Asche auf mein Haupt
16.02.2010 | 18:13 Uhr 2010-02-16T18:13:00+0100
Am Aschermittwoch endet nicht nur die Karnevalszeit, er läutet ebenso die 40-tägige Buß- und Fastenzeit ein
Recklinghausen. Wenn Aschermittwoch ist, muss auch der eisernste Jeck einsehen, dass das Karnevalstreiben vorüber ist. Mit der 40- tägigen Buß- und Fastenzeit, die an die 40 Tage Jesu' in der Wüste erinnert, beginnt nun eine Periode des Verzichtens. Statt Pils und Kamelle nur noch Wasser und Brot? Weit gefehlt: Die Fastenzeit ist mehr als eine Diät und kann unterschiedlichste Formen annehmen.
Für viele Gläubige ist nicht das Abnehmen entscheidend, sondern vielmehr eine Haltung der Umkehr. Das ursprüngliche Fasten - mit nur einer täglichen Mahlzeit - ist für Katholiken nur noch am Aschermittwoch und Karfreitag verpflichtend.
Dennoch gibt die Zeit von Aschermittwoch bis Karsamstag Christen die Möglichkeit, das eigene Konsumverhalten zu überdenken. Neben dem gängigen Verzicht auf Fleisch oder Alkohol finden sich daher auch Initiativen zum Auto- und Handyfasten. Obwohl das Wort Fasten „weniger” impliziert, kann man sich auch „mehr” vornehmen: Mehr Zeit mit der Familie zum Beispiel oder öfters mal einen Spaziergang machen. „Die Fastenzeit gibt einen Anstoß, sich auf das Menschsein zu konzentrieren, ohne sich von Äußerlichkeiten ablenken zu lassen”, erklärt Ludger Ernsting, Pfarrer der Gastkirche in Recklinghausen. Hierbei gehe es darum, sich neu auszurichten und Dinge zu relativieren, die in der heutigen Zeit eine zu große Rolle einnehmen. „Der Mensch bewahrt sich eine innere Freiheit, wenn er sich von der Abhängigkeit nach Materiellem löst”, so Ernsting.
„Besonders bußfertig drein zu schauen, ist aber nicht der richtige Weg”, mahnt er und verweist auf das neue Testament, in welchem Jesus Bezug auf das Fasten nimmt: „Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler. Sie geben sich ein trübseliges Aussehen, damit die Leute merken, dass sie fasten.” (Mt. 6, 16). Ein Zitat, das auch im Verlauf des heutigen Aschermittwochsgottesdienstes in der Gastkirche zu hören sein wird. Pfarrer Ernsting verdeutlicht so den Gläubigen, dass sie nicht verzichten, um auferlegte Regeln zu erfüllen. Aus einer inneren Haltung heraus, soll sich auf das geistige Leben besinnt werden. Der Gottesdienst in der Heilige-Geist-Straße 7 beginnt um 18 Uhr und dient der innerlichen und äußerlichen Vorbereitung auf das Osterfest. „Der Gottesdienst zu Aschermittwoch ist für viele Christen sehr wichtig”, weiß Ernsting aus Erfahrung und hofft heute auf eine gut besuchte Kirche.
Ein wichtiger Teil des Zeremoniells stellt die Bezeichnung mit dem Aschekreuz dar. Hierbei wird dem Christen mit den Worten „Bedenke Mensch, dass du Staub bist und auch zum Staub zurückkehren wirst” mit gesegnter Asche ein Kreuz auf die Stirn gezeichnet. Das Aschekreuz ist ein Zeichen der Buße und besteht aus den verbrannten Palmzweigen des vorigen Jahres. Die Asche selbst symbolisiert einerseits die Vergänglichkeit des Menschen, versinnbildlicht aber gleichzeitig das Leben nach dem Tod. Die Aschebestreuung geht auf eine mittelalterliche Tradition der Kirche zurück, in welcher den Schuldtragenden zu Beginn der Fastenzeit ein Bußgewand angelegt und sie mit Asche bestreut wurden. Heute erinnern noch Redewendungen wie „Asche auf mein Haupt” oder „in Sack und Asche gehen” an diesen alten Brauch.
0mitdiskutieren