Frostschaden : Horizontobservatorium auf Halde Hoheward abgesperrt

Herten/Recklinghausen. Der Äquatorialbogen weist einen erheblichen Riss auf nahe der Kreuzung mit dem Meridianbogen. Offenbar hat eine Baustellen-Schweißnaht den tiefen Temperaturen nicht standgehalten. Das beliebte Ausflugsziel wurde am Dienstag für Besucher gesperrt.
Im November 2008 wurde das Horizont-Observatorium auf der Halde Hoheward eröffnet und hat binnen acht Wochen bereits eine hohe Akzeptanz durch die Menschen im Revier erfahren. Allein zu Silvester begrüßten weit über tausend das neue Jahr in gut 152 Metern Höhe unter dem Kreuz der beiden riesigen, gut neunzig Meter langen Stahlbögen.
Seit Dienstagmittag ist der Bereich rund um das Observatorium gesperrt. Wie lange, das kann Landschaftsarchitekt Christoph Haep (51) vom Regionalverband Ruhr (RVR) beim besten Willen noch nicht sagen. „Von heute auf morgen wird es aber sicherlich nicht behoben sein.” Der Grund: Der Äquatorialbogen weist in unmittelbarer Nähe zur Schnittstelle mit dem Meridianbogen in etwa 20 Metern Höhe einen erheblichen Riss (geschätzt: die Hälfte des Rohrdurchmessers) an einer Schweißnaht auf. Die wahrscheinliche Ursache: Die Eisschrank-Temperaturen in der Nacht zum Dienstag. „Gut und schön, passieren darf das aber trotzdem nicht”, stellt Haep klar.
Entdecker des Schadens war ein Spaziergänger am Morgen danach. Der fotografierte die malade Stelle sogar und schickte der Stadt Herten um 9.30 Uhr eine E-Mail mit Anhang als Beleg. Der RVR wurde umgehend informiert und ergriff die weiteren Maßnahmen. Die Halde gehört zum Landschaftspark Emscherbruch, der wiederum sein Baby ist und in den er inklusive Observatorium und benachbarte Sonnenuhr in den ersten beiden Abschnitten gut 20 Millionen Euro investiert hat.
Wie der Riss entstanden ist, das ist derzeit noch das große Rätsel, das gelöst werden will. „Die Schweißnähte sind alle geprüft worden von der Schweißtechnischen Lehr- und Versuchsanstalt Duisburg”, erläutert Christoph Haep. Die schickte gestern prompt ein Team nach Herten, das beteuerte, eine Erklärung so auch nicht parat zu haben. „Auf die Schnelle geht das nicht”, sagt einer der Mitarbeiter. Per Autokran wolle man sich die Bruchstelle aus der Nähe anschauen, um die Lösung zu finden. „Wir haben damals alles überprüft. Die Nähte und das Material. Alles sollte wesentlich härteren äußeren Bedingungen standhalten können.” Auch die Baustellen-Schweißnaht, die gerissen ist.
Für die nächsten Tage heißt das: Ein Sicherheitsdienst, der das Areal gestern Mittag per Flatterband absperrte, wird dafür Sorge tragen, dass die Spaziergänger sich nicht mehr unter den Bögen aufhalten. Haep: „Die werden Tag und Nacht hier sein.” Denn: Sicher sei sicher. Doch selbst wenn die Naht ganz gerissen wäre, sagt Projektbetreuer Haep, wäre der Bogen wohl nicht zu Boden gestürzt. „Das Fundament ist so stabil, dass er sich zwar unter der Last beugen würde, mehr aber nicht.” Immerhin wurden pro Verankerung neun Bohrpfähle 18 Meter tief gesetzt – und für die Festigkeit besonders viel Eisen verarbeitet.
Das Horizont-Observatorium auf der Halde Hoheward im November 2008. Foto: Hans Blossey
Foto: Hans Blossey
Abgebaut, sagen die Duisburger Experten, müsse der Bogen auch nicht werden. Der Schaden könne mittels Elektroden-Schweißen auch so repariert werden. Und die Kosten? Die verursachen beim RVR nur ein müdes Lächeln. „Das fällt unter Gewährleistung”, weiß Christoph Haep und sieht die ausführende Münchner Firma Maurer und Söhne in der Verantwortung.
„Neue Horizonte – Landschaftspark Emscherbruch”
... ist die Bezeichnung für ein Projekt, mit dem der Regionalverband Ruhr, die Städte Herten und Recklinghausen sowie die Deutsche Steinkohle mit weiteren Partnern, das Gebiet zwischen der A2 im Norden und der Emscher im Süden neu gestalten.
Mittelpunkt ist die Bergehalde Hoheward, die rund 160 Hektar umfasst und die neben zahlreichen Mountainbikern durch die Horizontal-Sonnenuhr und das „Horiziont-Observatorum viele, viele Besucher gerade bei schönem Wetter aus dem Ruhrgebiet und dem Münsterland anlockt.
Mit Flatterband sperrten Mitarbeiter des RVR am Dienstag das Plateau unter den großen Stahlbögen ab. Foto: WAZ, Reiner Kruse
Foto: WAZ
Das Horizont-Observatorium besteht aus einer kreisrunden Ebene mit einem Durchmesser von 80 Metern und zwei großen Bögen von 43 Metern und 45 Metern Radius, die diese Ebene überspannen.
Die Ebene wiederum steht senkrecht zur Lotrichtung und bildet damit einen perfekten mathematischen Horizont für einen in der Mitte postierten Beobachter.
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