So geht Jugendarbeit heute
03.02.2012 | 17:47 Uhr 2012-02-03T17:47:00+0100
Unna.Sein Arbeitsziel ist klar. „Die Leute sollen sich hier wohl fühlen“, sagt Philipp Kleffner. „Hier“ – das ist das Jona-Haus, und „die Leute“ sind junge Menschen zwischen acht oder neun Jahren und Anfang 20. Wenn das so einfach wäre... Doch dem Jugendreferenten der evangelischen Kirchengemeinde Unna ist das gelungen, worum sich andere Organisationen in der Stadt vergeblich bemühen. Die Jugendetage im Jona-Haus hat sich seit dem ersten Arbeitstag von Philipp Kleffner vor anderthalb Jahren zum festen Treffpunkt entwickelt.
Zwei offene Treffs bietet der Diplom-Sozialarbeiter – unterstützt von rund 30 (!) ehrenamtlichen Mitarbeitern, zumeist ehemalige Konfirmanden – im Gemeindehaus an (siehe unten stehender Info-Kasten). Rund 20 Kinder tummeln sich regelmäßig dienstags im Souterrain des Gemeindehauses; der Treff donnerstags wird stets von einer rund zehnköpfigen Gruppe aus dem Stadtteil besucht. „An anderen Tagen treffen sie sich meistens auf einem der Spielplätze.“
Wo die jungen Leute sind, weiß der 27-jährige Jugendreferent meistens, schließlich ist er auch als Streetworker im Einsatz. Seine 30-Stunden-Stelle wird zum großen Teil von der Kirchengemeinde und zum kleineren Teil (sechs Stunden pro Woche) von der Stadt Unna bezahlt. Seit Herbst geht er mit den Jungs auch Fußball spielen, immer montags in der Falkschulturnhalle. Und zwischendurch gibt es immer mal wieder Aktionen wie zum Beispiel die Wasserrutsche im Sommer im Kastanienhof, bei der kleine und große Kinder einen Riesen-Spaß hatten und völlig verschlammt, aber glücklich am Abend wieder nach Hause kehrten. „Jetzt warten wir auf Schnee“, hofft Philipp Kleffner schmunzelnd auf eine zweite Rutschpartie im Winter. Gemeinsam mit den Kollegen vom Jugendtreff „Taubenschlag“ in Königsborn werden solche Aktivitäten unternommen, Ideen ausgetauscht.
Keiner muss, jeder kann
Sein Rezept für erfolgreiche Jugendtreffs ist ebenfalls klar: „Ein absolut niederschwelliges Angebot“. Hier guckt keiner vorwurfsvoll, wenn sich Besucher eine Zigarette anstecken – draußen vor der Tür, natürlich. Niemand muss etwas machen, alle können. Wenn sie wollen. Gelegenheiten dazu bieten zwei Spielkonsolen, Flachbildfernseher mit DVD-Spieler, Billard und Kicker.
„Ja, wir hatten Glück“, kommentiert lachend Pfarrer Jörg-Uwe Pehle den nagelneuen Elektronik-Spaß samt Interieur aus dem schwedischen Möbelhaus. In Zeiten knappster Kassen wurde die Gemeinde Ende vergangenen Jahres von einem unerwarteten Geldsegen überrascht. Landschaftsverband und Landeskirche öffneten kurzfristig die Schatullen, Jugendeinrichtungen durften sich Wünsche erfüllen. So auch das Jona-Haus.
Auf Glück allein kann sich die evangelische Kirchengemeinde jedoch nicht verlassen, will sie die erfolgreiche Jugendarbeit fortsetzen. Im Sommer endet der vorerst auf zwei Jahre befristete Vertrag des Jugendreferenten.
Vertrag endet bald
„Mein Traum ist, dass wir Philipp Kleffner eine langfristige Perspektive bieten können, indem wir die Stundenzahl auf eine volle Stelle aufstocken“, sagt Jörg-Uwe Pehle. Die dafür fehlenden neun Arbeitsstunden pro Woche könnten sich Stadt und Kirchengemeinde vielleicht teilen, lautet ein Vorschlag von Pfarrer Pehle, so dass Philipp Kleffner auch als Streetworker vermehrt unterwegs sein kann.
Sträflich wäre es aus Sicht des Pfarrers, Philipp Kleffner, der für seine Arbeitsstelle von Paderborn nach Unna zog, gehen zu lassen. „Er lässt die Jugendlichen sein, wie sie sind, er holt sie dort ab, wo sie sind.“
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