ADFC gibt Tipps für das Radfahren im Winter
04.02.2010 | 07:00 Uhr 2010-02-04T07:00:00+0100
Marl. Es gibt Menschen, zarte Naturen, die kuscheln sich morgens in den Autositz, drehen die Heizung bis zum Anschlag auf oder suchen im Linienbus die Wärme ihres Sitznachbarn. Und es gibt Menschen, tapfere Streiter, die ihrem Drahtesel trotz Schnee und Eis die Treue halten.
Doch wer sich dieser Tage zu Rad auf die Straße wagt, darf ein paar Dinge nicht außer Acht lassen. Das Unternehmen steht und fällt wie so oft mit der richtigen Ausrüstung. „Licht. Ganz wichtig”, mahnt Uwe Bernstein, Vorstandsmitglied des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs (ADFC) in Marl. „Verkehrssicher muss das Rad natürlich das ganze Jahr über sein, aber gerade jetzt, wo es so schnell dunkel wird, ist es sehr wichtig, darauf zu achten, dass das Licht funktioniert.”
Nabendynamos funktionieren unabhängig vom Wetter
Weil aber herkömmliche Seitenläuferdynamos, die von der Seitenwand des Reifens angetrieben werden, bei den aktuellen Witterungsbedingungen schnell mal durchrutschen, empfiehlt der Fachmann den Nabendynamo. Dieser ist direkt ins Vorderrad eingebaut und funktioniert unabhängig vom Wetter. „Oder eine zusätzliche Batterielampe”, rät der 60-Jährige.
Um aber überhaupt auf der Bahn zu bleiben, lohnt ohne Frage ein Blick Richtung Reifen. Längst hat die Wissenschaft den Winterreifen fürs Fahrrad hervorgebracht. Mit richtigen Spikes, also kleinen Metallstiften, die für zusätzlichen Halt auf glatter Oberfläche sorgen sollen. Doch Bernstein warnt vor blindem Aktionismus: „Das ist hier bei uns wirklich nicht unbedingt nötig. Es reicht meist schon, wenn man den Reifendruck reduziert und so die Auflagefläche vergrößert.”
Zum Schutz der Lieblings-Jeans lohnt übrigens immer die Anschaffung vernünftiger Schutzbleche: „Die vermindern das Spritzwasser.”
Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) wurde 1979 in Bremen gegründet und hat mittlerweile 125 000 Mitglieder. Auch in Herten, Marl und Recklinghausen gibt es Ortsgruppen, im gesamten Kreis etwa 700 ADFC-Mitglieder. Die Beteiligten engagieren sich dafür, den Radverkehr in den Städten sicherer und einfacher zu machen, organisieren Touren und informieren über alles zum Thema Rad.
Bernstein selbst schwört auf sogenannte Klickpedale, die den Schuh ähnlich wie beim Skifahren fest mit dem Pedal verbinden und so verhindern, dass der Fuß abrutscht: „Aber es ist schon eine Umstellung, man muss das Radeln neu lernen. Gerade ältere Fahrer trauen sich das oft nicht”, weiß der Experte und erinnert gleich noch an eine Pflicht, die kein Fahrrad-Freund vergessen sollte: Pflege. „Streusalz greift das Gummi der Reifen, die Kette und alles andere an. Es macht Sinn, das Rad deshalb ab und zu grob abzuwischen oder mal mit klarem Wasser abzuspritzen. Im Frühjahr sollte es dann einmal gründlich geputzt werden.”
Ist der Drahtesel fit für Schnee und Eis, bleibt nur noch die Frage der eigenen Garderobe. Warm ist wichtig, klar, aber wer radeln will, muss sich ein Mindestmaß an Bewegungsfreiheit erhalten. Die Lösung ist so simpel wie genial: „Das Zwiebelprinzip. Viele dünnen Schichten übereinander”, empfiehlt Bernstein. „Darüber die Regenbekleidung und natürlich feste Schuhe.” So gerüstet kann eigentlich nichts mehr schiefgehen, es sei denn, der Fahrradweg ist nicht geräumt worden. „Dann dürfen Radfahrer auf der Straße fahren. Das ist aber ein Gummiparagraf. Passiert etwas, bin ich in der Pflicht zu beweisen, dass ich da wirklich nicht fahren konnte. Da sind wir Radfahrer immer noch ein bisschen mit Hintertreffen”, ärgert sich der Fachmann.
0mitdiskutieren