Von Fort Knox zur Gartenvorstadt
10.02.2012 | 19:17 Uhr 2012-02-10T19:17:00+0100
Unna.Von der Banken-Krise über die Goldreserven von Fort Knox bis zum Tauschring Gartenvorstadt ist es nicht weit. Manchmal gelangt man in nur einer Stunde von einem Thema zum anderen. Gestern etwa schlug Volkswirt und VHS-Kursleiter Armin Schumacher die Brücke von der Weltwirtschaft in den Alltag.
Der Massener wird das ab Donnerstag, 23. Februar, wieder wöchentlich tun. In seinem VHS-Kurs „Ökonomie für jedermanns Alltag“ versammelt Schumacher bereits zum siebten Mal interessierte Laien, die den Auswüchsen der vermeintlichen Wirtschaftsexperten und Finanzjongleuren nicht länger tatenlos zusehen wollen.
Auf Einladung unserer Redaktion stellte Schumacher sich für eine Fragestunde zur Verfügung, bei der viele Themen zur Sprache kamen.
Zum Thema Aktien hat Schumacher eine klare Meinung. Wer sein Geld an der Börse anlege, müsse eine gewisse Spielermentalität haben. „Man muss knallharte Nerven haben. Die Börse ist nichts für Hektiker“, sagt er.
Schumacher nutzt die Aktienkurse innerhalb seines VHS-Seminars für ein Börsenspiel. 30 000 fiktive Euro darf jeder Teilnehmer in Aktien investieren, nach einem Monat wird Bilanz gezogen. Seine Erkenntnis aus dem Spiel, das vorhandene Vermögen zu jeweils einem Drittel konventionell anlegen, festverzinslich und in DAX-Werte. „Wer einen langen Atem hat und 5000 Euro Verlust verkraften kann, sollte es versuchen.“ Pensionär Schumacher legt seine überschüssigen Euro lieber im eigenen Nachwuchs an.
Muscheln, Getreide, Rinder, Münzen, Gold – welche Tauschmittel der Mensch erfunden hat, ist für Schumacher ebenfalls ein spannendes Thema. Daran werde der Unterschied zwischen Gebrauchswert und Nutzwert erkennbar. Getreide lässt sich zum Beispiel in Brot umwandeln oder gegen Rinderhälften tauschen. Gold als Tauschmittel oder Sicherheitsreserve für Geld ist dagegen schwer verdaulich, hat also keinen direkten Gebrauchswert. Weil es als Edelmetall von hoher Symbolkraft ist, sprechen Menschen dem Gold aber einen hohen Wert zu.
Eine andere Frage dreht sich um die Krise des Kapitalismus’. Der war nach Meinung Schumachers so lange reformfähig, wie er im Sozialismus eine (feindliche) Alternative besaß. Nun fehlt dieses Gegengewicht, und es brauche neue, intelligente Systeme. Ob und wann sie kommen, weiß Schumacher natürlich nicht.
Allerdings beginnen Menschen im Kleinen, bereits andere Formen des Tauschens zu etablieren. Eigene Fähigkeiten und Talente werden gegeben, die anderer Menschen genommen – wie es der Tauschring Gartenvorstadt vormacht. Auch Schumacher hat in seiner Nachbarschaft ein ausgeklügeltes Leih„geschäft“ eingeführt. Gartengeräte zum Beispiel sind nicht mehr doppelt und dreifach vorhanden, sondern werden nach bestimmten Regeln genutzt und gemeinsam neu angeschafft.
Eins konnte Schumacher gestern nicht: Eine Anlagemöglichkeit mit hoher Rendite für 100 Euro Einsatz empfehlen. Er lehnt die Börse ja ab...
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