Kanalfest in Datteln : Selbst die Oma wird verrückt

Aus den Lautsprechern klangen die Beach Boys, das Horneburger Blasorchester spielte aus dem Film „Fluch der Karibik” und vereinzelt prangten geknotete Tücher auf den Häuptern.
Es herrschte Karibikstimmung beim 39. Kanalfestival am größten Kanal-Knotenpunkt der Welt. Von Freitag bis Sonntag zog es selbst Landratten zum Wasser und zur „Kultur rund um den Dattelner Hafen”.
Seit 1969 ein Hit
Eines der besten Feste der letzten Jahre, wenn nicht das Beste – so urteilt der Veranstalter des Kanalfestivals hinsichtlich der Besucherzahlen. Nach Einschätzungen von Michael Hans vom Kulturbüro und Ludger Grundmann, 1. Vorsitzender der Interessens-gemeinschaft Kanalfestival e.V., bewegte sich die Zuschauerzahl an den drei Tagen in der Nähe der 100 000er-Grenze. Wie auch in den vergangenen Jahren stellte sich der Samstag als der besucherstärkste Tag heraus. Das Kanalfestival wurde 1969 vom damaligen Bürgermeister Horst Niggemeier unter Mitarbeit des Schiffervereins Datteln und Umgebung und Wassersport treibender Vereine aus der Taufe gehoben und fand zunächst jährlich am ersten Septemberwochenende statt. Seit 1996 wird am vorletzten Wochenende im August gefeiert.
Von der Anlegestelle des „Reservisten” bis zum Hubertusweg drängte sich eine gelungene Mischung aus Live-Acts, Kleinkunst, Handwerk und Gastronomie. Eine stattliche Anzahl an Sonnenstunden regte das bunte Treiben um den Dortmund-Ems-Kanal einmal mehr an. „In den 18 Jahren, in denen ich dabei bin, habe ich noch nie so optimales Wetter erlebt”, sagt Michael Hans (44) vom städtischen Kulturbüro. Als weiterer Zuschauermagnet entpuppte sich das breit gestreute Programm. „Wir verstehen uns als Kulturfest für die gesamte Familie und haben dieses Mal bei der Auswahl der Künstler neben der hohen Qualität besonders auf Vielfältigkeit geachtet”, so Hans.
Die Rechnung ging auf. Während mit den „Queen Kings” oder der Woodstock-Legende „Ten Years After” eher die Generation „Ü40” angesprochen wurde, tanzte das jüngere Publikum ausgelassen beim Auftritt der „Billyboyz”. Mickie Krause begeisterte ebenso wie Margot Hellwig. Insgesamt verwöhnten über 40 Bands und Chöre die Besucher mit musikalischen Einlagen. Dazu durften Live-Acts und Straßenkünstler bestaunt und beklatscht werden. In diesem Punkt fand sich nur eins nicht: Bekanntes. Wie in jedem Jahr eroberte eine komplett neue Theaterszene das Festival – mit nur einer Ausnahme, Publikumsliebling „Mathilda & George”. Nach der verrückten Oma und ihrem Neffen wurde bereits zu Beginn der Veranstaltung am Freitagabend gefragt.
Ebenfalls altbekannt und nicht wegzudenken war der Lampionkorso am Samstag, gefolgt von einem imposanten Höhenfeuerwerk. Während das Kulturfeuerwerk am Boden brannte, verwandelte sich der Kanal zwanzig Minuten lang in ein spiegelndes Lichtermeer. Als einziger Wermutstropfen traf die aus manchen Ecken dringende Kritik am Eintrittgeld auf das flammende Spektakel. „Ich finde es schade, Eintritt zahlen zu müssen”, so Melanie Poschwik (29) aus Recklinghausen. „Immerhin sind die Preise an den Ständen hoch genug.”











