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Ausstellungs-Projekt

Allabendlich 200 Kerzen

12.10.2012 | 13:21 Uhr
Allabendlich 200 Kerzen
Ludger Hinses Ausstellung „Licht“ präsentiert sich an sechs Orten in und nahe der Recklinghäuser Innenstadt. Im Bild das „Sonnenkreuz“ im Obergeschoss des JugendcafésFoto: Lutz von Staegmann

Recklinghausen.   Recklinghausen leuchtet auch von innen: mit Ludger Hinses „Licht“-Installationen in vier Kirchen, im Prosper-Hospital und im Jugendcafé „Areopag“.

„Erkenntnis“ steht auf der Plexiglas-Tafel, eingefasst von den hellgrauen Fachwerk-Balken im „Raum der Stille“. Schüler kennen diesen schönen Rückzugsort im Obergeschoss des „Areopag“. Jetzt, meint Holger Brox, der Stadtjugendseelsorger und Leiter des kirchlichen Cafés, haben auch Erwachsene Gelegenheit, den einladend-meditativen Raum mit den vielen Teelichtern zu bewundern: „Es nutzen wirklich viele.“

„Wer dann noch nicht satt ist“

Die gute Gelegenheit währt sechs Wochen und heißt „Licht“. Im „Raum der Stille“ strahlt das gelbe Sonnenkreuz aus Plexiglas, spätnachmittags angestrahlt durch das Sprossenfenster der historischen Kneipe am Steintor. „Licht“ ist das Ausstellungsprojekt des streitbaren Katholiken Ludger Hinse an sechs Orten. Während die beiden evangelischen Kirchen am Rande der Innenstadt eingebunden sind in das ebenso aufwendige Projekt „Kunst trotz(t) Demenz“, verwandelt der 63-jährige Recklinghäuser Hinse die nächste Umgebung der vestischen „Urkirche“ St. Peter.

Den trutzigen Turm bespielt der Lichtdesigner von „RE leuchtet“ mit zwölf Aufnahmen älterer Hinse’scher Lichtkreuze. „Wer dann noch nicht satt ist“, sagt der Künstler, „der soll in die Kirche gehen“.

Über dem Altar schwebt ein zwei mal zwei Meter großes „Himmelsleiter“-Kreuz. Stufen gliedern die beiden Plexiglas-Quader und brechen vielfach das Licht. Das Motiv der Himmelsleiter nennt Ludger Hinse „ein altes Symbol der Kirchenväter bis ins 9. Jahrhundert.“ Jürgen Quante widerspricht nicht. Der Propst erinnert an die letzte Ausstellung im Kulturhauptstadtjahr: „Jeden Abend brannten 200 Kerzen; hinterher mussten wir den Sandstein abschleifen.“

Dabei freuen sich sowohl der Stadt- und Kreisdechant als auch Marc Gutzeit als Dekanats-Geschäftsführer und Veranstalter der „Licht“-Wochen auf ein Kirchenschiff voller Gläubiger. Und Nicht-Glaubender – die wünscht sich Ludger Hinse. Alle sollen nach dem Eröffnungs-Gottesdienst „ein Licht in die Stadt hinaus tragen“.

Wo noch leuchtet die Stadt von innen? In der Gastkirche schwebt ein expressiv gemalter Engel vor dem Barockaltar. Ludger Hinse übermalte eine Folie, bedruckt mit Aufnahmen des Hubble-Teleskops. „Man kann im 21. Jahrhundert ja Engel nicht mehr vor blau-weißen Wölkchen malen.“

St. Markus im Westviertel erhellt ein goldenes „Sancta“-Schriftkreuz. In St. Elisabeth blitzt eine Strahlenkranz-Madonna aus rotem Glas. In die wuchtige Backstein-Kirche im Nordviertel stellt er zudem zwei Kreuze: Eines zeigt Fotos der Kinder-Prostituierten von Bogotá; das zweite zeigt Christus, umgeben von Kinder-Soldaten.

Hinses „Licht“ ist eben mehr als ein Beitrag zum Stimmungs-Spektakels von „RE leuchtet“.

Von Ralph Wilms



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