Interview : Wo Godoj draufsteht, ist jetzt auch Godoj drin

Recklinghausen. Der Recklinghäuser Rockmusiker Thomas Godoj veröffentlicht am 20. November sein zweites Album. Von den 13 neuen Songs sind die meisten auf Deutsch, einen singt er auf Polnisch. Ein Gespräch über Selbstbestimmung, Starkult und die neue Tour "Richtung G".
Das neue Album zeichnet sich unter anderem durch eine völlig neue Handschrift aus. Was ist anders als bei Plan A?
Wo Godoj draufsteht, ist jetzt auch Godoj drin Am 22. September 2009 hat Thomas Godoj vor dem Rathaus in Recklinghausen Szenen für sein neues Musikvideo "Nicht allein" gedreht. Video: Marc Wolko
Thomas Godoj: Zum einen habe ich den Spieß umgedreht und diesmal mehr deutschsprachige Songs auf dem Album. Lediglich drei in Englisch und ein polnisches Lied, das ich mit Robert Gawlinski zusammen geschrieben habe.
Und zum anderen?
Godoj: Ich hatte diesmal vom Schreiben bis zum Sound alles unter Kontrolle, und auch den Produzenten selbst ausgesucht. Wir sind so vorgegangen, dass wir ein Songwriter-Meeting in Berlin einberufen hatten. Mit der Band und auch neuen Leuten. Alle haben an den neuen Stücken mitgewirkt.
Und wie funktioniert so etwas?
Godoj: Ich habe die Themen vorgegeben. Und dann haben wir daran gefeilt. Später habe ich dann die Leute nochmal einzeln besucht und die Song zuende geshrieben.
Inhaltlich sind die Lieder stark von persönlichen Erlebnissen geprägt. Eine Auseinandersetzung mit Deinem Umfeld?
Wo Godoj draufsteht, ist jetzt auch Godoj drin Thomas Godoj im Soundcheck. Video: Michael Osterhaus und David Nienhaus
Godoj: Ja, es sind unter anderem zwischenmenschliche Geschichten. Allerdings betreffen sie mich nicht nur allein. Bei dem Song „Zehn-Meter-Brett” geht es beispielsweise darum, dass man sich die Welt zurecht gebogen hat und den Absprung nicht schafft. Das betrifft viele.
Bei der harten Rock-Nummer „Alles, was nicht existiert” forderst Du die Leute auf, ihre Talente auszuleben.
Godoj: Nur nicht verbiegen lassen, lautet die Parole. Offen für Neues sein. Nicht stehen bleiben, über seinen Schatten springen.
Du stellst auch immer wieder den Starkult infrage – wie in dem Song „Starschnitt”. ,Diese Welt ist so verrückt, doch was passiert, wenn sie mich irgendwann zum Teufel schickt?' Immer im Auge, dass es von ganz ober auch wieder ganz schnell nach unten gehen kann?
Godoj: Nun ja, es geht darum, wie man sich fühlt. Dass man letztendlich keine Kontrolle über das hat, was passiert. Ich kann mein Ding machen – und dann wird sich rausstellen, was damit passiert. ,Das hier ist'n Flugzeug, das ich flieg, aber nicht lenken kann . . .' heißt es in dem Text weiter. Und das stimmt natürlich.
Wie kamst Du darauf, dich mit dem Thema Kindesmissbrauch in dem Lied „Winterkinder” zu beschäftigen?
Trennung vom Manager
Mit seinem Album „Richtung G” macht Thomas Godoj einen Schnitt. Auch was das Management angeht: Er trennte sich jetzt von seinem Manager Andreas „Bär” Läsker. „Ich werde das nun selbst übernehmen”, erklärte er.
Damit hat er auch die Kontrolle über sein „Tun und Lassen” im, wenn man so will, Verwaltungsbreich übernommen. Seinen musikalischen Weg kontrolliert er ohnehin seit er sich wieder mit seiner Band zusammengetan hat. Alles aus eigener Hand, heißt es für den Echo-Preisträger. Und das Album ist beweis, dass er damit auf dem richtigen Weg ist. Denn großen Einfluss auf die Songs von „Richtung G” hatten dabei u. a. die Tourneen nach der Veröffentlichung des Longplayers „Plan A”. Die Gruppe wuchs zusammen. Unter anderem wurden während dieser Phase Lieder wie „Alles, was nicht existiert” geschrieben und andere angedacht.
Godoj: Dieser Song liegt mir sehr am Herzen. Er existiert bereits seit fünf Jahren. Den habe ich schon mit meiner alten Gruppe „Wink” gespielt, für das Album aber neu arrangiert.
Wen willst Du damit ansprechen?
Godoj: Die Betroffenen. Ich will, dass die Leute sich trauen, aus der Anonymität heraus an die Öffentlichkeit zu treten. Ich habe früher Briefe von Betroffenen bekommen, die mir schrieben, dass ihnen das Lied geholfen habe.
Wie entsteht eigentlich ein Text, wie muss man sich das bei Dir vorstellen?
Godoj: Ich schreibe mir Stichpunkte auf, wenn mir etwas ein- oder auffällt. Oder wenn ich etwas erlebe. Ich versuche das dann textlich auf einer relativ breiten Fläche anzulegen, damit sich viele angesprochen fühlen. Letztendlich suche ich nach Bildern, die ich den Leuten vermitteln kann. Deshalb arbeite ich auch sehr gerne mit Metaphern.
Am 5. und 6. Dezember startet die „Richtung G Tour” in der Recklinghäuser Vest Arena. Auf was dürfen sich die Fans da freuen?
Godoj: Auf uns natürlich. Im Ernst: Wir arbeiten diesmal mehr mit Lichtdesign und Videos. Lasst Euch überrachen!
Was bedeutet eigentlich genau Richtung G?
Godoj: Dass da, wo Godoj draufsteht, auch Godoj drin ist.











