Das geplante Neubaugebiet liegt in Fließrichtung des Schadstoff belasteten Grundwassers, das sich derzeit noch unter Lehmbraken befindet”, erklärt der Kreis Recklinghausen. Es gebe allerdings keine Erkenntnisse, das verseuchtes Wasser bereits in dem geplanten Neubaugebiet angekommen ist. „Aber für die Zukunft kann man das natürlich nicht ausschließen.”

Aus diesem Grund hat der Kreis Recklinghausen das Nutzungsverbot für Grundwasser in Lehmbraken gleich auf die Fläche des Neubaugebiets, in dem ca. 280 Wohneinheiten entstehen sollen, ausgedehnt. „Bei der Aufstellung des Bebauungsplanes haben wir direkt auf die Risiken hingewiesen und den Passus eingebaut, dass die Nutzung der Brunnen und die Entnahme des Grundwassers verboten seien.”

Wert von Immobilien könnte sinken

Halterns SPD-Fraktionsvorsitzender Heinrich Wiengarten, der mit seiner Partei und den Grünen („Wir halten es für schwer vermarktbar”) gegen den Bebauungsplan im Rat gestimmt hatte, befürchtet alles in allem auch einen Verlust von Immobilienwerten. „Ich habe schon mit Leuten in Lehmbraken gesprochen, die genau das geäußert haben: Angst vor Wertverlust.”

Gestern stellten SPD und Grüne einen Antrag auf eine Sondersitzung des Umweltausschusses zum Thema „Grundwasserproblematik im Ortsteil Lehmbraken”. Und die soll ziemlich schnell stattfinden. „Wir haben den 21. Januar vorgeschlagen”, so Wiengarten.

Übrigens: Derzeit wird das Neubau-Gelände Elterbreischlag noch von Altlasten saniert. Früher war da mal eine Mülldeponie. Danach soll das Bauen aber losgehen.

  • Sanierung in absehbarer Zeit nicht möglich: Ausgangspunkt für die Verunreinigungen der Halterner Böden ist zum Teil das Gelände der WASAG-Chemie. Der Grund: Zwischen dem 1. und 2. Weltkrieg waren beim Umgang mit Munition und Sprengstoffen große Mengen ins Grundwasser gelangt. Eine Sanierung, beispielsweise mit Ozon, ist in dem weiträumigen Bereich in absehbarer Zeit nicht möglich, zumal die Kosten für das gesamte Gebiet eine dreistellige Milliardensumme ausmachen würden.

Peter Kallwitz

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