Unnaer ersteigert Lindenbrauerei
12.01.2010 | 18:26 Uhr 2010-01-12T18:26:00+0100
Passend zu seiner neuen Errungenschaft müsste Ex-Bundesliga-Profi Dirk Eitzert (VfL Bochum) jetzt eigentlich Kron- statt Sektkorken knallen lassen: Er hat den Komplex der Lindenbrauerei mit Sud- und Kesselhaus zwangsersteigert.
Der heutige Trainer des Fußball-Westfalenligisten SSV Mühlhausen-Uelzen erhielt am Dienstag am Amtsgericht Unna für gut eine Million Euro den Zuschlag.
Am Dienstagvormittag, um genau 11.20 Uhr, erteilte Rechtspflegerin Irmhild Weber-Granseyer in Saal 115 den Zuschlag für den Unnaer. Der 41-Jährige hatte letztlich als einziger bei der Zwangsversteigerung vor dem Unnaer Amtsgericht geboten. Offenbar zur Verwunderung von Eitzert selbst und dessen Begleiter Fedor Welge.
Eitzert blickte jedenfalls auf dem Weg zur Gebotsabgabe mehrmals nervös in das Feld der rund 20 Interessierten im Zuschauerraum. Unter ihnen erhob sich aber niemand vom Platz, um mitzubieten.
Gläubigerbank hat noch Bedenkzeit
Dabei hatte kurz zuvor noch reges Treiben geherrscht, nachdem die halbstündige Gebotszeit von der Rechtspflegerin eröffnet worden war: Investoren oder deren Vertreter waren vom Saal auf den Gerichtsflur getreten, um dort mehr oder weniger hektisch mit Handys zu telefonieren.
Auch Josef Janorschke, Ex-Eigentümer und Schuldner (5,6 Millionen) aus Hagen, vertrat sich dort die Beine. Anfangs noch guter Hoffnung, dass auch der zweite Versteigerungstermin ohne Ergebnis ende. Da er nach wie vor „Investoren und unterschriebene Verträge im Rücken” habe, die bereit wären, „gut über eine Million zu zahlen” – allein die Bayerische Landesbank als Gläubigerin ziehe da nicht mit.
Deren Vertretern war die handfeste Offerte des Ex-Bundesliga-Profis, der in Unna rund 80 weitere Immobilien besitzt („mit keinem Leerstand”), offenbar lieber als die Planspiele von Janorschke.
Genau die Hälfte des Verkehrswerts geboten
Dirk Eitzert gab ein Gebot über 1 070 500 Euro ab. Genau 50 Prozent von 2,14 Millionen Euro, dem taxierten Verkehrswert des mehrstöckigen Gebäudes mit 2274 Quadratmetern Bruttonutzfläche – und damit das rechtlich zulässige Minimalgebot.
„Ich freue mich riesig, ein so schönes historisches Gebäude mitten in Unna zu besitzen”, strahlte Eitzert nach dem Zuschlag. Er plane, die leerstehenden Boutiquen, Gastronomie- und Büroräume nun zügig zu vermieten. Bestehende Mietverhältnisse sollen fortgeführt werden (Fitnessstudio, Eiscafé). Er habe zudem vor, Gebäudebereiche für seine Ideen zu nutzen.
Die Bayern LB räumte sich indes nach dem Zuschlag noch eine (rechtlich zulässige) Bedenkzeit bis 20. Januar ein, auf das Gebot einzugehen. Kein Grund für den Mittelfeldspieler sich zu sorgen. Schließlich stehe er mit der Bank seit gut einem Monat in Verhandlungen. „Und ich gehe nicht davon aus, dass sie mein Gebot noch ablehnt”.
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