Zwischen klassischer Musik und Facebook
12.02.2012 | 17:04 Uhr 2012-02-12T17:04:00+0100
Unna.Wer klassische Musik primär mit verstaubten Mozartsymphonien im Kassettenregal des Großvaters verbindet, wird von der Band Spark wohl verwundert sein. Denn Spark ruhen sich nicht auf ihrem musikalischen Talent und den Konzerten einiger großer Komponisten aus. In der Aula der PGU gab die Band am Samstag ein Konzert, bei dem sie das Leben in der Großstadt erklingen ließen.
Fünf junge, gut aussehende Menschen, die gemeinsam Musik machen. Diese Konstellation funktioniert bei den meisten populären Bands sehr gut – doch während man im Musikfernsehen Schlagzeuger und Gitarristen beim ausüben ihres Berufs zusehen kann, bedienen sich Spark klassischer Instrumente. An Klavier, Cello und Violine spielt der männliche Teil der Band moderne Stücke verschiedener Komponisten. Und was der Popmusik die singende Frontfrau, ist der Klassik die Flötistin. Andrea Ritter räumt gemeinsam mit Daniel Koschitzki mit allen Vorurteilen über die Blockflöte im Allgemeinen auf. Denn die beiden Flötisten spielen leidenschaftlicher als so mancher Musiker an der E-Gitarre. Während man von anderen Klassikensembles auch ein großes Bild aufstellen könnte, verändern Spark ihre Positionen und können ein dramaturgisch ausgearbeitetes Programm vorweisen. Nicht nur die Einsätze und Harmonien sind abgestimmt, auch der fliegende Blockflötenwechsel von Andrea Ritter, die von einer Sekunde auf die andere von Panflöte zu Fagott übergeht. Spark sind nicht nur Musiker, sondern Schauspieler. Ihre musikalische Darstellung der Großstadt lebt von Regelbrüchen und ständiger Bewegung. Denn sie spielen ihre Instrumente nicht nur, sie spielen mit ihnen. Einerseits auf eine neckische Art, wenn das Cello in den Händen von Victor Plumettaz zum Zupfinstrument wird oder Mischa Cheung und Daniel Koschitzki vierhändig am Klavier spielen – nicht aus technischen Gründen, sondern aus dramatischen. Andererseits nimmt das Instrument eine besondere Stellung auf der Bühne ein, denn es ist selbst ein Teil der Großstadtillusion, die SPARK mit ihrer Musik vortäuschen wollen.
Vielleicht hätte die Band in einer Großstadt den Anklang gefunden, der dem Konzert am Samstagabend gerecht geworden wäre. Möglicherweise schreckte der Werbespruch „klassische Musik für die Facebookgeneration“ aber auch so einige ab – ganz besonders die Facebookgeneration selbst.
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