Unna lange auf dem Abstellgleis
10.02.2012 | 18:26 Uhr 2012-02-10T18:26:00+0100
Unna.Im neu errichteten Wartesaal des Unnaer Bahnhofs herrscht stetige Unruhe. Reisende und Besucher drängen sich um die Theke und stoßen auf das neue Bauwerk an. Sie überhören den städtischen Pfarrer, der eine ergreifende Rede zur Eröffnung des neuen Bahnhofs hält. Wir schreiben das Jahr 1855 – Unna ist endlich ans Schienennetz angebunden worden.
„Wie die Eisenbahn nach Unna kam“ erzählte Pit Böhle, selbst passionierter Eisenbahner, am Donnerstagabend im zib. Seine liebste Eisenbahn ist ein Modell und fährt in seinem Arbeitszimmer durchs Bücherregal – seine Expertise umfasst jedoch auch die „echte“ Bahn. Dabei ist die Antwort darauf, wie die Eisenbahn nach Unna kam, zunächst recht ernüchternd: Sie kam nämlich erstmal lange gar nicht.
1841 nur wenigInteresse an Bahnlinie
Anno 1830: Man sorgt sich um wichtige Fragen, die es zu klären gilt, bevor man eine Zugstrecke baut. Wie verdient man mit einer Eisenbahn durch Unna Geld? Wie viel kann die Technik, die man bereits entwickelt hat? Wie zwingt man die Kommunen, sich zu beteiligen? Heutzutage müsste man sich wohl eher darüber Gedanken machen, ob Bürger sich anlässlich des Bahnbaus an Bäumen festketten, Aufkleber drucken lassen und im Internet Petitionen gegen das Vorhaben unterschreiben. König Friedrich Wilhelm IV. hatte diese Sorgen allerdings nicht.
1841: Dem damaligen Bürgermeister ist die Eisenbahn von Herzen schnurz. „Es kann Unna gleichgültig sein, ob die Linie über Hamm oder Soest fährt“, stellt er in einem Schreiben fest. Tatsächlich erwarten die Unnaer „eher Nachteile als Vorteile“ von der Eisenbahnstrecke und sind nicht bereit, zu investieren. Welch Fehler, denkt sich da natürlich der heutige Einwohner. Allerdings darf man nicht vergessen, dass der Bahnhof heute wahrscheinlich irgendwo in Obermassen läge, hätte man die damaligen Pläne bezahlt.
1847: Von Köln bis Dortmund werden die ersten Schienen gelegt. Allerdings ziemlich weit um Unna herum, während in Kamen schon bald darauf Züge einfahren. Der Wettlauf um die Zugstrecke zwischen Unna und Kamen steht dem Wettlauf im All zwischen der Sowjetunion und den USA von jetzt an in nichts mehr nach.
1849: Die Unnaer Bürger sind nun doch neidisch. Man regt sich auf, gründet eine Gesellschaft, die Sprüche auf Plakate druckt und Forderungen aufschreibt, aber keine Lösungen. Man will am liebsten gleich morgen täglich Schnellzüge im noch nicht errichteten Bahnhof einfahren sehen. Schließlich muss Unna seinem Ruf als Metropole, den es im Geheimen schon lange hat, endlich gerecht werden.
Der erste Zug fährtvon Soest aus ein
1855: Es hat ein bisschen länger gedauert. Aber dann investiert eine neue Eisenbahngesellschaft endlich in den Streckenbau von Unna aus. Er fährt ein, der erste Zug von Soest nach Unna. Es folgt der erste D-Zug von Berlin nach Unna, ein Zug von Leningrad über Warschau nach Köln macht ebenfalls regelmäßig einen Zwischenstopp. Und weil man gerade dabei ist, baut man noch eine Anbindung bis nach Dortmund.
2012: Böhle schließt seinen Vortrag über die Geschichte des Unnaer Eisenbahnnetzes zufrieden: „Und so hat unser heutiger Bürgermeister das Glück, dass jeden Tag ein Zug vom Rathaus bis ins Stadion fährt.“
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