Das aktuelle Wetter Unser Vest 11°C
Die 103. Vestische...

2000 Jahre in einem Buch

18.01.2011 | 17:05 Uhr
2000 Jahre in einem Buch
Landrat Süberkrüb (4.v.r.), Archivar Dr. Kordes (3.v.r.) mit Autoren der 103. Ausgabe und Vertretern der Orts- und Heimatvereine. Foto: Küchmeister

Recklinghausen.Auch nach 120 Jahren und 102 Bänden gibt es für die „Vestische Zeitschrift“ der Vereine für Orts- und Heimatkunde in der Region Vest noch einen reichen Fundus. Die druckfrische, die 103. Ausgabe zeigt es.

Landrat Cay Süberkrüb, Recklinghausens Stadtarchivar Dr. Matthias Kordes und einige der Autoren stellten am Dienstag das Werk vor, das auf 368 Seiten sieben Beiträge enthält. Kordes: „Der zeitliche Bogen spannt sich vom 1. bis zum 20. Jahrhundert. Damit sind 2000 Jahre in einem Band, was diese Ausgabe schon zu einer besonderen macht.“ Stolz ist Kordes auch auf einen der Autoren: Mit der Rolle Frankreichs und der Franzosen im Ruhrgebiet hat sich Wilfried Reininghaus beschäftigt. „Er ist Präsident des Landesarchivs NRW, damit der ranghöchste Archivar im Landes“, so Kordes.

Manchmal bilden aktuelle Ereignisse den Ausgangspunkt für Forschungen, die tief in die Geschichte des Vestes eintauchen. So wie bei dem Projekt, das Mathias Kordes mit Lehrenden und Studierenden des Lehrstuhl für Latinistik an der Ruhr-Uni Bochum verwirklichte: An der Uni wurden in lateinischer Sprache gehaltene Urkunden aus dem Stift Flaesheim erfasst, übersetzt und ausgewertet. Dadurch wurden wertvolle Quellen verfügbar gemacht, die Studenten erforschten Sprache und Inhalte einzigartiger historischer Dokumente aus der Region – „zum Vorteil für beide Seiten“, wie Gabriele Schwabe und Wolfgang Polleichtner von der Ruhr-Universität betonen. Der Kontakt entstand bei der Jubiläumsfeier für die Gymnasialkirche am Petrinum.

Die Zusammenarbeit soll fortgesetzt werden. Nächster Untersuchungsgegenstand sind wahrscheinlich Schriftstücke aus den Herzog von Arenbergschen Archiven, die für die Vest-Historie von großer Bedeutung sind. Nach Einschätzung von Mathias Kordes geradezu ein Quantensprung für Arbeit und Zukunft von Stadtarchiv und Vestischer Zeitschrift: „Eine solche verstetigte Kooperation mit einer Hochschule ist von unschätzbarem Wert.“

Wie Heutiges zu Früherem führen kann, zeigt auch das Beispiel von Dietmar Scholz. Der Autor aus Castrop-Rauxel ließ sich von den Schachtzeichen im Mai des gerade abgelaufenen Kulturhauptstadtjahres zu seinem Beitrag über die Entwicklung der Bergarbeiter-Gewerkschaft bis 1933 inspirieren. Scholz untersuchte in einer weiteren Abhandlung Castrop im und nach dem Ersten Weltkrieg.

Franz Schuknecht war den Römerlagern in Dorsten-Holsterhausen auf der Spur. Arno und Ramona Vauseweh untersuchten Zeugnisse mittelalterlichen Totengedenkens aus den Abteien Werden und Deutz, zu deren Bereichen das Vest gehörte. Die Geschichte der Adelsfamilie von Wenge auf Haus Beck in Kirchhellen schließlich zeichnete Stefan Voßschmidt nach.

Dass dem 103. auf jeden Fall auch ein 104. Band folgen wird, steht für Mathias Kordes außer Zweifel: „Die Geschichte ist unausschöpflich. Es gibt immer neue Fragestellungen, denen es nachzugehen lohnt.“ Sofern sich jemand findet, der sich auf den Weg macht. Band 103 der „Vestischen Zeitschrift“ bekommen Interessierte für 19 Euro im Buchhandel – möglicherweise auf Nachfrage. Das Stadtarchiv beliefert die Geschäfte dann jeweils gezielt.

Ernst zur Nieden

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/4181624/create

Aktuelle Fotos und Videos
2. Firmenlauf in Oer-Erkenschwick
Bildgalerie
Spaß-Teamlauf
Traum eines lächerlichen Menschen
Bildgalerie
Theaterprojekt
Deutscher Mühlentag
Bildgalerie
Volksparkl Marl
Aus dem Ressort
Superintendent Burkowski wechselt nach Berlin
Personalwechsel in der...
Eigentlich sollte er am 23. Juni bei der Kreissynode für seine dritte Amtsperiode kandidieren, seine Wiederwahl galt als sicher. Aber nach 16 Jahren als Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises verlässt Peter Burkowski überraschend Recklinghausen. Der 53-jährige Familienvater dreier
Wie viel Brandschutz muss sein?
Kreishaus- und...
Eine große, mindestens 40 Millionen Euro teure Renovierung des Kreishauses ist vom Tisch. „Auf Drängen der Städte werden wir auf eine energetische Sanierung verzichten“, lässt Landrat Cay Süberkrüb (SPD) in einer Erklärung wissen. „Die kurzfristige Sicherung der kommunalen Liquidität steht derzeit