PGU sucht nach UNESCO-Erben
17.02.2010 | 00:30 Uhr 2010-02-17T00:30:00+0100
Unna. Das Pestalozzi-Gymnasium Unna (PGU) verliert nach 13 Jahren ein bekanntes Markenzeichen. Die UNESCO-AG mit dem Schwerpunkt Tibet hat zum Schulhalbjahreswechsel ihre Arbeit eingestellt.
Auf der Internetseite der Arbeitsgemeinschaft ist offiziell von internen schulpolitischen Gründen die Rede. Doch hinter den Kulissen brodeln die Gemüter.
Es sei versucht worden, das Profil des PGU als UNESCO-Projekt-Schule zu festigen. Nun jedoch rollen die Aktiven ihre Tibet-Flagge ein. Dabei reisten in den vergangenen 13 Jahren insgesamt 110 Schüler, Eltern und Lehrer nach Tibet, um Land und Kultur kennen zu lernen und nicht zuletzt ein Tadra-Kinderdorf in Dawu zu unterstützen. Generationen von Schülern sammelten Geld, gestalteten elf Kalender, vermittelten Patenschaften – insgesamt 350 000 Euro flossen so für die gute Sache nach Fernost.
Die Schülerschaft steht noch hinter der UNESCO-Idee, befindet sich aber gleichermaßen in einer Zwickmühle. Viele der in der ehemaligen Arbeitsgemeinschaft engagierten 35 Schüler haben sich mitunter schon fünf bis sechs Jahre aktiv für ihr Tibet-Projekt eingesetzt. Schon im März 2009 bat die AG die Schulleitung um mehr Unterstützung. Laut Kritik zu üben, dass sie ihre Arbeit mit voller Rückendeckung nicht mehr ausführen können, kommt für sie allerdings nicht in Frage. Zu groß ist die Furcht vor Sanktionen durch ihre Lehrer, die am Ende eines jeden Jahres die Noten geben und mithin am längeren Hebel sitzen.
Es mangelt offenbar an Lehrern, die sich wie ihre Schüler für die UNESCO-Idee begeistern können. „Die ganze Arbeit wurde Manfred Bergermann nach all den Jahren zu viel”, sagt der stellvertretende Schulleiter Jürgen Meinel. Deshalb sollten nun „junge Kollegen” nachfolgen und das Prädikat UNESCO-Schule mit neuem Leben füllen. „UNESCO ist sehr vielseitig, es wird ein neues Thema gewählt, aber das braucht Zeit”, sagt Meinel.
Keineswegs plötzlich, sondern schon vor einem halben Jahr sei entschieden worden, das Schwerpunktthema Tibet auslaufen zu lassen. Ein Entschluss, den die Schüler nicht hinnehmen und sich weiterhin in privater Gemeinschaft für das Tadra-Projekt, das Waisenkinderdörfer baut und unterstützt engagieren (www.tadra-unna.de). In den Sommerferien 2011 wird auch noch die letzte Schülergruppe nach Tibet reisen – sie sollen für ihr jahrelanges Engagement belohnt, nicht durch schulinterne Politik bestraft werden.
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