Von wegen Idylle
Mindestens vier Personen wurden bei Übergiffen der Neonazis in Haltern am See verletzt. Schläge und Reizgas eingesetzt. Einem 19 Jahre alten Farbigen wurde angedroht: „Jetzt töten wir dich Nigger!”
Vest. Es waren eindeutig Mitglieder der rechtsradikalen Szene, die in der Nacht zum Samstag in Haltern am See Angst und Schrecken verbreiteten. Dies bestätigte gestern die Polizei. Mindestens vier Personen wurden bei den Übergiffen der Neonazis verletzt. Einem 19 Jahre alten Farbigen wurde angedroht: „Jetzt töten wir dich Nigger!”
15 Neonazis feierten in der Seestadt eine Party. In der Nacht zogen sie dann los. „Wir haben bereits etliche Personen identifizieren können”, sagte gestern Polizeisprecher Bernd Tekotte. Ihnen droht eine Anklage wegen Körperverletzung. Auch wegen des Einsatzes einer Reizgas-Patrone. Der Staatsschutz ermittelt weiter. Von einer starken rechtsradikalen Szene in Haltern zu sprechen, sei nicht angebracht, meinte Tekotte. Etwa fünf Leute würden dazu gerechnet.
Die Polizei sieht durch die Ereignisse keinen besonderen Grund Streifen zu verstärken. „Wir waren in der Nacht zum Samstag in Haltern sehr präsent.” Bürgermeister Bodo Klimpel, Realschuldirektor Michael Weiand und Egbert Willecke sind sich einig. Der Jugendamtsleiter: „Eine rechte Szene gibt es in Haltern nicht. Das sind nur eine Hand voll junger Leute, die eine rechte Gesinnung an den Tag legen.” Dennoch sagt Klimpel: „Wehret den Anfängen.”
Michael Weiand: „Nur wer die Hintergründe kennt, weiß, was der Nationalsozialismus anrichten kann. Mit diesen Inhalten und Argumenten müssen wir die Jugendlichen überzeugen.”
In Marl ist es laut Jugendamtsleiter Volker Mittmann sowie Werner Arndt, Vorsitzender des Sozialausschusses, „in jüngster Vergangenheit glücklicherweise nicht zu Gewalttaten von Rechtsradikalen gekommen”. Ausgenommen Silvesternacht: Da attackierten laut Polizei vier junge Personen aus dem „rechten Spektrum” einen Bus der Vestischen sowie deren Fahrgäste.
Auseinandersetzungen zwischen rechten und linken Jugendgruppen (sie sorgten Anfang 2008 für Entsetzen und Diskussion), habe es in letzter Zeit nicht gegeben - weder am HoT Hagenbusch noch in Brassert. „Warum das so ist, kann ich nicht sagen. Vielleicht, weil die Polizei mehr präsent war und am HoT auch Platzverweise ausgesprochen hat”, so Werner Arndt. Oder auch, „weil noch mehr Aufklärungsarbeit in Schulen betrieben wurde - z.B. von der Awo.”
Von Veränderungen in der rechten Szene Marls weiß Max Malkus (Alternative Youth Club Marl, VVN Bund der Antifaschisten) zu berichten. „Die Autonomen Nationalisten Marl haben sich aufgelöst, sind in mehrere kleine Gruppen zerfallen, die jedoch noch radikaler sind”, behauptet er. Die Neonazis seien „lokal gut vernetzt”, zwischen Rechten aus Marl und Haltern gebe es intensive Verbindungen.
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