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Nachbarschaftsserie:

Schiedsrichter des Vorgartenstreits

11.08.2009 | 17:31 Uhr

Freunde kann man sich aussuchen, Nachbarn nicht. Das Leben Tür an Tür, Garten an Garten, Haus an Haus verläuft nicht immer harmonisch. Schiedsfrau Petra Schudde und die Direktorin des Amtsgerichts, Annette Rodehüser, schlichten und richten bei Nachbarschaftsstreitereien.

Frau Schudde, haben Sie negative Erfahrungen in Ihrer Nachbarschaft gesammelt?

Petra Schudde: Nein. Ich lebe in einer tollen Nachbarschaft. Deshalb fällt es mir auch manchmal schwer zu glauben, weswegen Menschen sich in die Haare kriegen können. Das fängt meist mit einer Kleinigkeit an und schaukelt sich über Jahre hoch.

Scheint so, als könnten sie aus dem Nähkästchen plaudern?

Nein, das kann und darf ich nicht. Aber meine Erfahrung sagt, dass es meist kleine Konflikte sind, die für verhärtete Fronten sorgen. Sie glauben nicht, wie Bepflanzungs-Fragen manches Nachbarschaftsverhältnis nachhaltig beeinflussen.

Immer neutral sein, sich zwischen Parteien stellen. Das klingt nicht einfach. Welche Fähigkeiten sollte ein Schiedsmann besitzen?

Man muss moderieren können und die zerstrittenen Parteien dazu bringen, miteinander zu reden. Es geht nicht darum, dass man mit Paragraphen um sich wirft, sondern menschlich aufeinander zugeht.

Falls mich die laute Musik meines Nachbars stört, rufe ich sie einfach an und sie eilen zur Hilfe?

Nun ja, nicht ganz. Mir ist es am liebsten, wenn die Leute mit ihrem Anliegen persönlich vorbei kommen. Viele Sachen lassen sich zwischen Tür und Angel klären. Und trotzdem...

...und trotzdem lässt sich eine gerichtliche Auseinandersetzung manchmal nicht vermeiden?

Jeder ist heutzutage Rechtschutzversichert. Da ist der Gang zum Schiedsmann, der durch das Schlichtungsstellengesetzt verordnete wird, eher ein leidiges Übel. Kaum einer scheut sich mehr, eine höhere Instanz einzuschalten.

Kritische Worte. Also lautet das Motto „Anklagen statt Ausdiskutieren”? Eine Einschätzung bitte!

Leider beobachte ich das immer wieder. Dabei könnten verhärtete Fronten vermieden werden, wenn beide Parteien schon frühzeitig miteinander reden und einlenken.

Frau Rodehüser, Hand aufs Herz. Zu ihnen kommen die Parteien, die sich außergerichtlich nicht einigen konnten. Kann Sie noch etwas schocken?

Annette Rodehüser: Ganz ehrlich. Nein. Oft werden Dinge vor Gericht gebracht, die mit dem Ursprungsstreit nichts mehr zu tun haben.

Sie richten über Nachbarschafts-Streitereien. Wo liegt die Schwierigkeit?

Diese Menschen wohnen nebeneinander. In manchen Fällen schon ein Leben lang. Sie können sich nicht einfach aus dem Weg gehen. Das habe ich immer im Hinterkopf wenn ich eine Lösung suche.

Wie sieht es aus in den Unnaer Nachbarschaften. Friedlich oder Streisüchtig?

Ich bin selbst von den Zahlen überrascht. Von 2000 Zivilverfahren jährlich fallen nur 30 auf Nachbarschaftskonflikte. Das sind weniger als 1,5 Prozent.

Streitpotential ist immer da. Welche Fälle häufen sich?

Definitiv Lärm- und Bepflanungsfragen. Vereinfacht gesagt: Es gibt dann Streit, wenn einer sich nicht so verhält, wie es der andere will. In Nachbarschaftsfragen sind persönliche Empfindlichkeiten größer.

Ihr Patentrezept für eine funktionierende Nachbarschaft?

Miteinander reden, Probleme sofort ansprechen und trotzdem seine eigenen Interessen vertreten und wahren. Kompromisse müssen sein.

Marie Lisa Schulz

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