100-Jähriger Baum fällt
16.02.2010 | 18:00 Uhr 2010-02-16T18:00:00+0100
Naturdenkmal verschwindet in Oer – Baumtor kommt als Ersatz
Oer-Erkenschwick. 100 Jahre lang stand die mächtige Rosskastanie in Oer. Keine vier Stunden brauchten gestern Landschaftsgärtner, um den stolzen Baum zu fällen. Ast um Ast wurden abgesägt. Von dem 15 Meter hohen Baum, der das Ortsbild in Oer an der Recklinghäuser Straße prägte und an dem einst die Pferde für die Postkutsche angebunden wurden, ist lediglich ein ein Meter hoher Baumstumpf übrig geblieben. Damit hat der Kreis Recklinghausen ein Naturdenkmal weniger. 146 sind es nun noch im gesamten Kreisgebiet. In Oer-Erkenschwick sind es nunmehr 16.
Dass ein Naturdenkmal gefällt wird, ist äußerst selten. „Bei der Kastanie”, so Kreis-sprecher Jochem Manz, „ist aber nichts mehr zu machen gewesen. Der Baum ist von Pilz befallen und hat Baumfäule im Innern. Die Standfestigkeit ist nicht mehr gewährleistet.” Zu diesem Urteil kamen gleich zwei Gutachten. Die Baumscheibe belegt dies.
Gestern gegen 9 Uhr heulte die Kettensäge los. Fünf Mitglieder des Oerer Heimtavereins in Kiepenkerl-Kluft, gaben dem historischen Baum „die letzte Ehre”. Sie sicherten sich als Erinnerungsstück eine Baumscheibe des 3,60 Meter umfassenden Stammes.
Anstelle der Kastanie soll im Ortseingangsbereich ein neues Baumtor gepflanzt werden, wenn die Recklinghäuser Straße umgebaut wird. Mit den Arbeiten dafür soll in Kürze begonnen werden. Mit dem Verschwinden des Naturdenkmals könnte auch das letzte Stück Radweg zwischen Recklinghausen und Oer geschlossen werden. Bislang stand diesen Überlegungen stets die Kastanie im Weg. CD
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