Angst vor Qualitätseinbußen
10.01.2012 | 18:23 Uhr 2012-01-10T18:23:00+0100
Recklinghausen.Jede Menge Platz in der Bibliothek, Bücher für alle, außerdem freie Tische in der Mensa, und Dozenten, die jeden ihrer Studenten persönlich kennen: Fachhochschulen erfreuen sich auch deshalb großer Beliebtheit, weil das Studieren hier in kleinerem, familiärerem Rahmen abläuft als an den großen Universitäten. Steigende Studierendenzahlen könnten dies über kurz oder lang ändern, fürchten Teile der Studentenschaft in Recklinghausen.
Durch die Abschaffung der Wehrpflicht, die doppelten Abiturjahrgänge und den Wegfall des Numerus Clausus im Fachbereich Wirtschaftsrecht hatten zu Beginn dieses Semesters weit mehr junge Menschen ihr Studium an der FH begonnen, als in den Jahren zuvor. Vor allem Studenten der Masterstudiengänge fürchten nun, dass gewohnte Standards nicht eingehalten werden können: „Ich habe meinen Bachelor hier gemacht und bin dann sofort in den Master gestartet“, erzählt die 23-jährige Müberra Ahci. „Wir haben einfach Angst, dass irgendwann die Professoren zu überlastet sind und die Betreuung den Bach runter geht.“ Zudem sei in der Bibliothek viel zu wenig Platz, so dass viele Studenten zum Lernen nach Hause oder an die benachbarten Universitäten in Bochum oder Essen ausweichen. Auch die Mensa ist voll.
Präsident Prof. Dr. Bernd Kriegesmann kennt die Sorgen der Studenten. „Es ist unbequemer geworden, darüber müssen wir nicht diskutieren.“ Und: „Ich nehme diese Punkte sehr ernst, aber letztendlich ist es eine Gratwanderung.“ Eine nämlich zwischen denjenigen, die schon im Studium sind und sich bestmögliche Bedingungen wünschen, und denjenigen, die gerne einen Studienplatz hätten. „Denen können wir nicht einfach sagen, wir machen jetzt hier dicht, seht zu, wo ihr bleibt.“
Seit Oktober bemühen sich der Asta und Verantwortliche der FH um Lösungen. Nach Gesprächen mit der Stadt steht der Bau weiterer Parkplätze an, die Öffnungszeiten der Mensa und der Bibliothek sollen verlängert werden. Zudem sind zusätzliche Tischgruppen und Stühle bestellt, die auch außerhalb der Bibliothek Lernen am Standort möglich machen sollen. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, zusätzliche Hilfskräfte und Tutoren einzustellen und Räume außerhalb der FH temporär anzumieten.
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