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Unfassbare Tragödie - auch für die Retter

27.12.2009 | 18:01 Uhr

Unna. Plötzlich ist Unna Thema in der Tagesschau. Was sonst irgendwo auf der Welt, ganz weit weg passiert, ist hier geschehen: Ein Familie ist in der Weihnachtsnacht getötet worden, zerstört von einem verheerenden Hausbrand.

Jede Hilfe, die fünf Menschen zu retten, kam zu spät. So zerstörerisch hat das Feuer in dem Haus an der Zechenstraße 54 gewütet.

Von den drei Generationen, die dort noch am Heiligabend gemeinsam gefeiert haben, überlebten lediglich der 56-jährige Familienvater und seine 78-jährige Schwiegermutter. Die Frau befindet sich noch immer schwerstverletzt im Koma, es besteht weiterhin Lebensgefahr. Der überlebende Mann erlitt Rauchvergiftungen, konnte aber nach einem Tag das Krankenhaus wieder verlassen. „Er befindet sich bei Angehörigen und ihm wurde natürlich psychologische Hilfe angeboten”, sagt die leitende Staatsanwältin Carola Jakobs aus Dortmund.

Am Montag wird der Brandsachverständige der Polizei erneut das Unglückshaus in der Zechenstraße untersuchen, nachdem er bereits den ganzen 1. Weihnachtstag dort und die anschließende Nacht im Büro verbracht hat. Das Ergebnis teilten Staatsanwältin Jakobs und Kriminalhauptkommissar Ingo Dahrenberg am Nachmittag des 2. Weihnachtsfeiertags mit: „Vieles, wenn nicht alles spricht für einen technischen Defekt als Brandursache”, sagte Jakobs. Ein elektrisches Gerät aus dem Wohnzimmer des 56-jährigen Mannes, der mit Frau und zwei erwachsenen Söhnen im rückwärtigen Anbau des Hauses wohnte, löste das Feuer aus. Um welches Gerät es sich gehandelt habe, sei angesichts des „extrem hohen Zerstörungsgrades” noch völlig offen, so Jakobs.

Problematisch war bereits in der Brandnacht der unübersichtliche und verwinkelte Unglücksort, aber auch die Unklarheit, ob sich nicht noch mehr Menschen als jene sieben Vorgefundenen in dem Haus aufgehalten haben. Denn der 56-Jährige, der das Feuer bemerkt und die Polizei alarmiert hatte, war Heiligabend früher als die anderen schlafen gegangen und hatte nicht gewusst, ob nicht noch Freunde zu späterer Stunde gekommen waren. Mit Leichenspürhunden wurden die völlig zerstörten Zimmer abgesucht, aber keine weiteren Opfer gefunden. Auch Brandmittelspürhunde setzte die Kriminalpolizei ein und konnte so ausschließen, dass womöglich Brandbeschleuniger benutzt worden waren. „Gleichzeitig hat die Obduktion ergeben, dass alle Opfer zum Zeitpunkt des Brandausbruchs lebten”, sagt die Staatsanwältin – Brandstiftung zur Vertuschung einer anderen Straftat wurde damit ebenfalls ausgeschlossen.

Eine unvergessliche Weihnachtsnacht 2009 bedeutet diese Familientragödie auch für die 95 Feuerwehrleute aus dem ganzen Kreis Unna, die Rettungssanitäter, Notärzte und deren Angehörige. Bereits am gestrigen Sonntag schoben viele der Feuerwehrleute, die in der Zechenstraße im Einsatz waren, schon wieder Dienst. „Feuerwehrleute nehmen solche erschütternden Eindrücke auch mit nach Hause. Gerade in der Weihnachtsnacht und an den Feiertagen kehrt dann die Erinnerung zurück”, sagt der Vorsitzende des NRW-Verbandes der Feuerwehren, Dr. Klaus Schneider. Er sprach in einem Telefonat mit Kreisbrandmeister Ulrich Peuckmann allen beteiligten Rettern „Respekt und Anerkennung für den psychisch und physisch belastenden Einsatz” aus.

Bettina Szallies

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