Raus aus den Gruppen, rein in Mal-, Theater- oder Werkraum
15.05.2008 | 17:02 Uhr 2008-05-15T17:02:00+0200Unna. Der Raum als dritter Erzieher – mit einem neuen pädagogischen Konzept gehen zurzeit die evangelischen Kindergärten in Unna neue Wege. Die Einrichtungen lösen sich vom klassischen Gruppen-Konzept.
Vorschulkind Maleen nimmt heute früh in der evangelischen Kindertagesstätte Unterm Regenbogen nicht den üblichen Weg zum Raum ihrer alten „Blauen Gruppe”. Sie geht stracks zum Malraum ins Atelier. Auch den dreijährigen Leon, kaum dass seine Mutter ihn abgeliefert hat, zieht es sogleich an die Staffelei. Erst um neun Uhr geht's in die Stammgruppen, zum Morgenkreis.
Und dann locken bis mittags insgesamt zehn Angebote die Kinder wieder aus ihren roten, blauen und grünen Stammgruppen, zum Beispiel in die sehr beliebte Bewegungsbaustelle mit den tollen Parcours. Andere probieren im Theaterstudio selbst erfundene Rollenspiele oder beschäftigen sich in der Dino-Ecke. Wer dann zum Kinder-Restaurant möchte, nimmt seine Photokarte mit und heftet sie an die zuständige Magnetwand. So behalten die Erzieherinnen um Morena Faulseit stets den Überblick und können bei Überfüllung auch schon mal sanft steuern und auf die spätere Parcours-Runde vertrösten.
Jede Aktivität ungestört im eigenen ausgestatteten Raum gestalten, das ist der Kernpunkt des neuen pädagogischen Konzepts, das Fachberaterin Maren Schulz in sämtliche 28 Kindergärten im Kirchenkreis Unna schrittweise einführen möchte. Kleinkinder seien „hochtourige Lerner”, die mehr bräuchten als nur gruppenweise von Erziehern an die Hand genommen zu werden.
Bewegung ist das zweite Schlüsselwort der Kita-Reformer. Dies nicht nur wegen des Bewegungsmangels, den etwa die Erzieherinnen der innerstädtischen Kinderarche am Nordring beklagen, weil er bei einem Drittel zu Übergewicht geführt hat. Vielmehr: auf Bewegung, vom Krabbeln angefangen, weiß man heute, beruht ein Großteil Befähigung zum Sprach- und Lernerfolga „Kinder, die nicht rückwärts laufen können, haben große Probleme im Subtrahieren”, sagt Sonja Pankauke-Kaiser, seit einem Jahr Leiterin der Kinderarche. Wer das Anziehen nicht alleine hinkriege, spreche auch in der Regel keine vollständige Sätze aus.
Maren Schulz ist stolz, dass die Erzieherinnen-Teams auf die neuen Erkenntnisse intensiv eingehen und sich erheblicher Fortbildungen unterzogen haben. Wenn im Sommer vermehrt auch Zweijährige zu den Kitas strömen, passt das ohnehin zum Konzept. Über „Nestgruppen” werden die Kleinsten in wenigen Wochen flügge genug sein, um bei den Großen mitzutun. Dass man der Königsborner Unterm Regenbogen demnächst im Verbund mit Grillo-Grundschule und Jugendzentrum Taubenschlag zum neuen Familienzentrum aufsteigen könnte, würde der neuen Pädagogik weiteren Auftrieb geben.
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