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Wenn der Lenker zum Pressluft-Hammer wird

14.11.2008 | 17:39 Uhr
Wenn der Lenker zum Pressluft-Hammer wird

Eineinhalb Kilometer durch den Ozean schwimmen, 40 Kilometer quer über die Insel in die Pedale treten und elf Kilometer durch den Urwald laufen – mit der richtigen Motivation geht so ziemlich alles. Holger Krippenstapel aus Unna hat mit dem diesjährigen Cross-Ironman eine der härtesten sportlichen Aufgaben absolviert, die es überhaupt gibt. Und ganz nebenbei ist er nun bei hunderttausenden Amerikanern bekannt, denn das zufällig zustande gekommene Interview mit einem Fernsehteam flimmerte beim drittgrößten amerikanischen Sender NBC auf die Mattscheiben. „Die haben mich im Hotel angesprochen und wollten nur kurz über den Wettkampf sprechen”, sagt Krippenstapel. Doch dann fing er an zu erzählen, sprach mit den Amerikanern über die Motivation, beim Ironman mitzumachen. Über seine an Krebs gestorbene Frau, mit der er die Leidenschaft für den Triathlon geteilt hat. Dass er für sie und letztlich auch für sich an den Start ging, um den Tod emotional zu verarbeiten. Aus den für das Interview angesetzten zehn Minuten wurden eine halbe Stunde.

Am Tag des Ironmans bekam er als eine der wenigen Sportler eine Startnummer mit rosafarbener Markierung, damit die Fernsehteams entlag der Strecke wussten, auf wen sie ihre Kameras richten müssen. „Das war natürlich eine zusätzliche Motivation, immer wenn die Teams auf den Quadbikes neben einem hergefahren sind, hab ich noch mal extra in die Pedale getreten und gegrinst”, erzählt der Unnaer Sonderschullehrer. „Aber ich war froh, als sie weg waren und man es etwas ruhiger angehen lassen konnte.”

Eineinhalb Kilometer Schwimmen war als erste Disziplin angesagt, bei der die Sportler vom Strand aus 750 Meter um Bojen im Quadrat herum schwammen, 350 Meter über den Strand rannten und sich noch eine Runde durchs Wasser um die Bojen bahnten. „Im Schwimmen war ich schlecht und kam als 480. aus dem Wasser”, sagt Krippenstapel. Dann hieß es rauf aufs Mountainbike und hoch auf den Vulkan – alles andere als ein Kinderspiel. „Den Berg wieder herunter war aber das schwierigste, denn auf dem Weg lagen überall Lava-Brocken. Man musste das Rad laufen lassen, um sie zu überrollen und nicht zu stürzen.” Eine rasante Fahrt, bei dem der Sportler gefühlt keinen Lenker, sondern einen Presslufthammer in den Händen hielt. 200 Konkurrenten konnte er bei der Fahrt hinter sich lassen.

Zum Abschluss waren dann noch einmal elf Kilometer Laufen angesagt. Aber nicht auf ebenen Wegen, sondern durch die Prärie. „Wir mussten uns da den Weg über Felsen, durch Bäche und den Urwald bahnen.” Dabei konnte Krippenstapel wieder zehn Mitstreiter überholen. Am Ende überquerte er als 200. Sportler von 600 Teilnehmern die Ziellinie. Für Krippenstapel „Emotion pur”, die ihm letztlich half, den Tod seiner Frau zu verarbeiten.

Von seinem Cross-Ironman auf Maui wird Holger Krippenstapel am Montag, 24. November um 19 Uhr im Reisebüro Timmermann erzählen. Anmeldungen erbeten unter 02303-2541111.

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