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Kleinkunst-Preis

Amerikaner gewinnt die Herzen

21.09.2012 | 21:00 Uhr
Amerikaner gewinnt die Herzen
„Nacht-Schnittchen“-Vordenker und Moderator Helmut Sanftenschneider illustriert den Wandel des Reviers.Foto: Björn Jadzinski

Datteln.   Der Dattelner Kleinkunstpreis geht an den Nightwash-Star John Doyle. Fräulein Cäsar plaudert in der Dattelner Stadthalle vom „Frauen-Baumarkt“ – und „Der Telök“ schmäht Waltrop.

Es ist keine zehn Jahre her, dass der Herner Künstler Helmut Sanftenschneider im Kino an der Castroper Straße (dem heutigen „Katielli“-Theater) erstmals sein Konzept „Nacht-Schnittchen“ vorstellte. In der Zwischenzeit ist viel geschehen, die Kino-Pächter haben gewechselt, das Kino wurde geschlossen, und die Show hat eine neue Heimat in der Friedenskirche gefunden, doch eine Konstante gibt es – viel Publikum und noch mehr Lacher in den Shows.

Mit dem Preis hob die Karriere ab

Schon zum fünften Mal wurde in Zusammenarbeit mit dem Kulturbüro am Donnerstagabend der Dattelner Kleinkunstpreis unter den besten „Nacht-Schnittchen“ vergeben. Die Konkurrenz ist groß unter den vier nominierten Künstlern, denn wie Moderator Sanftenschneider selbstbewusst über die Vorjahressieger bekannt gibt: „Nachdem die Künstler den Preis bekommen haben, ging es mit der Karriere richtig ab.“

Bekannt werden musste der Erste in der Reihe nicht mehr, denn Markus Krebs, der mehr als lässig mit einer Falsche Bier in der Hand über das Leben seiner Mitmenschen diskutiert, ist Gewinner des Comedy Grand Prix 2011. Das Leben war für den Mann mit der Ruhrpott-Mütze früher einfacher, als er noch in einer WG gewohnt hat: „Bei uns konnte man vom Boden essen und man wurde sogar satt“, beschreibt er die Zeit und trauert ihr nach. Doch eine Bekannte von damals beschreibt es als sehr gewöhnungsbedürftig und das sorgt gerade beim weiblichen Publikum für viele Lacher: „Sie sah aus, als hätte sie bei der Beerdigung mal einen Strauß gefangen.“

Für den „Frauen-Baumarkt“, auch bekannt als Parfümerie, hat Fräulein Cäsar alias Alexandra Gauger keine Zeit, denn die strenge und freizügige Musiklehrerin will Kultur vermitteln. Nicht nur ihre großartige Stimme zog die ganze Stadthalle in ihren Bann, sondern auch ihr großes Mundwerk, wenn es um das liebevolle Lästern über Kollegen geht: „Kennen Sie Celine Dion – die hat gesungen bis die Titanic untergegangen ist“, und beschreibt weiter, wie kulturell hochwertig es bei einem Konzert der Toten Hosen oder an einer Erotik-Hotline zugehen kann.

Für John Doyle war es eine weite Reise nach Datteln, denn er ist Immigrant aus den USA und lebt erst seit 1999 in Deutschland. Probleme in der Familie sind wohl überall auf der Welt ähnlich. John Doyle schafft es, vielen den Spiegel vorzuhalten. Natürlich liebt er seine Kinder – in der Pubertät zwar nicht mehr ganz so doll, aber immer noch. „Ich bin gefragt worden, ob ich für meinen Sohn eine Niere Spenden würde – ja, solange es nicht meine ist.“ Man kann es seinen Kinder nicht recht machen. Nur beim Thema Urlaub gehen die Uhren anders. „Norderney ist wie Florida, nur 50 Jahre später“, meint er und beschreibt, wie es ist, sich vor humorlosen Senioren im Comedy-Fach zu bewähren.

Preis als formschöne Glas-Kachel

Der letzte Act kam zu zweit auf die Bühne: Martin Fromme und Dirk Sollonsch haben als „Der Telök“ das Publikum gründlich untersucht. „Schreib in den Bericht, drei Zuschauer müssen außer Betrieb genommen werden – Grund: sie sind aus Waltrop“, so Martin Fromme, der damit für ein Toben im Saal sorgt. Doch wer zuletzt lacht, lacht am besten. Die gut 300 Gäste durften abstimmen und haben sich für John Doyle entschieden, der den Preis in Form einer Glas-Kachel bekommen hat.

Björn Jadzinski


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