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Karneval

Als Norbert Blüm Kopf stand

06.02.2012 | 17:52 Uhr
Als Norbert Blüm Kopf stand

Recklinghausen.Alaaf und Helau! Im Rathaus waren erneut die Narren los. Im Beisein von Bürgermeister Wolfgang Pantförder lud die Große Recklinghäuser Karnevalsgesellschaft Grün Gold (GroReKa) zur Jubiläums-Ausstellung im Foyer des Rathauses ein.

Im Gründungsjahr 1937 für zwei Jahre noch als „Fastnachtgesellschaft Quelo“ bekannt, gilt die seit 1957 begründete Nachfolgegesellschaft GroReKa derzeit als eine der größten Karnevalsvereine im Vest.

Anlässlich ihres 75-jährigen Bestehens präsentierten sich Vorstand und führende Mitglieder mit passend grün-goldenen Kopfbedeckungen. Neben zahlreichen Fotos zählen auch Karnevalsorden sämtlicher Jahrgänge zu den Ausstellungsstücken.

Gerne erinnern sich die Karnevalisten an die besonderen Momente ihrer jeweiligen Vereinskarriere. Wie zum Beispiel Siegfried Renn (69), der nach fast 20 Jahren seinen Posten als 1. Vorsitzender abgeben, dem Karneval nichtsdestotrotz treu bleiben wird. Speziell gefielen ihm Augenblicke des alljährlich stattfindenden „Närrischen Gerichtshofes“, bei dem sich Spitzenpolitiker einer spaßvollen „Anklage“ stellen müssen und letztlich als Träger der „Weißen Weste“ ausgezeichnet werden.

Seit 1987 kamen somit bekannte Politiker wie Jürgen Rüttgers, Norbert Lammert, Joschka Fischer, Claudia Roth, Guido Westerwelle, Jürgen Möllemann, Franz Müntefering und auch Hannelore Kraft zu dieser Ehrung. Viele spätere Kabinettsmitglieder könnten ihre Karriere somit auch „der Weißen Weste“ verdanken, wie Senatspräsident Dr. Wolfgang Wesener schmunzelnd anmerkt.

Siegfried Renn überzeugte besonders der ehemalige Bundesarbeitsminister Norbert Blüm, der 1992 einen „fast einminütigen Kopfstand“ vollbrachte, eine humoristische Reaktion auf die „Anklage des Gerichts“, wonach er politischen Kopfstand betreibe. Der Präsident der GroReKa, Patrick Gruner, ergänzt, dass dem Minister die Veranstaltung wohl außerordentlichen Spaß machte, er blieb nämlich „bis fast vier Uhr morgens.“

Auch der Auftritt der damals noch als SPD-Landeschefin tätigen Hannelore Kraft im Jahr 2009 als „rote Korsarin“ bleibt Siegfried Renn in guter Erinnerung. In einem eigens dafür gebauten kleinen Boot mit NRW-Flagge wurde sie in den Festsaal gezogen und stellte ihre Ambitionen, den Landtag „kapern“ zu wollen, mit Witz unter Beweis.

In den ersten beiden Jahren der Preisverleihung seit 1987 wurden die „Würdenträger“ in Sträflingskleidung hereingeführt, weiß Renate Fröhlich (60), ein weiteres Mitglied des Vorstandes, die der GroReKa 1982 beitrat. Jürgen W. Möllemann zog es 1989 allerdings lieber vor, im Smoking und „wie ein kleiner Junge“, auf einer Schulbank sitzend, die Auszeichnung entgegenzunehmen, erzählt sie. „Ganz toll“, fand die Karnevalistin den Auftritt von Grünen-Politikerin Claudia Roth, die sich als gebürtige Bayerin im Dirndl präsentierte und mehrere Gesangseinlagen bot. Renate Fröhlich freut sich alljährlich besonders auf die Feiern des Kinderkarnevals. Auch wenn die Anzahl jüngerer Mitglieder allmählich steigt: Generell erhofft sich die GroReKa „noch mehr Nachwuchs“.

Bleibt ebenfalls zu hoffen, dass die andauernde klirrende Kälte dem Rosenmontagszug keinen Strich durch die Rechnung macht.

Claudia Roschewitz

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