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Katharinen Hospital

Wandergeselle trifft seine Katharina wieder

22.11.2010 | 16:37 Uhr
Wandergeselle trifft seine Katharina wieder

Unna.Der Künstler Hauke Jessen besuchte auf Einladung der KAB am Samstag die Kapelle im Katharinen Hospital. Zuletzt war er 1997 zu Gast, um die Figur der heiligen Katharina zu schnitzen. Damals bestand seine Kluft noch aus langer Schlaghose, Schlapphut, Stock und grober schwarzer Gesellenjacke, denn Jessen befand sich auf der Walz, der traditionellen Wanderschaft junger Handwerksgesellen.

Er hatte gerade seine Ausbildung zum Holzbildhauer beendet und trampte mit seiner Kluft kreuz und quer durch Europa, wie schon Generationen junger Handwerker vor ihm. „Ich sah schon ziemlich schräg aus mit Stock und Schlapphut“, erzählt Jessen.

Auf der Raststätte Rhön parkte neben ihm der Bus der KAB aus Unna und Werner Porzybot sprach ihn interessiert an: „Sie sind wohl Zimmermann?“ Als Jessen ihm sagte, er sei Holzbildhauer, konnten die KABler es kaum glauben. Sie suchten nämlich eine Holzfigur der heiligen Katharina und waren mit dem Angebot so gar nicht zufrieden.

Prompt besiegelten sie per Handschlag, dass Jessen sich an die Figur wagen sollte. „Zwei Wochen später bin ich dann mit Plänen nach Unna getrampt“, erzählt Jessen. Als der KAB die Pläne gefielen, besorgte er sich an einer Berufsschule eine Werkbank und fing an zu arbeiten. „Kost und Logis waren ja frei. Ich habe im Schwesternwohnheim zwischen vielen jungen Zivis gewohnt und immer in der Kantine gegessen“, erinnert sich Jessen. Dort war er wirklich etwas Besonderes, denn in Unna sieht man höchst selten einen Wandergesellen. Ein echtes Unikat eben. „Einige Besucher haben natürlich sofort gefragt, was das für ein Mann in seltsamer Kluft ist, und was er in Unna tut“, führt Jessen aus.

Unna ein Höhepunkt auf der Walz

Verstanden hat er sich mit allen ziemlich gut. „Mit einem Zivi bin ich öfters in den Pub gegangen – und die technische Abteilung hat mir vieles geliehen“, meint er. Mal war es der Hammer oder ein Radio mit Kassettenspieler. In der Halle begegnete ihm Herr Mock vom technischen Dienst. Die beiden erkannten sich selbst nach 13 Jahren sofort. Auch er hat dem lustigen jungen Mann gerne einmal etwas für seine Arbeit geliehen.

Nach drei Monaten hatte Jessen seine Katharina dann fertig. Natürlich auch mit einer ganz besonderen Note: „Die Katharina fasst als Märtyrerin das Schwert an der Klinge“, erklärte Jessen. Eben etwas Besonderes, ein Einzelstück, wie es die KAB auch wollte. Dort erinnert man sich heute noch an den einstigen Wandergesellen. Heute ist er selbstständiger Künstler in Hamburg, wo er unter anderem Requisiten für die Sesamstraße baut.

„Für meine heutige Arbeit war die Walz sicher ein großer Einfluss – und Unna einer der Höhepunkte“, meint Hauke Jessen. Vor dem vergangenen Samstag war er schon einmal in Unna gewesen, allerdings ganz heimlich: „Ich bin kurz mal von der Autobahn abgefahren und hab Mäuschen gespielt.“

Marc Nathmann

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